Pop-Musik
hatte ich erwartet, Pop-Musik wurde mir im Endeffekt auch serviert.
LIV KRISTINE, ehemalige Theatre Of Tragedy-Sängerin
und jetzige Leaves’ Eyes-Frontsirene, ist mit ihrem zweiten
Solo-Album zurück, steckte die Erwartungen hoch –
und versagt nun auf voller Länge. Nicht, dass mir kommerziellere
Musik nicht gefallen würde; nicht, dass ich LIV’s
Gesang nicht mag… aber Enter My Religion
ist ein enttäuschender Mischmasch aus B-Seiten-Songs ohne
Identität und Charakter geworden.
Over The Moon, ein weniger als durchschnittlich geratener
Opener für 45 Minuten (beinahem) Bubblegum-Pop, gibt bereits
die Richtung vor, wie der Rest des Materials klingen wird –
kitschig und seelenlos. Die Single-Auskopplung Fake A Smile
ist danach das einzig wirkliche Highlight dieses Albums, mit
großartigem Songwriting, angenehm trauriger Atmosphäre
und einem guten Refrain. Wären alle Songs im Stile dieses
Tracks, würde Enter My Religion
tatsächlich gut sein. Aber sobald das nachfolgende All
The Time In The World einsetzt, beginnen alle positiven
Gedanken zu schwinden. Das ist Schlager-Musik mit einer Christmas-Carol-Atmosphäre,
mehr Worte brauche ich darüber kaum zu verlieren. Auch
Nummern wie Coming Home oder der Titeltrack verdienen
eigentlich gar nicht, erwähnt zu werden, während der
schlechteste Track fast bis zum Ende aufgespart wurde: You
Take Me Higher wartet mit einem zweitklassigen Techno-Refrain
und Justin-Timberlake’schen Beats, kombiniert mit unpassendem
Folklore-Feeling auf und kann in dieser Form nur als Scherz
angesehen werden. Auf der anderen Seite muss ich zugeben, dass
neben der Fake A Smile-Single immerhin noch ein paar
brauchbare Tracks auf der CD vorhanden sind… My Revelation,
mit seiner (neueren) Theatre Of Tragedy-Atmosphäre, ist
ein guter Goth Pop Song, während Blue Emptiness
eine solide Ballade darstellt, die in die ruhigere Leaves’
Eyes-Richtung tendiert. Beim abschließenden Track For
A Moment handelt es sich schließlich um einen tollen
Ambient-Song, der nach mehr wünschen lässt.
Enter My Religion entpuppt sich als
unsicheres Release, dem von Anfang bis Ende vor allem der rote
Faden fehlt. Besonders die kitschigen Folk-Elemente und die
Sitar-Parts passen großteils überhaupt nicht zum
Stil der Songs, ja ruinieren sie sogar vielmehr, während
die Rock-Songs fast schon zu hart für das Album ausgefallen
sind. Und ja, ich mag LIV KRISTINE’s
Stimme nach wie vor, trotzdem fehlt mir das richtige Feeling
auf diesem Release. Abschließend bleibt anzumerken, dass
ich das komplett kalte und emotionslose Streets Of Philadelphia-Cover,
einfach für unverzeihlich halte. Sorry, aber das ist einer
der schlechtesten Cover-Songs, den ich seit langer Zeit gehört
habe! Eigentlich hatte ich mir um einiges mehr von diesem Album
erwartet…