LEANDRA – Metamorphine

 
Label: e-Wave Records
Release: 22.02.2008
Von: Daniel
Punkte: 8/10
Time: 55:12
Stil: Gothic/Neoklassik
URL: Leandra
 
LEANDRA mag manchem eher unter dem Namen Ophelia Dax bekannt sein, ihres Zeichens leicht exzentrische Tastenfrau der Industrial-Rock-Newcomer Jesus On Extasy, die momentan die Jahrespolls im Szeneblätterwald ordentlich abholzen. Wenn die Herrin der Tasten auf der Bühne live mit ihren Fingern über die Klaviatur fliegt, mag man es schnell erkennen - die Dame kommt vom Fach! Kein Wunder, ist die gebürtige Weißrussin doch mit Bravour durch die klassische Klavierschule gegangen.
Im Liveeinsatz bei JOE hat Ophelia Dax eher eingeschränkte Entfaltungsmöglichkeiten. Mit ihrem Soloprojekt LEANDRA sind nun alle stilistischen Barrieren außer Kraft gesetzt und so verwundert es nicht, dass ihr Debüt Metamorphine mit dem Industrialrock ihrer Bandkollegen herzlich wenig zu tun hat. Offenbar hat sich bei ihr einiges an kreativem Output angesammelt, der nun auf das Publikum losgelassen wird. Kategorisieren kann man die Musik auf Metamorphine kaum, aber auf jeden Fall schlägt LEANDRAS klassischer Background voll durch. Gehalten durch ihren stark akzentuierten Gesang, an dem sich bestimmt viele Geister scheiden werden, und ihr Klavierspiel erwartet den Hörer eine unterhaltsam unwegsame Reise durch Stilgebiete irgendwo zwischen Emilie Autumn, Björk, Gothic, Neoklassik und Trip Hop. Ganz sicher also kein unbeschwerlicher Trip, aber dafür durchaus gehaltvoll und künstlerisch ansprechend.
Es fällt schwer, einzelne Songs von Metamorphine hervorzuheben. Bei den ersten Durchläufen bleiben eher die zugänglicheren Songs wie das locker fluffige Lie To Me oder das zum Glück nicht zu schmalzig geratene Duett The Art Of Dreaming (mit Sven Friedrich von Zeraphine/Dreadful Shadows) in den Gehörgängen kleben. Das folgende Coloured hat starke Anleihen an ältere Songs von Björk, während mich Son Of Venus in Teilen stark an Something I Can Never Have von Nine Inch Nails erinnert. Naked Yes gibt sich trip-hoppig und bei Tyberri Folla kommt gar eine Fantasiesprache zum Einsatz. Zwischendurch lässt LEANDRA immer mal wieder ihre Finger in schnellen Läufen über die Tasten flitzen.
Metamorphine ist zum Ende hin ein etwas beschwerlicher Trip durch LEANDRAS Universum, der aber gerade experimentierfreudigen Hörern ans Herz gelegt werden kann, die vom üblichen Szene-Einheitsbrei langsam die Schnauze voll haben. „Debüt gelungen, Frau Dax!“ kann das Fazit also nur lauten - aber unbedingt vor dem Kauf Probe hören, sonst könnte es die ein oder andere böse Überraschung geben.