Nachdem
die letzten MARILLION-Outputs ein wenig durchwachsen
waren und viele ehemalige Fans dachten, man hätte sich
nun endgültig ins Pop-Lager verabschiedet, kommt mit Marbles
nun ein Album heraus, welches viele, die der Band bereits den
Rücken gekehrt haben, versöhnlich stimmen könnte.
Ich finde, dass Marbles am ehesten
an die alten Erfolgsalben der Band (damals noch mit dem später
auf Solopfaden erfolgreichen Frontman FISH) anknüpfen kann
und definitiv das stärkste Album der Band seit dem 1989er
Seasons End ist. Vergleichbar mit
dem Stil der 80er Jahre ist der Sound auf Marbles zwar nicht,
dafür aber sehr eigenständig und stimmig. Man greift
verstärkt auf Elektronik zurück, die sich aber gut
ins Gesamtbild einfügt, und sogar Steve Rothery’s
wundervolle „singende“ Lead-Gitarre ist wieder häufiger
zu vernehmen, z.B. auf der Single-Auskopplung You’re
Gone, einem der stärkeren Songs des Albums. Ebenfalls
erfreulich stimmt mich die Tatsache, dass mit dem Opener The
Invisible Man und dem Song Neverland zwei Stücke
von epischen Ausmaßen (beide über 12 bzw. 13 Minuten
lang) mit von der Partie sind. Insgesamt ist der Stil der Songs
auf dem Album recht unterschiedlich und doch klingt es wie aus
einem Guss, was die Qualität der Band ein weiteres Mal
demonstriert. Man hat sich hier und da stärker an Pink
Floyd angelehnt als auf den Alben davor, aber mal ehrlich: Welche
Prog Rock Band tut das nicht? Insgesamt ist Marbles
durchweg zu empfehlen, und durch die dezente Rückbesinnung
auf alte Stärken sogar für alte und ehemalige Fans
interessant. So unterschiedlich die beiden Bands auch sein mögen,
aber der gute alte FISH muss nun ein wenig nachlegen, damit
auch er ein qualitativ so anspruchsvolles Album zustandebringt.
Mr. Hogarth als „neuer“ Frontman hat zwar immer
noch nicht dieselbe Ausstrahlung wie sein fischiger Vorgänger
(und das, obwohl er schon seit 15 Jahren dabei ist), aber er
arbeitet dran und war noch nie dichter daran als jetzt. Und
er hat einen definitiven Bonus: Seine Stimme ist wirklich sehr,
sehr gut!