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| L.MINYGWAL
- E'er |
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Label:
Virusworx |
| Release:
03.02.2003 |
| Von:
Calani
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| Punkte:
6,5 |
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Obwohl
die Band demnächst ihr 10jähriges feiern sollte, hab ich
von den Hildesheimern L.MINYGWAL bis dato noch
nie etwas gehört. Allerdings ist E’er
auch erst die zweite offizielle Langrille. Vor ihrem Debüt
Somn in 2000 gab es ausschließlich
Mini CD’s. Splits, 7“ und Demotapes, sowie jede Menge
Sampler Beiträge.
Einmal auf die Menschheit losgelassen ist E’er
ein Album, das die Lager spaltet. Entweder man mag es oder man hasst
es. Dazwischen gibt’s eigentlich nix. Und dieses Album ist
definitiv nichts für Kleingeister. E’er
ist gewöhnungsbedürftig und sperrig. Die Kategorisierung
als Thrash/ Doom/ Noise Rock lässt bereits eine Vielzahl an
Einflüssen vermuten, vielmehr noch die herangezogenen musikalischen
Referenzen wie Neurosis, Fudge Tunnel, Einstürzende Neubauten,
Dystopia, Godflesh oder gar Sonic Youth. Aber ganz so schlimm ist
es denn doch nicht.
Das musikalische Grundgestell besteht aus tiefergestimmter verzerrter
Gitarre und mächtigen, ebenfalls tiefergestimmten und verzerrten
Basslinien plus Schlagzeug. Das schon allein ergibt einen ziemlich
noisigen abgefahren und brachialen Sound, der insgesamt ziemlich
langsam und monoton daherkommt.
Opener alg. startet extrem schleppend doomig und erinnert
deutlich an Neurosis. Dazu gibt es Sprechgesang wie bei einem Telefongespräch
von Sängerin und Bassistin Andrea der zwischenzeitlich mit
hysterischem, abartig verzweifeltem Gekreische unterbrochen wird.
Der nächste Song ey erinnert mich eher an ein Stück,
den wir mal in unserer All Girl Grindcore Band geschrieben haben
... bis auf den Gesang eben. Der ist diesmal eher zerbrechlich und
sanft und geht im Geschrabbel ziemlich unter. Track 3 oder 4 –
bei dem ich dann nicht mehr weiß, wie der heißt, denn
die Trackliste ist konfus und nicht nachvollziehbar – besteht
ausschließlich aus düsteren Soundsamples, die sich wie
eine bedrohliche Wand auftürmen. Man fühlt sich in die
Atmosphäre eines Enki Bilal Comics versetzt. Song 5 r’
klingt in seinen Drumrhythmen wie Faith No More’s MidLife
Crisis, geht dann aber in den monotonen Grundsound über. Der
Gesang variiert diesmal ein wenig zwischen den Emotionen. Track
6 seno-keé ist dann ein knapp dreiminütiges
eher ruhiges Soundgewaber. Rausschmeißer wakarimasen
fängt mit ähnlich vertrakten Soundsamples an, die sich
dann durch den gesamten Track hindurchziehen und nur mit spärlicher
Instrumentierung und leichtem Gesang unterstützt werden. Und
das über 11 Minuten.
Fazit: Eine zwiespältige
Angelegenheit. Strukturen sucht man vergebens (muss es denn immer
welche geben?), aber das Wirrwarr musikalischer Einflüsse
hält sich in Grenzen. Der Grundsound ist eher eindimensional,
spartanisch und wenig abwechslungsreich. Auch bei den Samples
hält man sich eher zurück. Der Gesang bleibt weitestgehend
hinter der Produktion zurück und kann sich nicht vollends
entfalten. Das Booklet hat nur 4 Seiten, keine Lyrics. Es bietet
lediglich das übliche Info zu den Studioaufnahmen und die
Memberliste, sowie das psychologische Abbild vom Seelenleben der
Sängerin. An schizophrener Atmosphäre hat E’er
allerdings einiges zu bieten. Mal fühlt man sich eingeengt
wie in eine Zwangsjacke, dann wieder nackt ausgesetzt in einem
eiskalten, weiß gefließten Raum, der mit ekelhaft
weißem Licht überflutet wird. Manchmal findet man sich
auch in einem düsteren apokalyptischen Kriegsszenario wieder,
wie nach einer Terminatorschlacht. Nun ja, jeder Hörer wird
nach seiner Fasson in anderen psychischen Gefilden landen.
Ist es nun Kunst? Ein neues Level musikalischer Möglichkeiten?
Oder nur ein belangloses Aneinanderreihen von Riffen und Samples?
Oder einfach nur ein schwernachvollziehbares Fragment aus den
Köpfen 3 Musiker?
Ich mag es, aber macht es Sinn?
L.Minygwal
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