20
Jahre nach der Veröffentlichung des immens erfolgreichen
Wings Of Heaven bringen MAGNUM das Werk
Live auf die Bühne. Komplett und um den Klassiker Sacred
Hour als Zugabe erweitert, füllt das Album die zweite
CD, während sich auf der Ersten Klassiker wie How Far
Jerusalem, Vigilante, sowie Stücke des aktuellen
Princess Alice And The Broken Arrow tummeln.
Der Sound ist brillant, fast schon zu glatt für eine Live-Aufnahme,
spieltechnisch ist Perfektion angesagt und Bob Catleys Stimme
ist über jeden Zweifel erhaben; bewundernswert nach den
langen Jahren im rauen Musikgeschäft. Was das Inhaltliche
angeht, gibt’s einige Stellen an denen man schwer schlucken
muss. MAGNUM sind immer dann gut, wenn sie episch aufspielen,
ruppig rocken wie in Vigilante oder stellenweise in King
Of Madness, das beide Pole faszinierend vereint und eine
fünfeinhalbminütige Tour de Force ist. Die Band überzeugt,
wenn sie allzu seifige Klischees gegen den Strich bürstet.
Während CD 1 mit dem schleimigen 80er Jahre Gesülze
Back Street Kid lediglich einen Totalausfall besitzt,
bietet das Kernstück Wings Of Heaven einige
mediokre Momente. Mag ja sein, dass Ende der 80er, als AOR groß
geschrieben wurde, Wings Of Heaven wie eine eierlegende
Wollmilchsau daherkam; gemessen an Eintagsfliegen wie Eddie
Money, Richard Marx und was da sonst noch an dauergewellten
Weichspülrockern rumlief, waren MAGNUM natürlich
die erträglichere Alternative; doch bei Licht betrachtet,
offeriert das Album eine ganze Menge glattgebügelten, anbiedernden
Fahrstuhlrock der harmlosen Sorte. Die Band tut gut daran, das
Material härter und wuchtiger zu spielen, als es damals
auf Platte gebannt wurde. Doch so ganz lässt sich die Patina
eines lahmarschigen, melodisch simplen Zerrbildes von dem, was
Rock eigentlich ist, nicht auslöschen. Die kitschige Ballade
mit viel Schlagerschmalz Must Have Been Love ist musikalisch
wie textlich das abschreckendste Beispiel, aber auch Different
Worlds mit seinen käsigen Keyboardeinsätzen tut
weh. Erst mit One Step Away, Pray For The Day, dem epischen
Don’t Wake The Lion (erfreuliche Version, wegen
der allein sich CD 2 schon lohnt) und dem Abgesang Sacred
Hour werden die Pfade der melodischen Schlichtheit verlassen
und geben dem Konzert-Album seine angemessen-bombastische Größe.
Wie gesagt, das ist alles perfekt gespielt und technisch erstklassig
zubereitet; Fans kalorienreicher, klassisch-melodischer Rock-Kost
können sich die Doppel-CD mit Behagen zu Gemüte führen
(und auch in Must Have Been Love einen tränentreibenden
Feuerzeugschwenker sehen). Wer jedoch Widerhaken, Gift und großes
Theater mit Hintersinn liebt, muss einige Durststrecken überstehen
und wäre besser bedient mit einer (langen) Einzel-CD.