LEECH – The Stolen View

 
Label: Viva Hate Records
Release: 01.11.2007
Von: Dajana
Punkte: 10/10
Time: 53:01
Stil: Post Rock
URL: Leech
 
Hatte mich schon eine erste Kostprobe der Schweizer begeistert, haut mich das nun vorliegende Album The Stolen View schlichtweg um und ist seitdem mein ständiger musikalischer Begleiter. Die Scheibe rotiert permanent, ich kann nicht genug davon bekommen.
Wie passend, das es dazu auch gerade eine Split CD mit den musikalischen Seelenverwandten von Long Distance Calling namens 090208 gibt, wo sich der Track Inspiral von aktuellen Album wieder findet.
The Stolen View ist ein reines Instrumentalalbum, nicht alles zerstörend traurig, dennoch melancholisch, verträumt melodisch und mit einem psychedelischen Touch, der trotz der hin und wieder einsetzenden harschen Gitarrenarbeit eine gewisse Gelassenheit ausstrahlt.
The Stolen View ist ein famoses Album, an dessen Klangkaskaden man sich festklammern, in dessen Klangkosmos man ganz tief versinken und nie wieder auftauchen möchte. LEECH offerieren eine Reise ohne Ziel, nur der Entdeckung wegen. Musik immer wieder neu und immer wieder anders.
The Stolen View ist makellos, perfekt ausbalanciert, durchdacht und arrangiert; baut geschickt Spannungsbögen auf, wenn harsches Riffing einsetzt oder perkussiv Akzente gesetzt werden, spielt mit Laut-Leise-Dynamiken und wabert in seinen leisen Momenten atmosphärisch vor sich hin, bleibt dabei aber immer spannend, auf eine sehr entspannte Weise ;) Und das funktioniert bei den 8 Minuten Tracks (Silent State Optimizer und das atemberaubende The Man With The Hammer) genauso gut, wie bei den knapp 2-minütigen Zwischenspielen (Ziipfe, I Was Reversed) und den 13 bzw. 20 Minuten Monolithen Inspiral (welches mich an Tangerine Dreams zu Near Dark-Zeiten erinnert) und Totem And Tabu. Das ist Klangkunst!
The Stolen View ist das vierte Album der Schweizer, die sich selbst eine Weile auf Eis gelegt hatten, und ist lokal bereits im letzten Jahr erschienen. Nun kommt es breitflächig über Viva Hate und Cargo und dürfte jedes klangsüchtige wie klangwillige Ohr erreichen. The Stolen View ist für mich definitiv eins der Highlights in 2008!