MALPRACTICE
starteten 1994 als Thrash-Metal Band, opferten diesen frühen
Stil aber alsbald einer melodischeren progressiven Ausrichtung
mit lediglich marginalen Ausflügen ins Thrashige.
Triangular ist der dritte Longplayer der finnischen
Band, wobei zwischen dem fast untergegangenen Debüt Of
Shape And Balance aus dem Jahr 1998 und dem Zweitling
Deviation From The Flow satte 7 Jahre ins Land
gingen. Mit Triangular hat sich dieses Intervall
nun wesentlich verkürzt, ohne das die Qualität gelitten
hätte. Im Gegenteil. Triangular kommt souverän
und ausgereift daher; Dream Theater grüßen noch von
weitem, doch ist der Verwandtschaftsgrad zu Fates Warning und
Queensryche zu ihren proggigsten Zeiten weit größer.
Was zunächst auffällt: auf Keyboards wird bei den
meist im Midtempo-Bereich angesiedelten Songs weitgehend verzichtet;
kommen sie jedoch zum atmosphärischen Einsatz wie in den
letzten beiden Stücken, sorgen sie sofort für einen
erhöhten Gänsehautfaktor. Zugleich ist die Musik zwar
vertrackt und durchzogen von Rhythmus- und Geschwindigkeitswechseln,
besitzt aber eine harte und solide Grundstruktur, die allzu
heftige technokratische Experimente von vornherein in ihre Schranken
verweist. Das heißt, die Platte rockt ordentlich. Der
Sound könnte ein klein wenig brillanter und druckvoller
sein, ist aber im Großen und Ganzen mehr als ordentlich,
was auch für die Arbeit der Musiker an ihren Instrumenten
gilt. Wie so oft, wenn Gutes geschieht, sind Leute am Werk,
die sich ihrer Fähigkeiten bewusst sind und nicht dauernd
den Beweis antreten WIE gut sie wirklich sind und WAS sie alles
so draufhaben. Das mag auf den ersten Hördurchgang etwas
unspektakulär wirken, zeigt aber beim wiederholten Durchlauf
eine innere Gelassenheit und Ruhe, auf deren Basis sich aufregende
Abenteuer erleben lassen. Eine Ausnahme ist das Titelstück,
bei dem alle Beteiligten bis auf Sänger Aleksi Parviainen
ihren Fertigkeiten freien Lauf lassen, was den Track wie einen
Anfall von zu hohem Blutdruck in einem ansonsten rund laufenden
Kreislauf wirken lässt. Stellenweise sehr überzeugend
gespielt, ist es etwas zu selbstverliebt. Das kann schon mal
einen Herzkasper auslösen. Und dient natürlich als
mehr oder minder geschickte Einleitung zur Ballade Waves,
dem vielleicht besten Lied auf Triangular, das
nicht nur herzergreifend und stimmungsvoll ist, sondern eine
Brücke Richtung New Art Rock, genauer gesagt, Bands wie
Porcupine Tree oder Riverside, schlägt. Fragments
schließlich, das alle Stimmungen und Stilübungen
des Vorangegangenen noch einmal zusammenfasst, ist das würdige
Finale eines empfehlenswerten Albums, dem alle Fans von „Thinking
Man’s Metal“ mit Genuss das ein oder andere Ohr
leihen können.