MASTODON – Blood Mountain

 
Label: Warner
Release: 08.09.2006
Von: BRT
Punkte: 10/10
Time: 51:27
Stil: Post/Noise/Rock/Prog/Metal
URL: Mastodon
 
MASTODON, gegründet aus "Abtrünnigen" Today Is The Day Musikern, geben sich, das klärt ja schon irgendwie die Herkunft, nicht mit halben Sachen ab. Blood Mountain, die neue Platte, ist vollgepackt mit Riffs, Melodien, Akustikparts, Gitarrensoli (zweistimmig), Breaks, Breaks und Breaks. In der relativ kurzen Zeit der Existenz haben sich MASTODON solch einen unglaublichen Ruf erarbeitet und eine weitverbreitete Beliebtheit erspielt, das es schon interessant wäre zu ergründen, was das Geheimnis von MASTODON ist.
Aus einer Band, die man früher sehr einfach in die Death-Metal Ecke stecken konnte - nimmt man mal die ersten Veröffentlichungen und die erste LP Remission als Referenz – ist spätestens mit dem zweiten richtigen Longplayer Leviathan (zählen wir die Veröffentlichungen der ersten Maxi’s und Singles auf einem Longplayer mal nicht mit) eine progressive Rock Band geworden, deren Pool an Inspiration weit über Hardcore und Metal hinausgeht und nebenbei auch Progrock, Sludge, Doom, Seventies Rock, Stoner Rock oder auch die atmosphärischen Regionen von Bands wie Isis, Mogwai oder Aereogramme mit einbezieht.
Somit steht eines fest: für die Platte braucht man Zeit und Geduld, aber dafür wird man mit reichlich Stoff zum Entdecken überhäuft.
Da wären die zahlreichen Gastauftritte, sei es Josh Homme (QOTSA) in Colony Of Birchmen, Cedric Bixler (Mars Volta) in Siberian Divide oder auch Scott Kelly (Neurosis), der sich in Crystal Skull das zweite Mal auf einer MASTODON Scheibe verewigen konnte, oder die debil-wirren Synthesizer/Harmonizer-Gesangseffekte in Songs wie Circle Cysquatch oder Bladecatcher oder die seltenen Blastbeats im genannten letzteren Song.
Das hier ist definitiv Gitarrenstoff in Reinkultur, so dass der vielleicht etwas zurückgehaltene, doppelte "Brüllgesang" von Troy Sanders und Brent Hinds zurecht in den Hintergrund tritt, obwohl die Melodien die sie übernehmen, schon perfekt ins Bild passen. Drummer Brann Dailor darf dazu dann auch reichlich zeigen, was er kann; nämlich dem ganzen Brett einen ordentlichen Drive zu verpassen.
Wenn man das bunte Fantasy-Cover betrachtet, scheint die Zielgruppe eher der Metal zu sein. Nimmt man die Albumphilosophien in Anlehnung an die fünf Elemente, dann ist hier nach Feuer (Remission), Wasser (Leviathan) nun die Erde dran. Und erdig ist der Sound, produziert vom Isis -Stammproduzenten Matt Bayles und gemischt von Rick Costley, der eher hippe Zeitgenossen wie Franz Ferdinand oder Bloc Party den Weg in die Disco ebnete.
Wer bei der Musik das Gefühl hat, das Motörhead mit Isis tanzen, Led Zeppelin und Neurosis zusammen swingen, Thin Lizzy vs. Entombed spielen oder Rush und Coalesce ihre technischen Fähigkeiten aneinander messen, der liegt ziemlich richtig und Menschen, die alle diese Bands hintereinander hören, die sollten auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren. Er muss nur damit rechnen, das diese Aufzählung auch schon mal komprimiert in einem Drei-Minuten-Dreißig-Song stattfindet. Auch Fans von Tool, Mars Volta, Cave In oder den Queens Of The Stone Age wird das in Ansätzen vertraut sein oder zumindest Vertrauen schenken.
Und: kein Grund zur Sorge ob des Wechsels von Krach-Indie Relapse zum Major-Giganten Warner. Die Band hat sich nicht an den Kommerz verkauft! Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass der Gigant die Band nicht schnell wieder fallen lässt, weil die Verkaufszahlen doch nicht so gigantisch sind, wie kürzlich noch mit den hochgelobten Indie-Lieblingen Cave In geschehen. Höchstnote!