MASTERS
OF REALITY und ich, das ist ein etwas zwiespältiges
Verhältnis. Ich kenne alle Platten und jede hat ihre unbestrittenen
Höhepunkte, dennoch ist keine Platte (vielleicht von der
zweiten Live LP mal abgesehen) durchgehend überzeugend.
Die Schwankungen zwischen geilen Songs und den "sind mir
egal Songs" ist sehr hoch. Trotzdem oder vielleicht gerade
deswegen bin ich immer wieder neugierig auf eine neue Platte
von MOR, denn Überraschungen gab es eigentlich
auf allen Platten.
Diesmal hat Chriss Goss tief in der "Raritäten/ Seltenes/Unveröffentlichtes"
gegraben und auf Give Us Barrabas vor allem den etwas ruhigeren,
folkigeren und psychedelischeren Stücken Platz gegeben.
Ein Plus, waren diese Elemente doch immer die herausragenden
Elemente von MASTERS OF REALITY Alben.
Dementsprechend sind die Songs größtenteils ruhiger
Natur und stammen aus allen Schaffensphasen in der zwanzigjährigen
Geschichte der Band. Hier wechseln sich emotional tiefgehende
Stücke, Country-lastige Songs (mal düster mal eher
tralala) , Lo-Fi-mäßiges Geschrammel, Retro-Blues,
poppiges und auch mal Beatles-lastige Songs einander ab.
Leider wirkt die Songauswahl dadurch etwas unhomogen und zwei,
drei schwächere Stücke (Off To Tiki Tiki, Brownhouse...,
Don't Get Caught...) wirken unmotiviert heruntergespielt,
im Gesamtbild völlig unpassend oder unfertig.
Die Überraschungen halten sich diesmal in Grenzen, sind
allerdings auf Compilationen oder "Best Of"- LP’s
sowieso eher selten zu finden.
Da jedoch der Großteil der Stücke das oberste Qualitätslevel
(z.B. der Opener The Ballad Of July Friday) erreichen
oder sogar absolutes Untergrund Hitpotential besitzen (Walk
Beside Your Love) sind 8,5 Punkte eine angemessene Sache.