| Das zweite
Album der Schweizer Formation MAJESTY OF SILENCE
bekommt zunächst mal einen Bonuspunkt für den Spiegel,
den sie einem vorzuhalten vermögen. Denn auf Grund der Bandbiografie
und meiner vermeintlich ach so weltoffenen musikalischen Betrachtungsweise
und der vermeintlichen Erfahrung nach 20 Jahren im Metalbusiness,
bin ich doch in die dümmste aller Fallen getappt: ich hab die
Band und deren Musik vorschnell kategorisiert und lag damit mal
total daneben.
Nun
gut, kommen wir zum Wesentlichen, der Musik. MAJESTY OF
SILENCE wurde als Duo eigentlich schon 1994 als Nirvana
und Beatles Coverband gegründet. Mit der Verstärkung
durch einen Bassisten, der Änderung der musikalischen Ausrichtung
und zweifachen Bandnamenwechsel legt man passend zum Weihnachtsfest
mit But There’s A Light die zweite
Langrille unter diesem Namen vor. Aber was hat man nun bei dieser
musikalisch Vorgeschichte zu erwarten? Grunge? Nein! Hard Rock?
Heavy Metal? True Metal? Nein!
Nach dem kurzen prägnanten Intro Gate folgt mit
Moonlight Masquerade ein Highlight symphonischen Black
Metals. Eine Midtempo Hymne mit den typischen Black Metal Growls,
spoken words einer Lady und wildromantischen Melodiebögen.
Aber das war dann auch schon – meines Erachtens - der Höhepunkt
dieses Albums. Danach nimmt But There’s A Light
eine Wendung. Bereits mit dem Track Experience Of Fear
scheint sich die Stimmung des Albums komplett gewandelt zu haben.
Das Gesamtwerk dreht sich hin zum Power Metal. Die typisch blackmetallische
Gitarrenfront wird klarer, der Keyboardsound intensiver und zum
Ende von Experience Of Fear wechselt man hin zum cleanen
heroischen Gesang. Musikalisch könnte man hier durchaus Vergleiche
zu Nightwish ziehen. Beim vierten Track Mein Gomory gibt
es neben Mi Schattentanz und Regenkönig
(schweizer)deutsche Texte. Ansonsten hält man sich größtenteils
die Waage zwischen symphonischen Midtempo Black Metal und kraftvollen
Power Metal, welche mit einem netten Pianosolo eingeleitet werden.
Der Gesang wechselt wie im Zwiegesang beständig zwischen
Grunts und clean. Was sich beim vorhergehenden Track schon andeutete,
tritt hier nun klar zu Tage, der cleane Gesang ist fürchterlich.
Die Idee an sich ist ja nicht schlecht, aber der Mann sollte mal
professionellen Gesangsunterricht nehmen, denn er hängt doch
ziemlich oft neben der Spur. Und auch eine zweite und dritte Stimme
lässt sich ausmachen, Gesangslinien die sich aber - jede
für sich - in völlig anderen Dimensionen bewegen. At
A Loss dient als mystisch angehauchtes Interlude mit spoken
words. Bei In Silence möchte man dann schon am liebsten
ob des Gesanges die Ohren einfach runterklappen. Leute, da müsst
Ihr was tun!
Und so geht es immer weiter. Die Keyboards werden zuckersüß
und kleistern mittlerweile alles zu. Track neun Call Of Frozen
Days agiert als opulentes symphonisch mystisches Outro, welches
aber sehr gut rüberkommt. Aber ... danach geht es weiter!?
Mit Born In The Storms Arms gibt es einen Song mit langen
instrumentalen Vorlauf, den man durchaus wieder als Intro bezeichnen
könnte, dem weitere 3 Songs und ein erneutes Outro folgen,
um von mehreren Sekunden einfacher Stille (Silence) abgeschlossen
zu werden. Musikalisch gibt es fast keine Unterschiede, nur die
Gitarren haben mit Black Metal nix mehr zu tun. Allerdings lässt
die Aufmerksamkeit nun rapide nach und man hört meistens
fremd. Leider hab ich nirgendwo Informationen gefunden, ob es
sich um eine angehängte ältere Veröffentlichung
handelt oder ähnliches.
Sollte das Arrangement von But There’s A Light
so in dieser Weise in der Absicht der Band gelegen haben, war
das definitiv ein Fehler. Denn so ist der Silberling mit 15 Tracks
und über 70 Minuten viel zu lang und langatmig, wirkt auf
diese Weise total überladen.
Fazit: Insgesamt
eine interessante Mischung aus symphonischen Black Metal und Power
Metal mit Mängeln in der musikalischen Umsetzung. Bei mehreren
Durchläufen fallen einem doch stilistische Ungereimtheiten
und Disharmonien auf. Am cleanen Gesang muss definitiv gearbeitet
werden! Musikalisch fließen Stile von Bands wie Nightwish,
Bathory und alten Ever Eve (Stormbirds) zusammen. Abwechslung
wird glücklicherweise groß geschrieben, es gibt jede
Menge Samples klassischer Instrumente, instrumentale Spannungsbögen
und gekonnte Gitarrensolos. Nur die Keyboards werden mit der Zeit
extrem aufdringlich. Die ersten 9 Songs wären als komplettes
Album völlig ausreichend gewesen, was danach kommt wird eh
kaum wahrgenommen, da man nach dem vermeintlichen Outro schon
abschaltet.
Und zum Abschluss noch eine Sache, an der ich nörgeln möchte:
Das Bookletcover passt weder stilistisch noch farblich zum Artwork
auf der Rückseite, oder umgekehrt, auch wenn das Thema dasselbe
ist. Sieht aus, wie zwei völlig verschiedene Künstler.
Und statt der Lyrics gibt es nur jeweils einen Einzeiler, von
denen man nicht weiß, ist es nun eine Textzeile oder eher
eine allegorische Zusammenfassung des Textinhaltes.
MAJESTY OF SILENCE haben mit But
There’s A Light toll angefangen, aber dann
den Faden verloren. Wenn die Band ein paar der oben erwähnten
Kritikpunkte verbessert, könnte das nächste Album ein
absoluter Hammer werden.
Majesty
Of Silence
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