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Studio-Alben später. Es gibt sie immer noch. Zu behaupten,
es geschähe Überraschendes auf Motörizer,
wäre eine Übertreibung sondergleichen. Aber das MOTÖRHEAD
es wieder mal geschafft haben, mit einer stilistischen Bandbreite,
die als Gürtel Kate Moss Hosenbund kaum überlasten
dürfte, ein von vorne bis hinten gelungenes Album herauszubringen,
ist nicht hoch genug einzuschätzen. Lemmy klingt erstaunlich
frisch, versucht sich sekundenweise in English Rose –
gar nicht mal schlecht – sogar a capella. Balladen: Fehlanzeige.
MOTÖRHEAD schmettern wieder wie eine Abrissbirne
durch feuchte Rigipswände. Klar, gibt es mittlerweile Bands,
die härter sind, die schnellere Rhythmen spielen, aber
die äußerst unterhaltsame Konsequenz mit der MOTÖRHEAD
ihre Hörer durch’s laufende Programm führen,
wird in absehbarer Zeit wohl kaum noch jemand erreichen. Es
gibt tatsächlich ab und an Breaks in den Songs, der Abschlusstrack
The Thousand Names Of God ist gar ein richtiggehendes
Melodienwunder. Zumindest für MOTÖRHEAD-Verhältnisse.
Motörizer ist wärmer ausgefallen als
das gute Jubiläumsalbum Kiss Of Death, es
ist erdiger, konzentrierter, der lebende Beweis, dass die rohe
Kraft des Rock’n Roll immer noch funktioniert und einen
Höllenspaß bereitet. Technisch irgendwas an dem Trio
auszusetzen, erübrigt sich von selbst, ob sie schlafwandeln,
besoffen torkeln oder professionelle Studioarbeit abliefern,
Lemmy Kilmister, Phil Campbell und Mikkey Dee sind wie ein edelstahlverstärktes
Stuntauto – da können so viele Unfälle passieren
wie wollen, es kommt auf jeden Fall im Ziel an. Das diesmal
nach 39 Minuten leider relativ schnell erreicht ist. Aber was
soll’s, Repeat-Taste drücken oder irgendeines der
anderen zwei Dutzend offiziellen MOTÖRHEAD-Alben
(Live-Scheiben mitgerechnet) zum Vergleich rausholen, um festzustellen,
das Motörizer verdammt gut abschneidet. So
kann’s weitergehen. Noch lange Zeit.