KYPCK – Cherno

 
Label: Century Media
Release: 18.07.2008
Von: Psycho
Punkte: 9/10
Time: 54:22
Stil: Doom Metal
URL: Kypck
 
Na, da bin ich aber durch Zufall mal wieder auf eine echt interessante Band gestoßen… Bei KYPCK (kyrillisch für Kursk, wie die Stadt oder das havarierte Atom-U-Boot) handelt es sich um die neue Truppe von Ex-Sentenced-Gitarrist S.S. Lopakka. Mit seiner alten Combo hat das Debüt Cherno aber (zum Glück) nicht viel gemein: anstatt auf berechenbaren Düsterrock setzt der Vierer nämlich auf ziemlich originellen Doom Metal. Was ja eine eher seltene Kombination darstellt…
Dabei bezieht sich das nicht nur auf die Musik, die wirklich über eine mächtige, sehr erdrückende Atmosphäre verfügt und neben klassischen Doom-Riffs zusätzlich z.B. noch Ansätze verstörender, Neurosis-artiger Zerstörungsästhetik oder aber leichter Postrock-Tendenzen zu bieten hat, sondern auch auf die vokale Seite. Denn obwohl die Band aus Finnland kommt, sind alle Texte in Russisch gehalten, was für westliche Ohren halt immer noch irgendwie exotisch und hart klingt, somit die Wirkung der Musik jedoch perfekt unterstützt, selbst wenn der Gesang von E. Seppänen (auch Dreamtale) in der Regel eher clean gehalten ist. Dazu haben sich KYPCK auch ein passendes optisches Image zugelegt, welches man am besten als 50/60er Jahre-Sowjet-Stil umschreiben kann. Könnte mir gut vorstellen, dass vor allem die Shirts im klassisch grünen Roter Stern-Stil reißenden Absatz finden werden.
Wichtig ist aber immer noch auf dem Platz, und da haben die Finnen eigentlich ausschließlich heiße Eisen im Feuer. Egal, ob man das doomig groovende Rozhdestvo V Murmanske, das eher melodische und mit einem tollen Hook im Refrain versehene 1917, das garstig-schöne Chernaya Dyra oder das mächtig fiese Stalingrad betrachtet: es handelt sich durch die Bank um hochklassige und bereits sehr eigenständig klingende Stücke, die allerdings für klassisch geprägte Doom-Jünger zumindest gewöhnungsbedürftig sein werden. Und vielleicht sogar noch schlimmeres…
Für alle (oder zumindest viele) anderen Hörer reiht sich hingegen ein mitreißender Song an den nächsten, auch wenn man natürlich generell mit langsamer Musik etwas anfangen können sollte. Da Drummer K. H. M. Hiilesmaa "nebenbei" einer der finnischen Top-Producer im Rock-/Metal-Bereich ist, bleiben auch bei der Produktion keine Wünsche offen; extrem druckvoll und doch transparent tönt Cherno aus meinen Boxen. Immer wieder gibt es kleine Effekte oder Soundschnipsel zu entdecken, so dass die Aufmerksamkeit stets neu geweckt wird. Leichte Abzüge gibt es allerdings für kleinere Hänger bei den Tracks 7 und 8, aber wohlverdiente 9 Punkte sind hier in jedem Fall noch drin. KYPCK sollte man wirklich im Auge behalten!