So,
Schwestern und Brüder, hier kommt es: Das Album des Monats,
und wenn’s nach mir geht, des gesamten Jahres! Jedenfalls
kann ich mir nicht vorstellen, dass das heuer noch übertroffen
wird. Was das armenisch-palästinensisch-ukrainisch-niederländische
Quartett (das vielerorts immer noch fälschlicherweise und
gegen den eigenen Willen als „israelisch“ bezeichnet
wird) auf seinem vierten Vollzeitalbum abliefert, ist schlicht
und einfach genial. Der Vorgänger Sphynx
hat ja gegenüber den großartigen ersten beiden Alben
As Jerusalem Burns…Al’Intisar
und Djinn ziemlich geschwächelt,
aber davon kann hier keinerlei Rede mehr sein, ganz im Gegenteil.
Wo Bands wie Nile und Morbid Angel zwar mit Begriffen und Figuren
aus okkulten Kulten der alt-orientalischen Art um sich werfen,
aber musikalisch doch eigentlich nichts anderes als (wenn auch
in beiden Fällen einzigartigen sowie technisch und musikalisch
sehr hoch stehenden) Death Metal abliefern, scheint in MELECHESH
diesmal tatsächlich wieder der sumerische Teufel erwacht
zu sein. Ashmedi und Moloch toben die arabischen Skalen rauf
und runter, und zwar furioser als je zuvor. Der leider ausgestiegene
Proscriptor hat in Xul einen mehr als würdigen Nachfolger
an den Trommeln gefunden (sensationell, was der aufführt!)
und selbst nur noch ein paar Gesangspassagen zum vorliegenden
Werk beigesteuert. Was hier geschieht ist nicht einfach eine
Kombination, sondern die VEREINIGUNG von traditionellen, teilweise
uralten Melodien aus dem arabischen Raum und thrashigem Black
Metal, und man hat beim Hören den Eindruck, als sei nichts
anderes als diese Vereinigung jemals der Existenzzweck beider
Stile gewesen. Einmal mehr sind es natürlich vor allem
die rasanteren Nummern, die einen halb in den Wahnsinn treiben.
Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, welchen Metaller Stücke
wie Rebirth Of The Nemesis, Touching The Spheres Of Sephiroth,
Sand Grain Universe oder das auf einem Jahrtausende alten
sumerischen (hier allerdings ins englische übersetzten)
Text basierende Deluge Of Delusional Dreams kalt lassen
können. Zur Entspannung gibt es das akustische The
Scribes Of Kur, bei dem zwar lange Zeit ein- und dieselbe
Hauptmelodie wiederholt wird, das daneben aber mit so vielen
sehr authentisch wirkenden traditionellen nahöstlichen
Klängen durchsetzt ist, dass man sich beim Hören tatsächlich
sehr schnell in eine angenehm milde Nacht in einem arabischen
Olivenhain versetzt fühlt. Darauf folgt dann allerdings
das am wenigsten orientalisch klingende Stück Leper
Jerusalem, eine stark an die alte Schwarzmetallschule angelehnte
Angelegenheit. Aber eigentlich ist jede Nummer eine Perle für
sich. Emissaries ist ein Album voller
Leben, hier pulsiert die Mythologie, die orientalische Heißblütigkeit
rast, die musikalische, kompositorische und lyrische Perfektion
ist gleichzeitig allgegenwärtig. Und auch soundtechnisch
gibt es diesmal absolut nichts zu bemängeln. Jetzt hätte
ich nur noch einen Wunsch, nämlich dass auch mal ein paar
Stücke auf Arabisch vorgetragen werden. Zumindest einer
in der Band müsste die Sprache ja beherrschen. Das wäre
dann die absolute Vollendung. Aber auch so ist die Scheibe der
absolute Hammer. Man kann nur noch hoffen, dass MELECHESH
am Party-San 2007 nicht bei Tageslicht spielen müssen.