MOTÖRHEAD – Motörizer

 
Label: SPV
Release: 29.08.2008
Von: Joking
Punkte: 8.5/10
Time: 39:04
Stil: Motörhead ‘n’ Roll
URL: Motörhead
 
20 Studio-Alben später. Es gibt sie immer noch. Zu behaupten, es geschähe Überraschendes auf Motörizer, wäre eine Übertreibung sondergleichen. Aber das MOTÖRHEAD es wieder mal geschafft haben, mit einer stilistischen Bandbreite, die als Gürtel Kate Moss Hosenbund kaum überlasten dürfte, ein von vorne bis hinten gelungenes Album herauszubringen, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Lemmy klingt erstaunlich frisch, versucht sich sekundenweise in English Rose – gar nicht mal schlecht – sogar a capella. Balladen: Fehlanzeige. MOTÖRHEAD schmettern wieder wie eine Abrissbirne durch feuchte Rigipswände. Klar, gibt es mittlerweile Bands, die härter sind, die schnellere Rhythmen spielen, aber die äußerst unterhaltsame Konsequenz mit der MOTÖRHEAD ihre Hörer durch’s laufende Programm führen, wird in absehbarer Zeit wohl kaum noch jemand erreichen. Es gibt tatsächlich ab und an Breaks in den Songs, der Abschlusstrack The Thousand Names Of God ist gar ein richtiggehendes Melodienwunder. Zumindest für MOTÖRHEAD-Verhältnisse. Motörizer ist wärmer ausgefallen als das gute Jubiläumsalbum Kiss Of Death, es ist erdiger, konzentrierter, der lebende Beweis, dass die rohe Kraft des Rock’n Roll immer noch funktioniert und einen Höllenspaß bereitet. Technisch irgendwas an dem Trio auszusetzen, erübrigt sich von selbst, ob sie schlafwandeln, besoffen torkeln oder professionelle Studioarbeit abliefern, Lemmy Kilmister, Phil Campbell und Mikkey Dee sind wie ein edelstahlverstärktes Stuntauto – da können so viele Unfälle passieren wie wollen, es kommt auf jeden Fall im Ziel an. Das diesmal nach 39 Minuten leider relativ schnell erreicht ist. Aber was soll’s, Repeat-Taste drücken oder irgendeines der anderen zwei Dutzend offiziellen MOTÖRHEAD-Alben (Live-Scheiben mitgerechnet) zum Vergleich rausholen, um festzustellen, das Motörizer verdammt gut abschneidet. So kann’s weitergehen. Noch lange Zeit.