MALPRACTICE – Triangular

 
Label: Spinefarm Records
Release: 02.05.2008
Von: Joking
Punkte: 8/10
Time: 50:12
Stil: Progressive Metal
URL: Malpractice
 
MALPRACTICE starteten 1994 als Thrash-Metal Band, opferten diesen frühen Stil aber alsbald einer melodischeren progressiven Ausrichtung mit lediglich marginalen Ausflügen ins Thrashige.
Triangular ist der dritte Longplayer der finnischen Band, wobei zwischen dem fast untergegangenen Debüt Of Shape And Balance aus dem Jahr 1998 und dem Zweitling Deviation From The Flow satte 7 Jahre ins Land gingen. Mit Triangular hat sich dieses Intervall nun wesentlich verkürzt, ohne das die Qualität gelitten hätte. Im Gegenteil. Triangular kommt souverän und ausgereift daher; Dream Theater grüßen noch von weitem, doch ist der Verwandtschaftsgrad zu Fates Warning und Queensryche zu ihren proggigsten Zeiten weit größer.
Was zunächst auffällt: auf Keyboards wird bei den meist im Midtempo-Bereich angesiedelten Songs weitgehend verzichtet; kommen sie jedoch zum atmosphärischen Einsatz wie in den letzten beiden Stücken, sorgen sie sofort für einen erhöhten Gänsehautfaktor. Zugleich ist die Musik zwar vertrackt und durchzogen von Rhythmus- und Geschwindigkeitswechseln, besitzt aber eine harte und solide Grundstruktur, die allzu heftige technokratische Experimente von vornherein in ihre Schranken verweist. Das heißt, die Platte rockt ordentlich. Der Sound könnte ein klein wenig brillanter und druckvoller sein, ist aber im Großen und Ganzen mehr als ordentlich, was auch für die Arbeit der Musiker an ihren Instrumenten gilt. Wie so oft, wenn Gutes geschieht, sind Leute am Werk, die sich ihrer Fähigkeiten bewusst sind und nicht dauernd den Beweis antreten WIE gut sie wirklich sind und WAS sie alles so draufhaben. Das mag auf den ersten Hördurchgang etwas unspektakulär wirken, zeigt aber beim wiederholten Durchlauf eine innere Gelassenheit und Ruhe, auf deren Basis sich aufregende Abenteuer erleben lassen. Eine Ausnahme ist das Titelstück, bei dem alle Beteiligten bis auf Sänger Aleksi Parviainen ihren Fertigkeiten freien Lauf lassen, was den Track wie einen Anfall von zu hohem Blutdruck in einem ansonsten rund laufenden Kreislauf wirken lässt. Stellenweise sehr überzeugend gespielt, ist es etwas zu selbstverliebt. Das kann schon mal einen Herzkasper auslösen. Und dient natürlich als mehr oder minder geschickte Einleitung zur Ballade Waves, dem vielleicht besten Lied auf Triangular, das nicht nur herzergreifend und stimmungsvoll ist, sondern eine Brücke Richtung New Art Rock, genauer gesagt, Bands wie Porcupine Tree oder Riverside, schlägt. Fragments schließlich, das alle Stimmungen und Stilübungen des Vorangegangenen noch einmal zusammenfasst, ist das würdige Finale eines empfehlenswerten Albums, dem alle Fans von „Thinking Man’s Metal“ mit Genuss das ein oder andere Ohr leihen können.