Das
zweite Album der Schweden überrascht den Verfasser dieser
Zeilen, das lässt sich gar nicht leugnen. Die Riege junger
schwedischer Black Metal Bands wie Blodsrit präsentiert
sich ungemein frisch und gleichzeitig erfrischend und erfreut
mit Ideenreichtum und einem guten Gespür für prägnante
Riffs. In diese Kategorie fallen auch MÖRKER, die
mit Höstmakter erst ihr zweites Langeisen
veröffentlichen.
Die „Kräfte des Herbstes“ werden in zwölf
Songs freigesetzt. Regnerisch, stürmisch oder verträumt
neblig, die Tage werden kürzer, der Winter kündigt
sich an. Alle Gemütslagen werden hier zelebriert, angefangen
mit dem Doppelschlag I Flodens Forsande Brus/Segertåg.
Mit ihren Reminiszenzen an frühe Dimmu Borgir verabschieden
die beiden Songs den heißen Sommer voller Vorfreude auf
die Herbstmonate vorwiegend im Midtempo und mit wunderschönen
Melodieläufen, die zwar schnell im Kopf hängen bleiben,
aber auch nicht unbedingt anecken. Dafür geht den Songs
in jedem Fall jeglicher Ansatz von Durchschlagkraft flöten.
Denn MÖRKER legen etwas zu viel Gewicht auf Gitarrenmelodien,
anstatt mal einfach das ein oder andere fiese Killerriff mit
Powerchords aus den Ärmeln zu schütteln. Sprich, süß
ist nicht gleich sauer. Nichtsdestotrotz ziehen Songs wie Falk
mit seiner wunderschönen Orchestrierung oder das folkige
Djupa Spår Av Tvivel einen in den Bann und haben
eine Langzeitwirkung.
Schwachpunkt auf Höstmakter ist neben dem
bereits erwähnten eindimensionalen Songwriting der Gesang
von Ascaroth. Dieser verfügt zwar über ein amtliches
Kreischorgan. Aber die Emotionen, die vor allem von der Gitarrenfront
erzeugt werden, sucht man bei den Vocals vergebens.
So, jetzt mag man fragen, ob neun Punkte nicht zu hoch gegriffen
sind für ein Album wie Höstmakter. Nein,
sind sie definitiv nicht, denn trotz aller aufgeführter
Kritikpunkte macht das Album ungemein viel Spaß, ist ansprechend
produziert und technisch kompetent umgesetzt. Und wer den Herbst
so mag wie die drei Schweden (plus Sessiondrummer Niklas), die
ungewöhnlicher- und erfreulicherweise auf ihren Promofotos
gänzlich ohne Corpsepaint auftreten, der wird in den Songs
von MÖRKER ebenso aufgehen wie ich.