Schau
an, schau an. Frankreich meldet sich im melodischen Metal-Bereich
zu Wort, und das alles andere als schlecht. Die auf der Rückseite
des Promodeckels verkündete Einschätzung, die Musik
der Band aus Laon bewege sich im Fahrwasser früher Megadeth-
und Annihilator – Erzeugnisse, ist alles andere als weit
hergeholt. Melodischer Thrash, der allen technischen Ansprüchen
gerecht wird, jede Menge hochmelodische Gitarrenläufe,
originelle Breaks, eigenständige Riffs und auch brutale
Passagen– vom handwerklichen her gibt’s einmal überhaupt
nichts zu meckern. Trotzdem habe ich 2 Probleme. Erstens: Von
all dem, was ich gerade in so positivem Zusammenhang erwähnt
habe, gibt’s leider immer wieder etwas ZU viel auf einmal
– sprich: durch die sehr häufigen Breaks und Leads
bewegen sich die Stücke nicht selten an der Grenze zu einer
leichten Zerfahrenheit, und manchmal eben für meine Begriffe
auch knapp jenseits dieser Grenze. Es spricht nichts dagegen,
wenn ein Album mehrere Durchgänge benötigt, um sich
dem Hörer zu erschließen. Genau das ist aber hier
eben auch nach mehreren Anläufen nur (aber immerhin doch)
teilweise der Fall und unterscheidet KRYZALID
von ihren genannten Vorbildern. Sehr anspruchsvoll, interessant
und auch wirklich hörenswert, aber eine Spur zu uneingängig.
Es fehlt einfach manchmal ein bisserl der Faden. Zweites zeitweiliges
Problem: Der gepresste Gesang, der manchmal wie eine nicht recht
geglückte Mischung aus Dave Mustaine und Phil Anslemo klingt.
Da wäre eine Spur mehr Melodie wünschenswert gewesen.
Die genannten Kritikpunkte sollen aber nicht darüber hinwegtäuschen,
dass die Franzosen auf wirklich ausgesprochen hohem Niveau agieren,
weshalb ihnen die abschließende Interpretation des Annihilator
– Klassikers Alison Hell bestens geglückt
ist (abgesehen davon, dass hier das Gesangsproblem besonders
stark zutage tritt). Ich hoffe, die Band ist/wird sich der Bereiche
bewusst, in denen man noch zu arbeiten hat (und tut dies in
erfolgreicher Art und Weise). Wenn ja, dann würde ich KRYZALID
nämlich als ziemlich große Zukunftshoffnung zu bezeichnen
wagen.