ANDRE
MATOS hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich, beehrte
er mit seinem voluminösen Sangesorgan diverse Bands, am
bekanntesten dürfte seine Mitgliedschaft bei Angra und
Sha(a)man, sowie seine Gastrolle bei Avantasia sein. Jüngst
trat er auch erfolgreich als „Tommy“ in einer brasilianischen
Aufführung der gleichnamigen Rockoper auf. Time To
Be Free ist sein erstes Solo-Album. Und das hat es in
sich. Denn nach dem klassischen Einstieg mit Menuett geben MATOS
und seine kompetenten Mitstreiter ordentlich Gas. Die Gitarren
brettern, das Schlagzeug knüppelt, doch niemals so derb,
dass die pralle Melodienfülle erschlagen wird. In den Atempausen
darf Fabio Ribeiro auch schon mal klassische Orgelklänge
erschallen lassen. Der Opener Letting Go macht seinem
Namen alle Ehre, wird melodisch aber getoppt von den folgenden
Stücken Rio und Remember Why. Das fünfte
Lied How Long klingt dann ein bisschen zu sehr nach Allerweltsmetal,
hier kann MATOS eigentlich nur mit seiner Stimme, die
sich elegant in ziemliche Höhen schrauben kann ohne zu
nerven, punkten.
Am spannendsten ist das Album immer dann, wenn das Gas gedrosselt
wird und alle Beteiligten zeigen können, dass gerade in
der Zurückhaltung wahre Größe steckt.
Schönes Beispiel sind der Einstieg und die semi-akustischen
Zwischenstücke in Looking Back, sowie das elegische
Face The End. Mit dem Titelstück gibt es noch einmal
einen expressiven Höhenflug; die Klassikparaphrase A
New Moonlight baut eine traumhafte Nachtschattenstimmung
auf, aus der man mit dem knalligen Endeavour zum Finale
mitten hinein in den Tag geworfen wird. Das klangtechnisch exzellente
Album ist über die gesamte Lauflänge, trotz kleinerer
Durchhänger, abwechslungsreich und stimmig.
Wie so oft bei solcher Musik darf man allzu Innovatives nicht
erwarten. ANDRE MATOS und seine Band bewegen sich schließlich
im zahlreich durchschifften Meer des klassisch-, melodischen
Bombast-Metals. Da eine neue Route zu entdecken ist unglaublich
schwer, viel einfacher ist es, in irgendwelchen Untiefen unterzugehen.
Das wird auf Time To Be Free packend und hörenswert
vermieden.