MAJESTY OF SILENCE - But There's A Light
Label: Castle Records
Release: 02.12.2002
Von: Calani
Punkte: 6,5
 
Das zweite Album der Schweizer Formation MAJESTY OF SILENCE bekommt zunächst mal einen Bonuspunkt für den Spiegel, den sie einem vorzuhalten vermögen. Denn auf Grund der Bandbiografie und meiner vermeintlich ach so weltoffenen musikalischen Betrachtungsweise und der vermeintlichen Erfahrung nach 20 Jahren im Metalbusiness, bin ich doch in die dümmste aller Fallen getappt: ich hab die Band und deren Musik vorschnell kategorisiert und lag damit mal total daneben.

Nun gut, kommen wir zum Wesentlichen, der Musik. MAJESTY OF SILENCE wurde als Duo eigentlich schon 1994 als Nirvana und Beatles Coverband gegründet. Mit der Verstärkung durch einen Bassisten, der Änderung der musikalischen Ausrichtung und zweifachen Bandnamenwechsel legt man passend zum Weihnachtsfest mit But There’s A Light die zweite Langrille unter diesem Namen vor. Aber was hat man nun bei dieser musikalisch Vorgeschichte zu erwarten? Grunge? Nein! Hard Rock? Heavy Metal? True Metal? Nein!
Nach dem kurzen prägnanten Intro Gate folgt mit Moonlight Masquerade ein Highlight symphonischen Black Metals. Eine Midtempo Hymne mit den typischen Black Metal Growls, spoken words einer Lady und wildromantischen Melodiebögen. Aber das war dann auch schon – meines Erachtens - der Höhepunkt dieses Albums. Danach nimmt But There’s A Light eine Wendung. Bereits mit dem Track Experience Of Fear scheint sich die Stimmung des Albums komplett gewandelt zu haben. Das Gesamtwerk dreht sich hin zum Power Metal. Die typisch blackmetallische Gitarrenfront wird klarer, der Keyboardsound intensiver und zum Ende von Experience Of Fear wechselt man hin zum cleanen heroischen Gesang. Musikalisch könnte man hier durchaus Vergleiche zu Nightwish ziehen. Beim vierten Track Mein Gomory gibt es neben Mi Schattentanz und Regenkönig (schweizer)deutsche Texte. Ansonsten hält man sich größtenteils die Waage zwischen symphonischen Midtempo Black Metal und kraftvollen Power Metal, welche mit einem netten Pianosolo eingeleitet werden. Der Gesang wechselt wie im Zwiegesang beständig zwischen Grunts und clean. Was sich beim vorhergehenden Track schon andeutete, tritt hier nun klar zu Tage, der cleane Gesang ist fürchterlich. Die Idee an sich ist ja nicht schlecht, aber der Mann sollte mal professionellen Gesangsunterricht nehmen, denn er hängt doch ziemlich oft neben der Spur. Und auch eine zweite und dritte Stimme lässt sich ausmachen, Gesangslinien die sich aber - jede für sich - in völlig anderen Dimensionen bewegen. At A Loss dient als mystisch angehauchtes Interlude mit spoken words. Bei In Silence möchte man dann schon am liebsten ob des Gesanges die Ohren einfach runterklappen. Leute, da müsst Ihr was tun!
Und so geht es immer weiter. Die Keyboards werden zuckersüß und kleistern mittlerweile alles zu. Track neun Call Of Frozen Days agiert als opulentes symphonisch mystisches Outro, welches aber sehr gut rüberkommt. Aber ... danach geht es weiter!? Mit Born In The Storms Arms gibt es einen Song mit langen instrumentalen Vorlauf, den man durchaus wieder als Intro bezeichnen könnte, dem weitere 3 Songs und ein erneutes Outro folgen, um von mehreren Sekunden einfacher Stille (Silence) abgeschlossen zu werden. Musikalisch gibt es fast keine Unterschiede, nur die Gitarren haben mit Black Metal nix mehr zu tun. Allerdings lässt die Aufmerksamkeit nun rapide nach und man hört meistens fremd. Leider hab ich nirgendwo Informationen gefunden, ob es sich um eine angehängte ältere Veröffentlichung handelt oder ähnliches.
Sollte das Arrangement von But There’s A Light so in dieser Weise in der Absicht der Band gelegen haben, war das definitiv ein Fehler. Denn so ist der Silberling mit 15 Tracks und über 70 Minuten viel zu lang und langatmig, wirkt auf diese Weise total überladen.

Fazit: Insgesamt eine interessante Mischung aus symphonischen Black Metal und Power Metal mit Mängeln in der musikalischen Umsetzung. Bei mehreren Durchläufen fallen einem doch stilistische Ungereimtheiten und Disharmonien auf. Am cleanen Gesang muss definitiv gearbeitet werden! Musikalisch fließen Stile von Bands wie Nightwish, Bathory und alten Ever Eve (Stormbirds) zusammen. Abwechslung wird glücklicherweise groß geschrieben, es gibt jede Menge Samples klassischer Instrumente, instrumentale Spannungsbögen und gekonnte Gitarrensolos. Nur die Keyboards werden mit der Zeit extrem aufdringlich. Die ersten 9 Songs wären als komplettes Album völlig ausreichend gewesen, was danach kommt wird eh kaum wahrgenommen, da man nach dem vermeintlichen Outro schon abschaltet.
Und zum Abschluss noch eine Sache, an der ich nörgeln möchte: Das Bookletcover passt weder stilistisch noch farblich zum Artwork auf der Rückseite, oder umgekehrt, auch wenn das Thema dasselbe ist. Sieht aus, wie zwei völlig verschiedene Künstler. Und statt der Lyrics gibt es nur jeweils einen Einzeiler, von denen man nicht weiß, ist es nun eine Textzeile oder eher eine allegorische Zusammenfassung des Textinhaltes.
MAJESTY OF SILENCE haben mit But There’s A Light toll angefangen, aber dann den Faden verloren. Wenn die Band ein paar der oben erwähnten Kritikpunkte verbessert, könnte das nächste Album ein absoluter Hammer werden.

Majesty Of Silence