LACRIMOSA – Echos
Label: Hall Of Sermon
Release: 27. 01. 2003
Von: Mephisto
Punkte: 6,5
 
Lange habe ich nun mit dem Schreiben dieser Kritik zugewartet, weil ich ziemlich uneins war, was ich denn nun vom neuen Machwerk der deutschen Formation, die schon längere Zeit zu meinen Favoriten gehört, halten soll. Nun, für mich ist es eindeutig, dass LACRIMOSA den einstweiligen Zenit ihres Schaffens mit Stille erreicht hatten und seitdem langsam aber stetig abbauen. Elodia war meiner Meinung nach schon etwas schwächer als das herausragende 97er Album Stille. Dazwischen kam noch die Live Doppel-CD, die noch einen Beweis dessen darstellte, wie geil LACRIMOSA nicht rocken können. Noch am Wave Gothik – Treffen 2000 überzeugte mich die Band vollends mit ihrer mitreißenden Live-Performance, denn sie schafften es auch live diese geniale Mischung aus gotischer Melancholie und erfrischendem Rock-Feeling authentisch und wie aus einem Guss umzusetzen. Nach dem (wie bereits erwähnt) immer noch starken Elodia Output kam dann 2001 Fassade, das mich zum ersten Mal ein kleinwenig enttäuschte. Irgendwie begann der Zauber ein wenig zu schwinden. Auf der dazugehörigen Tour waren LACRIMOSA zwar gut, an die 2000er Glanzleistung kam man aber bei weitem nicht heran (siehe Livereview). Und nun sind wir im Jahre 2003 angelangt und Lacrimosa veröffentlichen Echos. Vorerst möchte ich anmerken, dass mir eines dieser Fadeout-Promos vorliegt, aber ich denke es ist genug Material zu hören, um mir ein klares Bild vom musikalischen Weg zu machen, den LACRIMOSA nunmehr eingeschlagen haben. Die ersten drei Nummern sind halbwegs gut anzuhören, können aber keinesfalls mit Lacrimosa-Meilensteinen wie Seele In Not oder Stolzes Herz mithalten. Song Nr. 4 Apart ist ein Fall für die Skip-Taste. Leider werden manche Nummern dann aber doch zu bald „abgewürgt“, als dass man sich ein gutes Bild davon machen könnte. Track Nr. 7 Malina ist einer der wenigen, bei dem die Gitarren einmal ein wenig „von der Leine gelassen“ werden und ist durchwegs rockiger gehalten, als der Rest der Kompositionen. Danach folgt mit Die Schreie Sind Verstummt noch ein Requiem. Auch dieses kann man nicht als schlecht bezeichnen, ABER das neue Material kann mit den älteren Stücken einfach nicht mithalten. Nur hie und da flackert ein kleinwenig des kranken Charmes auf, der die Band in ihren Anfangstagen so unwiderstehlich machte. Viel zu selten keimen die kongenialen Rockelemente auf, welche die Band z.B. bei Stolzes Herz so gekonnt mit gotischen Klängen und klassischen Anleihen verwob. Ich bin sicherlich keiner dieser „früher war alles besser“ Meckerer, aber im Falle von LACRIMOSA trifft diese Aussage wohl zu einem Gutteil zu. Hier klingt mir irgendwie alles ein wenig zu vorhersehbar, geradlinig und auch etwas zu poppig. Natürlich ist Tilo nach wie vor ein großartiger, charismatischer Sänger (...und Anne singt eben so, wie Anne immer singt...), aber alles was man von ihm hört, hat er auf den bereits mehrfach genannten Meisterwerken einfach besser gemacht. Es mag sein, dass ich mit meiner Meinung alleine dastehe, aber so ist das nun mal mit Meinungen.

Ich denke, meine Ausführungen sind lange genug, um sich ein Bild über Echos zu machen – die Scheibe ist es auf jeden Fall Wert, beim Plattenhändler seines Vertrauens angetestet zu werden. Danach kann immer noch jeder für sich selbst entscheiden, ob er das Teil mag oder nicht. Von mir bekommt das Album 6,5 Punkte. Zu wenig meint ihr? Jeder anderen Band hätte ich wahrscheinlich ein kleinwenig mehr gegeben. LACRIMOSA aber haben, im Vergleich zu Echos jedenfalls, wirklich übermächtige Vorgängerwerke, an denen sie sich zu messen haben. Punkt und aus.

Lacrimosa