MELECHESH – Emissaries

 
Label: Osmose Productions
Release: 07.11.2006
Von: Gunnar
Punkte: 9.5/10
Time: 55:32
Stil: Sumerian Thrashing Black Metal
URL: Melechesh
 
So, Schwestern und Brüder, hier kommt es: Das Album des Monats, und wenn’s nach mir geht, des gesamten Jahres! Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass das heuer noch übertroffen wird. Was das armenisch-palästinensisch-ukrainisch-niederländische Quartett (das vielerorts immer noch fälschlicherweise und gegen den eigenen Willen als „israelisch“ bezeichnet wird) auf seinem vierten Vollzeitalbum abliefert, ist schlicht und einfach genial. Der Vorgänger Sphynx hat ja gegenüber den großartigen ersten beiden Alben As Jerusalem Burns…Al’Intisar und Djinn ziemlich geschwächelt, aber davon kann hier keinerlei Rede mehr sein, ganz im Gegenteil. Wo Bands wie Nile und Morbid Angel zwar mit Begriffen und Figuren aus okkulten Kulten der alt-orientalischen Art um sich werfen, aber musikalisch doch eigentlich nichts anderes als (wenn auch in beiden Fällen einzigartigen sowie technisch und musikalisch sehr hoch stehenden) Death Metal abliefern, scheint in MELECHESH diesmal tatsächlich wieder der sumerische Teufel erwacht zu sein. Ashmedi und Moloch toben die arabischen Skalen rauf und runter, und zwar furioser als je zuvor. Der leider ausgestiegene Proscriptor hat in Xul einen mehr als würdigen Nachfolger an den Trommeln gefunden (sensationell, was der aufführt!) und selbst nur noch ein paar Gesangspassagen zum vorliegenden Werk beigesteuert. Was hier geschieht ist nicht einfach eine Kombination, sondern die VEREINIGUNG von traditionellen, teilweise uralten Melodien aus dem arabischen Raum und thrashigem Black Metal, und man hat beim Hören den Eindruck, als sei nichts anderes als diese Vereinigung jemals der Existenzzweck beider Stile gewesen. Einmal mehr sind es natürlich vor allem die rasanteren Nummern, die einen halb in den Wahnsinn treiben. Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, welchen Metaller Stücke wie Rebirth Of The Nemesis, Touching The Spheres Of Sephiroth, Sand Grain Universe oder das auf einem Jahrtausende alten sumerischen (hier allerdings ins englische übersetzten) Text basierende Deluge Of Delusional Dreams kalt lassen können. Zur Entspannung gibt es das akustische The Scribes Of Kur, bei dem zwar lange Zeit ein- und dieselbe Hauptmelodie wiederholt wird, das daneben aber mit so vielen sehr authentisch wirkenden traditionellen nahöstlichen Klängen durchsetzt ist, dass man sich beim Hören tatsächlich sehr schnell in eine angenehm milde Nacht in einem arabischen Olivenhain versetzt fühlt. Darauf folgt dann allerdings das am wenigsten orientalisch klingende Stück Leper Jerusalem, eine stark an die alte Schwarzmetallschule angelehnte Angelegenheit. Aber eigentlich ist jede Nummer eine Perle für sich. Emissaries ist ein Album voller Leben, hier pulsiert die Mythologie, die orientalische Heißblütigkeit rast, die musikalische, kompositorische und lyrische Perfektion ist gleichzeitig allgegenwärtig. Und auch soundtechnisch gibt es diesmal absolut nichts zu bemängeln. Jetzt hätte ich nur noch einen Wunsch, nämlich dass auch mal ein paar Stücke auf Arabisch vorgetragen werden. Zumindest einer in der Band müsste die Sprache ja beherrschen. Das wäre dann die absolute Vollendung. Aber auch so ist die Scheibe der absolute Hammer. Man kann nur noch hoffen, dass MELECHESH am Party-San 2007 nicht bei Tageslicht spielen müssen.