LIV KRISTINE – Enter My Religion

 
Label: Roadrunner Records
Release: 08.03.2005
Von: Medion
Punkte: 3.5/10
Time: 45:00
Stil: Pop Rock
URL: Liv Kristine
 
Pop-Musik hatte ich erwartet, Pop-Musik wurde mir im Endeffekt auch serviert. LIV KRISTINE, ehemalige Theatre Of Tragedy-Sängerin und jetzige Leaves’ Eyes-Frontsirene, ist mit ihrem zweiten Solo-Album zurück, steckte die Erwartungen hoch – und versagt nun auf voller Länge. Nicht, dass mir kommerziellere Musik nicht gefallen würde; nicht, dass ich LIV’s Gesang nicht mag… aber Enter My Religion ist ein enttäuschender Mischmasch aus B-Seiten-Songs ohne Identität und Charakter geworden.
Over The Moon, ein weniger als durchschnittlich geratener Opener für 45 Minuten (beinahem) Bubblegum-Pop, gibt bereits die Richtung vor, wie der Rest des Materials klingen wird – kitschig und seelenlos. Die Single-Auskopplung Fake A Smile ist danach das einzig wirkliche Highlight dieses Albums, mit großartigem Songwriting, angenehm trauriger Atmosphäre und einem guten Refrain. Wären alle Songs im Stile dieses Tracks, würde Enter My Religion tatsächlich gut sein. Aber sobald das nachfolgende All The Time In The World einsetzt, beginnen alle positiven Gedanken zu schwinden. Das ist Schlager-Musik mit einer Christmas-Carol-Atmosphäre, mehr Worte brauche ich darüber kaum zu verlieren. Auch Nummern wie Coming Home oder der Titeltrack verdienen eigentlich gar nicht, erwähnt zu werden, während der schlechteste Track fast bis zum Ende aufgespart wurde: You Take Me Higher wartet mit einem zweitklassigen Techno-Refrain und Justin-Timberlake’schen Beats, kombiniert mit unpassendem Folklore-Feeling auf und kann in dieser Form nur als Scherz angesehen werden. Auf der anderen Seite muss ich zugeben, dass neben der Fake A Smile-Single immerhin noch ein paar brauchbare Tracks auf der CD vorhanden sind… My Revelation, mit seiner (neueren) Theatre Of Tragedy-Atmosphäre, ist ein guter Goth Pop Song, während Blue Emptiness eine solide Ballade darstellt, die in die ruhigere Leaves’ Eyes-Richtung tendiert. Beim abschließenden Track For A Moment handelt es sich schließlich um einen tollen Ambient-Song, der nach mehr wünschen lässt.
Enter My Religion entpuppt sich als unsicheres Release, dem von Anfang bis Ende vor allem der rote Faden fehlt. Besonders die kitschigen Folk-Elemente und die Sitar-Parts passen großteils überhaupt nicht zum Stil der Songs, ja ruinieren sie sogar vielmehr, während die Rock-Songs fast schon zu hart für das Album ausgefallen sind. Und ja, ich mag LIV KRISTINE’s Stimme nach wie vor, trotzdem fehlt mir das richtige Feeling auf diesem Release. Abschließend bleibt anzumerken, dass ich das komplett kalte und emotionslose Streets Of Philadelphia-Cover, einfach für unverzeihlich halte. Sorry, aber das ist einer der schlechtesten Cover-Songs, den ich seit langer Zeit gehört habe! Eigentlich hatte ich mir um einiges mehr von diesem Album erwartet…