LORD BELIAL – The Seal Of Belial
 
Label: Regain Records
Release: 13.09.2004
Von: Svarrogh
Punkte: 9/10
Time: 47:36
Stil: Doom/ Black Metal
URL: Lord Belial
 

Es sei gleich vorweg gesagt: mit der sinnlosen Raserei früherer Tage haben LORD BELIAL heute nichts mehr zu tun. Schleppend, erdrückend, reißend, ertränkend, und Dreck-umherspritzend fließt das neue Werk der Band in die Gehörgänge und könnte manch andere zerbrechliche Seele dazu ermuntern sich ins zarte Fleisch zu schneiden. So melodisch (richtig schwedisch) und soooo doomig – sprich, langsamer als Lava, melancholische Melodieführungen, die mit zahlreichen cleanen und akustischen Passagen angereichert werden, wobei mal der groovige Bass auch alleine den Weltuntergang verkündet – hab ich die Jungs nicht in Erinnerung – die älteren Werke Unholy Crusade (1999) und Angelgrinder (2002) sorgten bei mir für Enttäuschung, erst ab der Single CD Purify Sweden (2003) ging’s aufwärts, was man hier in der Vervollkommnung hören kann. Ein immerwährender Gitarrenteppich breitet sich aus, dessen Muster mal einfach cool rockig oder tief gestrickte Fäden nordischen Nebels hinter sich her zieht. Für solch ausdrucksvolle Musik ist aber der Gesang meiner Meinung nach zu dünn, obwohl Aggressivität gekonnt umgesetzt werden kann. Über die Texte kann man sich streiten, da man zu den musikalischen Klängen doch eine etwas mehr gehobenere Lyrik erwartet. So hätte ich niemals geglaubt, dass hinter dem einfallslosen Namen Scythe Of Death eine derart verschwörerische und doomige Atmosphäre steckt, welche an die letzteren Hypocrisy-Werke erinnert. Geisterhafte Frauenstimmen erheben sich unisolo zu einer Phantom-Melodie. Eine tiefe und klare Stimme, getränkt in einem Bottich mit schweren und cleanen Gitarren, und dann das monotone Hämmern auf dem Amboss des Schicksalsmetalls.
Der erste Song Acies Sigillum ist dagegen der schnellste auf der Scheibe, mit wütenden Blastbeats versetzt. Wer aber glaubt, dass Mark Of The Beast ein Maiden-Verschnitt ist, der täuscht sich, denn dieses Stück kommt fast avantgardistisch und sehr rhythmisch rüber. Argh, und überall auf The Seal Of Belial ist diese verdammt düstere, gespenstische und modrige Luft, die einem entgegenschlägt, unterstützt von den sagenhaften Frauenstimmen, die jedoch äußerst selten und ungemein dezent eingesetzt (und einfach einzigartig) werden.
Fazit: Schwedischer geht’s wohl kaum, obwohl LORD BELIAL böser, dunkler und satanischer klingen können als manch andere Knüppel-Kombo, und dabei erstickt man gar nicht in Klischees. Doomiger Black Metal mit vielen zyklonartigen Ausbrüchen (schnelle Blast um die 200bpm) der ganz besonderen Art, jedoch mit wenig Abwechslung, vor allem der Gesang bleibt in der selben Lage. Die Band klingt eingespielter und mehr miteinander verwachsen als andere, aber vielleicht liegt es einfach an den Backeline-Clan, der hier in dreifacher Ausführung kommt (Git, Bass, Drums, Vox). So ist alles verdammt sauber eingespielt – Respekt an diesen präzisen Schlagwerker – und auch die Produktion glasklar, richtig schwedisch halt... ;)