MAGNUM – Wings Of Heaven Live

 
Label: Steamhammer/SPV
Release: 22.02.2008
Von: Joking
Punkte: 7/10
Time: 116:32
Stil: Classic Rock
URL: Magnum
 
20 Jahre nach der Veröffentlichung des immens erfolgreichen Wings Of Heaven bringen MAGNUM das Werk Live auf die Bühne. Komplett und um den Klassiker Sacred Hour als Zugabe erweitert, füllt das Album die zweite CD, während sich auf der Ersten Klassiker wie How Far Jerusalem, Vigilante, sowie Stücke des aktuellen Princess Alice And The Broken Arrow tummeln.
Der Sound ist brillant, fast schon zu glatt für eine Live-Aufnahme, spieltechnisch ist Perfektion angesagt und Bob Catleys Stimme ist über jeden Zweifel erhaben; bewundernswert nach den langen Jahren im rauen Musikgeschäft. Was das Inhaltliche angeht, gibt’s einige Stellen an denen man schwer schlucken muss. MAGNUM sind immer dann gut, wenn sie episch aufspielen, ruppig rocken wie in Vigilante oder stellenweise in King Of Madness, das beide Pole faszinierend vereint und eine fünfeinhalbminütige Tour de Force ist. Die Band überzeugt, wenn sie allzu seifige Klischees gegen den Strich bürstet. Während CD 1 mit dem schleimigen 80er Jahre Gesülze Back Street Kid lediglich einen Totalausfall besitzt, bietet das Kernstück Wings Of Heaven einige mediokre Momente. Mag ja sein, dass Ende der 80er, als AOR groß geschrieben wurde, Wings Of Heaven wie eine eierlegende Wollmilchsau daherkam; gemessen an Eintagsfliegen wie Eddie Money, Richard Marx und was da sonst noch an dauergewellten Weichspülrockern rumlief, waren MAGNUM natürlich die erträglichere Alternative; doch bei Licht betrachtet, offeriert das Album eine ganze Menge glattgebügelten, anbiedernden Fahrstuhlrock der harmlosen Sorte. Die Band tut gut daran, das Material härter und wuchtiger zu spielen, als es damals auf Platte gebannt wurde. Doch so ganz lässt sich die Patina eines lahmarschigen, melodisch simplen Zerrbildes von dem, was Rock eigentlich ist, nicht auslöschen. Die kitschige Ballade mit viel Schlagerschmalz Must Have Been Love ist musikalisch wie textlich das abschreckendste Beispiel, aber auch Different Worlds mit seinen käsigen Keyboardeinsätzen tut weh. Erst mit One Step Away, Pray For The Day, dem epischen Don’t Wake The Lion (erfreuliche Version, wegen der allein sich CD 2 schon lohnt) und dem Abgesang Sacred Hour werden die Pfade der melodischen Schlichtheit verlassen und geben dem Konzert-Album seine angemessen-bombastische Größe.
Wie gesagt, das ist alles perfekt gespielt und technisch erstklassig zubereitet; Fans kalorienreicher, klassisch-melodischer Rock-Kost können sich die Doppel-CD mit Behagen zu Gemüte führen (und auch in Must Have Been Love einen tränentreibenden Feuerzeugschwenker sehen). Wer jedoch Widerhaken, Gift und großes Theater mit Hintersinn liebt, muss einige Durststrecken überstehen und wäre besser bedient mit einer (langen) Einzel-CD.