Es sei gleich
vorweg gesagt: mit der sinnlosen Raserei früherer Tage
haben LORD BELIAL heute nichts mehr zu tun.
Schleppend, erdrückend, reißend, ertränkend,
und Dreck-umherspritzend fließt das neue Werk der Band
in die Gehörgänge und könnte manch andere zerbrechliche
Seele dazu ermuntern sich ins zarte Fleisch zu schneiden. So
melodisch (richtig schwedisch) und soooo doomig – sprich,
langsamer als Lava, melancholische Melodieführungen, die
mit zahlreichen cleanen und akustischen Passagen angereichert
werden, wobei mal der groovige Bass auch alleine den Weltuntergang
verkündet – hab ich die Jungs nicht in Erinnerung
– die älteren Werke Unholy Crusade
(1999) und Angelgrinder (2002) sorgten
bei mir für Enttäuschung, erst ab der Single CD
Purify Sweden (2003) ging’s aufwärts,
was man hier in der Vervollkommnung hören kann. Ein immerwährender
Gitarrenteppich breitet sich aus, dessen Muster mal einfach
cool rockig oder tief gestrickte Fäden nordischen Nebels
hinter sich her zieht. Für solch ausdrucksvolle Musik ist
aber der Gesang meiner Meinung nach zu dünn, obwohl Aggressivität
gekonnt umgesetzt werden kann. Über die Texte kann man
sich streiten, da man zu den musikalischen Klängen doch
eine etwas mehr gehobenere Lyrik erwartet. So hätte ich
niemals geglaubt, dass hinter dem einfallslosen Namen Scythe
Of Death eine derart verschwörerische und doomige
Atmosphäre steckt, welche an die letzteren Hypocrisy-Werke
erinnert. Geisterhafte Frauenstimmen erheben sich unisolo zu
einer Phantom-Melodie. Eine tiefe und klare Stimme, getränkt
in einem Bottich mit schweren und cleanen Gitarren, und dann
das monotone Hämmern auf dem Amboss des Schicksalsmetalls.
Der erste Song Acies Sigillum ist dagegen der schnellste
auf der Scheibe, mit wütenden Blastbeats versetzt. Wer
aber glaubt, dass Mark Of The Beast ein Maiden-Verschnitt
ist, der täuscht sich, denn dieses Stück kommt fast
avantgardistisch und sehr rhythmisch rüber. Argh, und überall
auf The Seal Of Belial ist diese verdammt
düstere, gespenstische und modrige Luft, die einem entgegenschlägt,
unterstützt von den sagenhaften Frauenstimmen, die jedoch
äußerst selten und ungemein dezent eingesetzt (und
einfach einzigartig) werden.
Fazit: Schwedischer geht’s wohl kaum, obwohl LORD
BELIAL böser, dunkler und satanischer klingen
können als manch andere Knüppel-Kombo, und dabei erstickt
man gar nicht in Klischees. Doomiger Black Metal mit vielen
zyklonartigen Ausbrüchen (schnelle Blast um die 200bpm)
der ganz besonderen Art, jedoch mit wenig Abwechslung, vor allem
der Gesang bleibt in der selben Lage. Die Band klingt eingespielter
und mehr miteinander verwachsen als andere, aber vielleicht
liegt es einfach an den Backeline-Clan, der hier in dreifacher
Ausführung kommt (Git, Bass, Drums, Vox). So ist alles
verdammt sauber eingespielt – Respekt an diesen präzisen
Schlagwerker – und auch die Produktion glasklar, richtig
schwedisch halt... ;)