Mit
einem Durchschnittsalter von ein wenig über 22 Lenzen liefern
MARTRIDEN mit The Unsettling Dark ein bärenstarkes,
reifes und erfrischend abwechslungsreiches Debütalbum ab.
MARTRIDEN – aus dem schwedischen für „von
einer Mahr geritten“ – fahren auf einer dreispurigen
Autobahn hauptsächlich in der Mitte, nämlich selten
schnell und selten langsam. Dabei bilden aggressiver Death Metal
mit einer leichten Prise melodischem Black Metal die Grundpfeiler
des Sounds der Jungspunde.
Besonders erwähnenswert ist das Gespür des aus Montana
stammenden Quintetts, verschiedenste Stimmungen beim Hörer
hervorzurufen. Mal hat man frostige und eiskalte nordskandinavische
Landschaften vor dem geistigen Auge und mal erlebt man einen
wunderschön warmen Herbsttag, bevor man in seiner Münchner
Dachgeschoßwohnung durch die unerträgliche Hitze
und den Lärm der Autokorsos spanischer Fußballfans
auf den Boden der Tatsachen heruntergerissen wird.
Aber auch störende Faktoren können einen nicht davon
abhalten, sich von der Spielfreude, der technischen Fähigkeiten
der Musiker, dem Einfallsreichtum und der knallenden Produktion
in den Bann ziehen zu lassen.
Sahnehäubchen ist neben den vielen klassischen Zitaten
(wie beispielsweise ein Auszug aus Rachmaninoffs Prélude
cis-Moll in Prelude) definitiv das erwartungsgemäß
überragende Gastsolo das Ausnahmegitarristen James Murphy
(ex-Death/Obituary/Cancer/Testament). Daneben macht es sich
auch bemerkbar, dass MARTRIDEN mit Kyle Howard einen
festen Keyboarder in ihren Reihen haben, der den Songs mit seinem
Spiel noch mehr Tiefgang verleiht.
Bleibt abschließend noch anzumerken, dass der Gesang bei
der Produktion etwas im Hintergrund verschwindet. Ansonsten
bleibt nur zu hoffen, dass die Amis mit diesem Album und der
gestern gestarteten US-Tour ein breiteres Publikum erreichen
können. Verdient hätten sie’s!