Seit wann
komponiert eigentlich Ralph Siegel für Nightwish?! - Diese
Frage drängt sich zumindest auf, wenn man zum ersten Mal
MIMESIS’ Promo-Single The
Loved Music hört. Ohne lange Umschweife wird
man vom Refrain des Openers A Little Story überrollt.
Gefällige weibliche Vocals, aufgemotzt mit fetten Background-Chor
und Glockengebimmel als Hookline, das alles serviert auf einem
straighten Midtempo-Beat in Dur; ein Ohrwurm, zuckersüß
und bombastisch. - Kurz: Ein künstlich aufgeblasenes Stück
Heavy-Metal-Pop mit dem Rockverständnis einer Eurovisions-Hymne.
Etwas flotter aus der Hüfte kommt dagegen AD,
der zweite Track dieser CD. Auch hier liegt wieder der Akzent
klar auf dem melodisch eingängigen Refrain, der aber –
im Gegensatz zum ersten Song – textlich überfrachtet
wirkt. Die Gitarrenarbeit erinnert an amerikanischen Radio-Rock
80er-Jahre irgendwo zwischen Journey und Foreigner. Auch das
Arrangement gestaltet sich wenig spannend: Um eine Tonart erhöht
wird der zweite Refrain wiederholt (ein affektiver Kommerz-Trick,
auch bekannt als „Bohlen-Rutsche“), danach ein Takt
Pause und schließlich ein viel zu lang ausgeblendeter
Instrumental-Refrain, auf dem Sängerin Olga Vostrelova
sich in unspektakulären Phrasierungen ergeht. Na, wer’s
mag...
Ein Blick aufs Cover der CD gibt Auskunft: Für die Produktion
verantwortlich zeichnet sich Dodo Dolezal. Ob die Band damit
so gut beraten ist, bleibt zweifelhaft: Schließlich ist
der Mann dafür bekannt, auch bei seiner eigenen Gothic-Metal-Kapelle
Galadriel die nervösen Finger nicht von den Reglern lassen
zu können: Streicher und Chöre, Gegrunze und Heavenly-Voices,
Samples noch und noch – und das alles auf einer CD oder
auch schon mal mit aller Macht in einen Song gepresst. Tut das
denn Not?!
Wenn Frau Vostrelova dann noch leicht bekleidet und umringt
von trommelnden Schamanen zwischen brennenden Tonnen tanzt,
klappt es vielleicht doch noch mit dem Tschechischen Beitrag
zum Eurovision Song-Contest 2006.