Ah,
guter alter Doom Metal. Heute eine scheinbar fast vergessene
Kunst seit den Tagen, wo britische Pioniere wie Paradise Lost
und Anathema in den frühen 90igern ihren Stil radikal änderten
und sich nun in mehr ... wie soll ich sagen: modere Richtungen?
bewegen. Ob das nun gut oder schlecht ist, ist wohl Ansichtsache.
Also betrachten wir frühe 90iger Doom Bands wie Cathedral
und My Dying Bride, die das eine oder andere mal auf ihren Veröffentlichungen
herum experimentierten, nur um mit ihren aktuellen Alben die
Uhr wieder zurück zu drehen und zu den Doom Wurzeln zu
finden. Und wiederum ist es Ansichtssache, ob sie nun erfolgreich
an alte Glanztage anknüpfen konnten oder nicht. Für
Fans, die Bands wie diesen unter dem Motto huldigen: „verkauft
euch nicht für Trends“ ist es wohl eher ein armseliger
Versuch, wenn Doom Bands versuchen, die alte Magie wieder aufzunehmen.
Wie auch immer, letztendlich liegt es an jedem selbst, was er
mag oder nicht. Und um bei Cathedral zu bleiben, MOURNING
BELOVETH haben für sie auf deren Tour 1999 eröffnet.
Jedenfalls, nachdem
eine Menge Doom Bands ihren Sound geändert, sich gar
aufgelöst oder einfach ihre Ideale verloren haben, gibt
es in diesem Bereich eine Lücke. Ich meine, wo ist da
jemand, der den Thron erben kann? Nun ja, hier haben wir eine
Band, die zumindest näher als alle anderen dran ist,
diese Aufgabe zu lösen: MOURNING BELOVETH!
1992 in Irland gegründet, gab es 1996 ein erstes musikalisches
Lebenszeichen in Form eines 2 Track Demos namens Debüt.
Die Band besteht aus Darren (vocals), Frank (git.), Adrian
(bass), Brian (vocals & git.) und Timmy (drums).
Ich muss sagen, je öfter ich Dust
höre, um so besser gefällt sie mir. MOURNING
BELOVETH spielen Doom Metal im Sinne der frühen
90iger aber dennoch unverkennbar mit einem eigenen Stil. Eine
Sache, die die Band von ihren Genre Kollegen abhebt, ist ihr
Gespür für Melodien. Im Moment ist mein Lieblingstrack
der Opener The Mountains Are Mine mit seiner mitreißenden
Melodie und dem kraftvollen Fluss. Rechne damit, das der Song
nicht das einzige Juwel in dieser Sammlung ist! Titeltrack
Dust schafft den
Hörer dann
schon ganz schön mit seine 15 Minuten. Er ist langsam,
dennoch beständig in seiner Geschwindigkeit. Dust
ist definitiv ein großartiger Song, glaubt mir! Vom
Gesang her liegt das Hauptaugenmerk auf tiefen Death Growls.
Cleaner Gesang fließt aber genauso mit ein und verleiht
der Musik einen coolen Sound. Die cleane Stimme ist ebenso
fantastisch und erinnert mich zuweilen an Rob Lowe von Solitude
Aeternus. Autumnal Fires ist ein hervorragender Song,
dessen Leads ich wirklich liebe. All Hope Is Pleading
ist ebenfalls ein genialer Song, dessen Leads und Riffs so
manchen Metalhead aufhorchen lassen werden. It Almost
Looked Human ist ein Song, der vom 98iger Demo Autumnal
Fires stammt, aber keinen wesentlichen Unterschied
zum aktuellen Material aufzeigt. Sinistra ist ein
melancholisch schauriges Instrumental, welches auf dem originalen
Release als Hiddentrack zu finden war. Dust
endet mit Forever Lost Emeralds, einem noch “unbehandelten”
Track vom brandneuen Album The Sullen Sulcus,
welches dieser Tage veröffentlicht wurde. Klingt noch
wie ein Demo. Aber es scheint, die Band wird ihre musikalische
Ausrichtung so schnell nicht ändern. Ist vielleicht ein
bisschen kranker. It Almost Looked Human und Forever
Lost Emeralds sind Songs, die es nur auf dem 2002er Dust
Re-Release gibt.
Insgesamt ist Dust
ein ziemlich gutes Album von einer Band, die noch relativ
neu in der Szene ist. Für mich hat die Musik was von
einer düsteren Höhle, in die man hineinkriechen
kann, um die Dunkelheit intensiver zu erforschen. Es gibt
akustische Gitarren, cleanen Gesang, beindruckende Leads und
einige wirklich heftige Riffs. Ebenso die gesamte Atmosphäre
der Produktion macht dieses Album zu einem Gewinner. Erwähnenswert
wäre noch, das dieses Album in den bekannten Academy
Studios in England unter den Händen von Doomgott Mags
produziert wurde, dessen Name den meisten Lesern geläufig
sein dürfte. Gemastert wurde von Ex-Cradle Gitarrist
Stuart Anstis.
Das Einzige, worüber sich meckern ließe, ist die
Albumlänge von über 74 Minuten. Das ist ganz schön
heftig und es erzeugt die eine oder andere Länge auf
diesem Album, so dass schon abzusehen ist, das einige Hörer
ihre Lauscherchen irgendwann abziehen. Aber ich wette, eine
Menge Doomheads werden dieses Album lieben. Und am Endes des
Tages kann ich nur sagen: es ist ein wirklich gelungenes Album,
das ich definitiv allen Doom Fans ans Herz legen möchte!
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