Ob
das wirklich so clever war? Nach einem bestenfalls durchschnittlichen
Lebenszeichen im letzten Herbst schmeißen die Schweden von
MERCILESS nun gleich eine Doppel-DVD auf den
Markt. Neben einem Live-Mitschnitt eines Konzertes aus dem Mai
2003 werden dabei auf der zweiten Disc noch diverse weitere Gimmicks
veröffentlicht.
Das
Material auf Disc 1 ist aber nicht dazu geschaffen, den Hüllentext
von einem Konzert, von dem sich Stockholm bis heute nicht wieder
erholt hat zu untermauern. Vielmehr kommt hier relativ schnell
gepflegte Langeweile auf, weil die Band zum einen zu wenig überzeugende
Songs zu bieten hat, die sich live auch teilweise frappierend
ähnlich sind, sie zum anderen dem Platz auf der Bühne
anscheinend eher misstraut und so praktisch überhaupt keine
Bewegung festzustellen ist. Sänger Roger Pettersson ist da
noch der Agilste, Basser Frederik Karlén immerhin häufig
am Bangen, aber Gitarrist Erik Wallin glänzt hauptsächlich
durch eine gelungene T-Shirt-Wahl (VoiVod). Sogar der Weg zum
Verstärker scheint ihm zu anstrengend gewesen zu sein, denn
der Gitarrensound ist das Konzert über hinweg viel zu leise...
Spaß beiseite, keine Ahnung, warum da im Mix nicht ein bisschen
was geändert wurde. Wenigstens wirkt Drummer Peter Stjärnvind
(u.a. auch The Entombed) ziemlich dynamisch und kann so noch etwas
Spielfreude verbreiten. Die Songauswahl erstreckt sich über
sämtliche Veröffentlichungen, wobei das erste und das
letzte Album deutlich die Oberhand haben.
Auch
auf Disc 2 findet sich einiges Konzertmaterial, und zwar aus einem
Ort namens Hulsfred, wobei der Sound hier eher Bootleg-Charakter
hat, dafür aber das Stageacting deutlich gefälliger
geraten ist. Zwischen den Stücken gibt es noch etwas Behind
the Stage-Footage sowie ein kurzes Interview, welches aber keine
neuen Erkenntnisse vermittelt. Außerdem wirken die Jungs
von den Aktivitäten des Vortages (?) noch etwas angeschlagen,
ansonsten aber durchaus locker und sympathisch. Gelungen finde
ich, dass man auf dieser Disc Untertitel in verschiedenen Sprachen
anwählen kann, was bei Musik-DVDs leider nur selten der Fall
ist. Weiterhin finden sich Videoclips zu Pure Hate (ziemlicher
Trash, aber mit kultigem Charme) und Cold Eyes Of Grey (mit
Live-Szenen unterlegt). Der Abschluss der bewegten Bilder erfolgt
dann in Form einer Live-Aufnahme von The Land I Used To Walk
aus dem Jahre 1999, danach kann man sich noch die Biographie und
Discographie von MERCILESS anschauen.
Insgesamt
ist Live Obsession für eine Produktion
ohne nennenswertes Budget ganz ok ausgefallen, da hat man sich
wirklich Mühe gegeben. Die substantiellen Mängel im
Songwriting und die wenig inspirierende Bühnenpräsenz
stehen einer höheren Benotung bei neutraler Betrachtung aber
massiv im Weg. Für den Fan ist das Ganze jedoch eine lohnende
Anschaffung.
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