KRYZALID – Second Life

 
Label: Twilight Records
Release: 05.05.2006
Von: Gunnar
Punkte: 7.5/10
Time: 59:14
Stil: Melodic Thrash Metal
URL: Kryzalid
 
Schau an, schau an. Frankreich meldet sich im melodischen Metal-Bereich zu Wort, und das alles andere als schlecht. Die auf der Rückseite des Promodeckels verkündete Einschätzung, die Musik der Band aus Laon bewege sich im Fahrwasser früher Megadeth- und Annihilator – Erzeugnisse, ist alles andere als weit hergeholt. Melodischer Thrash, der allen technischen Ansprüchen gerecht wird, jede Menge hochmelodische Gitarrenläufe, originelle Breaks, eigenständige Riffs und auch brutale Passagen– vom handwerklichen her gibt’s einmal überhaupt nichts zu meckern. Trotzdem habe ich 2 Probleme. Erstens: Von all dem, was ich gerade in so positivem Zusammenhang erwähnt habe, gibt’s leider immer wieder etwas ZU viel auf einmal – sprich: durch die sehr häufigen Breaks und Leads bewegen sich die Stücke nicht selten an der Grenze zu einer leichten Zerfahrenheit, und manchmal eben für meine Begriffe auch knapp jenseits dieser Grenze. Es spricht nichts dagegen, wenn ein Album mehrere Durchgänge benötigt, um sich dem Hörer zu erschließen. Genau das ist aber hier eben auch nach mehreren Anläufen nur (aber immerhin doch) teilweise der Fall und unterscheidet KRYZALID von ihren genannten Vorbildern. Sehr anspruchsvoll, interessant und auch wirklich hörenswert, aber eine Spur zu uneingängig. Es fehlt einfach manchmal ein bisserl der Faden. Zweites zeitweiliges Problem: Der gepresste Gesang, der manchmal wie eine nicht recht geglückte Mischung aus Dave Mustaine und Phil Anslemo klingt. Da wäre eine Spur mehr Melodie wünschenswert gewesen. Die genannten Kritikpunkte sollen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Franzosen auf wirklich ausgesprochen hohem Niveau agieren, weshalb ihnen die abschließende Interpretation des Annihilator – Klassikers Alison Hell bestens geglückt ist (abgesehen davon, dass hier das Gesangsproblem besonders stark zutage tritt). Ich hoffe, die Band ist/wird sich der Bereiche bewusst, in denen man noch zu arbeiten hat (und tut dies in erfolgreicher Art und Weise). Wenn ja, dann würde ich KRYZALID nämlich als ziemlich große Zukunftshoffnung zu bezeichnen wagen.