MACHINAE
SUPREMACY nennen ihre Musik selbst SID Metal, da sie sich
für einen Großteil der Keyboardsounds einer SIDstation
bedienen, die den berühmten SID-Chip des C-64 enthält,
ein einprägsames Solo verziert gleich Lied Nummer 2 Need
For Steve. Damit zeigt sich ebenfalls die Affinität
der Band zu Computer- und Videospielen. So findet sich in der
Bandbiographie der Soundtrack zum Windows-Computerspiel Jets’n’Guns,
und auch die Tracks der aktuellen CD zitieren teilweise ironisch
Titel populärer Spiele (Need For Steve = Need For
Speed oder Sid Icarus = Kid Icarus meets Sid Vicious),
ebenso wird liebevoll mit den Begleitmusiken mehr oder minder
bekannter Spiele geliebäugelt, was dem Ganzen eine eigenständige
und nicht uninteressante Note gibt. Doch es wäre verfehlt,
MACHINAE SUPREMACY als alberne Plastikband für’s
heimische Kinderzimmer abzustempeln. Wir sind schließlich
nicht im Cinema Bizarre.
Denn Overworld bietet eine Fülle zündender
Melodien, die mal mit hymnischer Härte brillieren - Truth
Of Tomorrow -, aber auch in der gemäßigteren
Gangart, wie beim wehmütigen Skin eine gute Figur
abgeben. Insgesamt kommt die Musik auch zu erwachsen rüber,
um als reiner Adoleszenz-Rock durchzugehen. Die mitunter an
Geddy Lee erinnernde Stimme Robert Stjärnströms vertieft
diesen ernsthaften Eindruck noch. An den Rändern wird mitunter
dezent mit Gothic-Metal kokettiert, aber insgesamt herrscht
auf Overworld eine gleichzeitig straighte und
verspielte Stimmung vor, die das Album bei einem gelegentlichen
Hang zu technischer Glätte zum freudigen Ereignis werden
lässt. Auch wenn man mit Computerspielen überhaupt
nichts am Hut hat. Als Anspieltipp mag das herausragende Dark
City dienen, das die Stärken der Band wunderbar auf
den Punkt bringt: pendelnd zwischen expressiver Härte und
milder Elegie wird ein perfektes Wechselbad der Gefühle
zelebriert. Sehr schön.
PS.: Kecker Kinderkram oder höhere Weihe des Glamrocks
ist es natürlich, die Coverversion eines Britney Spears
Titels aufzunehmen. In diesem Fall Gimme More (SID).