John
Fryer, der Produzent von LACRIMAS PROFUNDERE
ist grenzenloser Optimist, soviel steht jedenfalls fest! Er
ist der Meinung, dass Filthy Notes For Frozen Hearts
ein ebensolcher Reißer werden könnte wie die Alben
von H.I.M. Zumindest von den musikalischen Zutaten könnte
das möglich sein, nur dass die LACRIMAS PROFUNDERE
ein paar Jahre später mit der gleichen Mischung auf der
Matte stehen. Deshalb bin ich in dieser Hinsicht mehr als skeptisch...
Im härtetechnischen Bereich und auch bei der Stimme sowie
Kompositionsweise sind die beiden Bands ähnlich gelagert,
Filthy Notes For Frozen Hearts hat
allerdings noch so viel Energie wie das Debüt der Mannen
um Ville Valo.
Again It’s Over ist ein richtiger Hit, geht sofort
ins Ohr und wird sicher die Tanzflächen der Nation füllen,
nur müssen Napalm Records für ansprechende Werbung
sorgen, auch eine ausgiebige Tour würde zum jetzigen Zeitpunkt
gut gewählt sein, mit einem taufrischen Album tourt es
sich gut! Jedem Fan von Depeche Mode bis Sentenced oder Type
O Negative müsste der musikalische Cocktail von LACRIMAS
PROFUNDERE gut munden, wurde doch auch auf eine gewisse
Härte nicht vergessen. So stehen eindeutig die Gitarren
im Vordergrund, und auf weinerliches Pathos im Gesang wurde
weitestgehend verzichtet. Ohrenfreundlich wirken die Energie
und die Kompositionsweise der Songs, die sich zum Ende hin oft
steigern. Nicht nur das erwähnte und auch als Video enthaltene
Again It’s Over wartet mit einem Widerhaken-Refrain
auf, nein, dieses goldene Händchen für leicht ins
Ohr gehende Hits zeichnet die Formation bis zum Schluss aus.
Die Qualität bleibt also durchwegs hoch und konstant, wobei
reine Balladen glücklicherweise ausgespart werden, nur
Short Glance klingt in dieser Hinsicht schon allzu
zuckersüß. Das etwas zügigere Filthy Notes
wischt diesen Anflug von Zahnweh aber sofort wieder weg und
wirkt wie ein Energy-Drink, der den Geschmack von klebriger
Zuckerwatte neutralisiert. Auffällig auch hier wieder die
Steigerung zum Ende hin. Das gefühlvolle Sad Theme
For Marriage steht hart an der Kippe zum erneuten Zuckerschock,
Akustikgitarre und Streicherklänge schaffen eine Atmosphäre
im Dunstkreis von Romantik und Kitsch. Glücklicherweise
steht auch hier wieder härtere Abhilfe in Form von Should
bereit. Der Begriff Härte ist natürlich relativ: ich
verstehe im Gothic Metal den vermehrten Einsatz von Gitarren
und treibenden Passagen darunter.
Gerade deshalb schneiden LACRIMAS PROFUNDERE
in meiner Wertung positiv ab, da trotz aller Eingängigkeit
und Ohrenschmeichlerei auch auf die Kraft von bratenden Gitarren
gesetzt wird. Leichte Kost bleibt Filthy Notes For
Frozen Hearts aber dennoch und die Zielgruppe
wird begeistert sein – nur befürchte ich dass dieses
Album für einen durchschlagenden Erfolg ein paar Jahre
zu spät kommt.