LEANDRA
mag manchem eher unter dem Namen Ophelia Dax bekannt sein, ihres
Zeichens leicht exzentrische Tastenfrau der Industrial-Rock-Newcomer
Jesus On Extasy, die momentan die Jahrespolls im Szeneblätterwald
ordentlich abholzen. Wenn die Herrin der Tasten auf der Bühne
live mit ihren Fingern über die Klaviatur fliegt, mag man
es schnell erkennen - die Dame kommt vom Fach! Kein Wunder,
ist die gebürtige Weißrussin doch mit Bravour durch
die klassische Klavierschule gegangen.
Im Liveeinsatz bei JOE hat Ophelia Dax eher eingeschränkte
Entfaltungsmöglichkeiten. Mit ihrem Soloprojekt LEANDRA
sind nun alle stilistischen Barrieren außer Kraft gesetzt
und so verwundert es nicht, dass ihr Debüt Metamorphine
mit dem Industrialrock ihrer Bandkollegen herzlich wenig zu
tun hat. Offenbar hat sich bei ihr einiges an kreativem Output
angesammelt, der nun auf das Publikum losgelassen wird. Kategorisieren
kann man die Musik auf Metamorphine kaum, aber
auf jeden Fall schlägt LEANDRAS klassischer Background
voll durch. Gehalten durch ihren stark akzentuierten Gesang,
an dem sich bestimmt viele Geister scheiden werden, und ihr
Klavierspiel erwartet den Hörer eine unterhaltsam unwegsame
Reise durch Stilgebiete irgendwo zwischen Emilie Autumn, Björk,
Gothic, Neoklassik und Trip Hop. Ganz sicher also kein unbeschwerlicher
Trip, aber dafür durchaus gehaltvoll und künstlerisch
ansprechend.
Es fällt schwer, einzelne Songs von Metamorphine
hervorzuheben. Bei den ersten Durchläufen bleiben eher
die zugänglicheren Songs wie das locker fluffige Lie
To Me oder das zum Glück nicht zu schmalzig geratene
Duett The Art Of Dreaming (mit Sven Friedrich von Zeraphine/Dreadful
Shadows) in den Gehörgängen kleben. Das folgende Coloured
hat starke Anleihen an ältere Songs von Björk, während
mich Son Of Venus in Teilen stark an Something I Can
Never Have von Nine Inch Nails erinnert. Naked Yes gibt
sich trip-hoppig und bei Tyberri Folla kommt gar eine
Fantasiesprache zum Einsatz. Zwischendurch lässt LEANDRA
immer mal wieder ihre Finger in schnellen Läufen über
die Tasten flitzen.
Metamorphine ist zum Ende hin ein etwas beschwerlicher
Trip durch LEANDRAS Universum, der aber gerade experimentierfreudigen
Hörern ans Herz gelegt werden kann, die vom üblichen
Szene-Einheitsbrei langsam die Schnauze voll haben. „Debüt
gelungen, Frau Dax!“ kann das Fazit also nur lauten -
aber unbedingt vor dem Kauf Probe hören, sonst könnte
es die ein oder andere böse Überraschung geben.