Das
fünfte Album LANFEARs in 11 Jahren präsentiert
nach Stefan Zoerner und Tobias Althammer mit Nuno Miguel Fernandes
den dritten Sänger. Wie kaum anders zu erwarten, macht
der ehemalige Anguish Frontmann (deren Album Symmetry ich hiermit
herzlichst empfehle) eine sehr gute Figur. Seine Stimme ist
dunkler timbriert als die Althammers und passt sich hervorragend
in die Klangwelt der Band ein. Die Songs auf X To The
Power Of Ten zeichnen sich auch in den härteren
Momenten durch eine melodische Wärme aus, die neben allen
Breaks und Tempoveränderungen wieder deutlicher ins progressive
Lager verweist, als dies auf den beiden Alben zuvor der Fall
war. Dezente, aber prägnante Keyboards unterfüttern
die handfesten Gitarrenriffs, die äußerst songdienlich
daherkommen. Auf ellenlange Soli wird verzichtet, lieber spendiert
man powervollen Stücken wie Enter Dystopia einen
fast floydigen Ausklang, auch wenn der Gitarrenklang kaum an
David Gilmour erinnert. Auf X To The Power Of Ten
gibt es Melodien zuhauf, die ins Ohr gehen, ohne spätestens
beim dritten Durchgang zu nerven. Es gibt immer wieder etwas
zu entdecken, sei es das flächige Mellotron beim vielleicht
härtesten Track My Will Be Done, das den Song trotzdem
nicht zerreißt, bzw. ausbremst, oder die Bei Jazz-Attitüde
zu Beginn Decryptions, die an die besseren Momente Pat
Methenys erinnert, während der melancholische Refrain dem
Midtempo-Rocker Tiefe verleiht. Höhepunkt des Albums ist
das melancholische Just Another Broken Shell, das spartanisch
instrumentiert beginnt und sich zu einem emotionalen Rausch
zusammenbraut, das auch im Repertoire einiger anderer deutscher
progressiv rockender Bands wie RPWL oder Sylvan ein Highlight
wäre. Mit ihrem neuen Album melden sich LANFEAR
eindrucksvoll zurück, bieten abwechslungsreichen und damit
längerfristigen Hörgenuss. Es bleibt zu hoffen, dass
sie endlich den Erfolg haben, den sie verdienen.