LINEAR SPHERE – Reality Dysfunction

 
Label: Linear Sphere Records
Release: 10.03.2008
Von: Joking
Punkte: 7.5/10
Time: 65:37
Stil: Progressive Fusion Metal
URL: Linear Sphere
 
Die Dysfunktion der Realität beginnt mit sanften Ambientklängen, doch dauert es keine zwei Minuten, bis ein Gewitter losbricht. Nervöse Gitarrenläufe treffen auf aggressive Vocals, die Rhythmusfraktion hangelt sich durch reichhaltige Taktwechsel, ohne dass die Musik in knüppelndes Gedresche ausartet. Progressiver Jazzmetal trifft die Stilrichtung schon ganz gut, vielfach fühlt man sich an abgedrehtere italienische Bands wie Garden Wall oder Devil Doll (aber härter) erinnert, die den musikalischen Wahnsinn bereits vor Jahren zur Methode erhoben haben.
Bei aller Kunstfertigkeit besitzen LINEAR SPHERE genügend Bodenhaftung, um nicht gänzlich im abstrakten Experimentieren verloren zu gehen. Die Musik hofiert den Jazzrock der letzten dreißig Jahre, während der Gesang sich eher an metallischen Beispielen und den wilderen Momenten Peter Hammills orientiert. Im Division Man gibt es gar eine kurze Keyboardpassage, die an die frühen Genesis erinnert. Musikalische Verweise gibt es zuhauf und doch ist LINEAR SPHEREs Musik wie aus einem Guss: bleischwer, verspielt, bis zu einem gewissen Grad akademisch und den Eindruck hinterlassend, auf der Suche nach neuen Ufern zu sein – progressiv halt. Das ist teilweise anstrengend anzuhören; weiß aber durch gelungene melodische Einfälle zu überzeugen und an entscheidenden Stellen auch mal Bedachtsamkeit ins Spiel zu bringen, die aus Reality Dysfunction mehr macht, als einen Hardcore Testlauf für angehende Flitzefinger.
Außerdem gibt es mit Life Of Gear eine fabelhafte, überzeugende Quasi-Ballade mit Ecken und Kanten, deren akustische Gitarreneskapaden auch einem John McLaughlin oder Al DiMeola gefallen dürften. Mehr davon, und das Album würde in noch höhere Wertungsregionen vorstoßen. So steht ihm seine Sperrigkeit mitunter im Weg, macht das Zuhören zur Arbeit – lohnt aber den Einsatz. Freilich lässt sich der Longplayer zuweilen besser in kleinen bis mittleren Happen genießen. Wobei das abschließende 25minütige, vierteilige Magnum Opus From Space To Time nur komplett seine ganze widerspenstige Pracht entfaltet.