MASTODON,
gegründet aus "Abtrünnigen" Today Is The
Day Musikern, geben sich, das klärt ja schon irgendwie
die Herkunft, nicht mit halben Sachen ab. Blood Mountain, die
neue Platte, ist vollgepackt mit Riffs, Melodien, Akustikparts,
Gitarrensoli (zweistimmig), Breaks, Breaks und Breaks. In der
relativ kurzen Zeit der Existenz haben sich MASTODON
solch einen unglaublichen Ruf erarbeitet und eine weitverbreitete
Beliebtheit erspielt, das es schon interessant wäre zu
ergründen, was das Geheimnis von MASTODON
ist.
Aus einer Band, die man früher sehr einfach in die Death-Metal
Ecke stecken konnte - nimmt man mal die ersten Veröffentlichungen
und die erste LP Remission als Referenz
– ist spätestens mit dem zweiten richtigen Longplayer
Leviathan (zählen wir die Veröffentlichungen
der ersten Maxi’s und Singles auf einem Longplayer mal
nicht mit) eine progressive Rock Band geworden, deren Pool an
Inspiration weit über Hardcore und Metal hinausgeht und
nebenbei auch Progrock, Sludge, Doom, Seventies Rock, Stoner
Rock oder auch die atmosphärischen Regionen von Bands wie
Isis, Mogwai oder Aereogramme mit einbezieht.
Somit steht eines fest: für die Platte braucht man Zeit
und Geduld, aber dafür wird man mit reichlich Stoff zum
Entdecken überhäuft.
Da wären die zahlreichen Gastauftritte, sei es Josh Homme
(QOTSA) in Colony Of Birchmen, Cedric Bixler (Mars
Volta) in Siberian Divide oder auch Scott Kelly (Neurosis),
der sich in Crystal Skull das zweite Mal auf einer
MASTODON Scheibe verewigen konnte, oder die
debil-wirren Synthesizer/Harmonizer-Gesangseffekte in Songs
wie Circle Cysquatch oder Bladecatcher oder
die seltenen Blastbeats im genannten letzteren Song.
Das hier ist definitiv Gitarrenstoff in Reinkultur, so dass
der vielleicht etwas zurückgehaltene, doppelte "Brüllgesang"
von Troy Sanders und Brent Hinds zurecht in den Hintergrund
tritt, obwohl die Melodien die sie übernehmen, schon perfekt
ins Bild passen. Drummer Brann Dailor darf dazu dann auch reichlich
zeigen, was er kann; nämlich dem ganzen Brett einen ordentlichen
Drive zu verpassen.
Wenn man das bunte Fantasy-Cover betrachtet, scheint die Zielgruppe
eher der Metal zu sein. Nimmt man die Albumphilosophien in Anlehnung
an die fünf Elemente, dann ist hier nach Feuer (Remission),
Wasser (Leviathan) nun die Erde dran.
Und erdig ist der Sound, produziert vom Isis -Stammproduzenten
Matt Bayles und gemischt von Rick Costley, der eher hippe Zeitgenossen
wie Franz Ferdinand oder Bloc Party den Weg in die Disco ebnete.
Wer bei der Musik das Gefühl hat, das Motörhead mit
Isis tanzen, Led Zeppelin und Neurosis zusammen swingen, Thin
Lizzy vs. Entombed spielen oder Rush und Coalesce ihre technischen
Fähigkeiten aneinander messen, der liegt ziemlich richtig
und Menschen, die alle diese Bands hintereinander hören,
die sollten auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren. Er muss nur
damit rechnen, das diese Aufzählung auch schon mal komprimiert
in einem Drei-Minuten-Dreißig-Song stattfindet. Auch Fans
von Tool, Mars Volta, Cave In oder den Queens Of The Stone Age
wird das in Ansätzen vertraut sein oder zumindest Vertrauen
schenken.
Und: kein Grund zur Sorge ob des Wechsels von Krach-Indie Relapse
zum Major-Giganten Warner. Die Band hat sich nicht an den Kommerz
verkauft! Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass der Gigant die Band
nicht schnell wieder fallen lässt, weil die Verkaufszahlen
doch nicht so gigantisch sind, wie kürzlich noch mit den
hochgelobten Indie-Lieblingen Cave In geschehen. Höchstnote!