Na,
da bin ich aber durch Zufall mal wieder auf eine echt interessante
Band gestoßen… Bei KYPCK (kyrillisch für
Kursk, wie die Stadt oder das havarierte Atom-U-Boot) handelt
es sich um die neue Truppe von Ex-Sentenced-Gitarrist S.S. Lopakka.
Mit seiner alten Combo hat das Debüt Cherno
aber (zum Glück) nicht viel gemein: anstatt auf berechenbaren
Düsterrock setzt der Vierer nämlich auf ziemlich originellen
Doom Metal. Was ja eine eher seltene Kombination darstellt…
Dabei bezieht sich das nicht nur auf die Musik, die wirklich
über eine mächtige, sehr erdrückende Atmosphäre
verfügt und neben klassischen Doom-Riffs zusätzlich
z.B. noch Ansätze verstörender, Neurosis-artiger Zerstörungsästhetik
oder aber leichter Postrock-Tendenzen zu bieten hat, sondern
auch auf die vokale Seite. Denn obwohl die Band aus Finnland
kommt, sind alle Texte in Russisch gehalten, was für westliche
Ohren halt immer noch irgendwie exotisch und hart klingt, somit
die Wirkung der Musik jedoch perfekt unterstützt, selbst
wenn der Gesang von E. Seppänen (auch Dreamtale) in der
Regel eher clean gehalten ist. Dazu haben sich KYPCK
auch ein passendes optisches Image zugelegt, welches man am
besten als 50/60er Jahre-Sowjet-Stil umschreiben kann. Könnte
mir gut vorstellen, dass vor allem die Shirts im klassisch grünen
Roter Stern-Stil reißenden Absatz finden werden.
Wichtig ist aber immer noch auf dem Platz, und da haben die
Finnen eigentlich ausschließlich heiße Eisen im
Feuer. Egal, ob man das doomig groovende Rozhdestvo V Murmanske,
das eher melodische und mit einem tollen Hook im Refrain versehene
1917, das garstig-schöne Chernaya Dyra oder
das mächtig fiese Stalingrad betrachtet: es handelt
sich durch die Bank um hochklassige und bereits sehr eigenständig
klingende Stücke, die allerdings für klassisch geprägte
Doom-Jünger zumindest gewöhnungsbedürftig sein
werden. Und vielleicht sogar noch schlimmeres…
Für alle (oder zumindest viele) anderen Hörer reiht
sich hingegen ein mitreißender Song an den nächsten,
auch wenn man natürlich generell mit langsamer Musik etwas
anfangen können sollte. Da Drummer K. H. M. Hiilesmaa "nebenbei"
einer der finnischen Top-Producer im Rock-/Metal-Bereich ist,
bleiben auch bei der Produktion keine Wünsche offen; extrem
druckvoll und doch transparent tönt Cherno
aus meinen Boxen. Immer wieder gibt es kleine Effekte oder Soundschnipsel
zu entdecken, so dass die Aufmerksamkeit stets neu geweckt wird.
Leichte Abzüge gibt es allerdings für kleinere Hänger
bei den Tracks 7 und 8, aber wohlverdiente 9 Punkte sind hier
in jedem Fall noch drin. KYPCK sollte man wirklich im
Auge behalten!