KREATOR – Hordes Of Chaos

 
Label: Steamhammer/SPV
Release: 16.01.2009
Von: the.wangacopta / Psycho
Punkte: 9.5/10   10/10
Time: 38:27
Stil: Thrash Metal
URL: Kreator
 

the.wangacopta:
Charaktersongs serviert mit einer fetten Thrash Metal Keule von denen dich jeder einzelne Hieb mit voller Wucht trifft! Genau das ist das Resultat und die Zusammenfassung von mehreren Durchläufen des neuen KREATOR Langeisens Hordes Of Chaos. Über die Essener Combo großartig Worte zu verlieren ist überflüssig – was zählt ist die Musik, und die ist durch und durch gnadenloser Thrash wie zu ihren besten Zeiten! Allerdings zeigt sich mit dem aktuellen Longplayer auch eindeutig, was jahrelange Erfahrung im Musikbusiness ausmachen kann. Wo andere Bands sich noch einnorden oder nie richtig zu ihrem Stil finden und experimentieren, können KREATOR aus einem schier unerschöpflichen Fundus schöpfen. Nein, experimentiert wie vielleicht mal in der Vergangenheit wird auf Hordes Of Chaos definitiv nicht! Vielmehr betten sich einzigartige Melodien und Rhythmussektionen in das Songwriting ein, die die perfekte Balance zu dem gewaltigen Aggressionspotential bilden. Intelligent strukturierte Songs wissen mit Rasierklingenscharfen Riffs zu killen, die Melodiebögen passen genauso wie die Faust aufs Auge wie die Masse an Soli. Nein, ich habe KREATOR über die Jahre hinweg nicht immer über den Klee gelobt, aber auf Hordes Of Chaos spürt man förmlich wie hungrig die Jungs sind! Genießt solche Abrissbirnen die da lauten Warcurse, Radical Resistance oder Demon Prince und lasst euch von dem Sahnestück auf dieser Scheibe Run Amok Run den finalen Schuss geben. Ein Track mit einem balladesken Beginn angetrieben durch gnadenloses Riffing und pulsierenden Drums zu einem wahren Thrash Monster mutiert. Nicht nur in diesem Song verausgabt sich Mille bis aufs letzte! Seine politisch kritischen Texte bieten wieder einmal genügend Zündstoff und eine perfekte Grundlage für seine aggressiven, nicht im immer in Keifhöhe, Shouts!
Das Erfolgsrezept für Hordes Of Chaos könnte dieses sein: Die Scheibe wird exakt durch die Produktionsweise abgerundet, die KREATOR bisher nur ein einziges Mal praktizierten, und zwar bei den Pleasure To Kill Recordings. Die Essener haben bewusst dem klinisch gezüchteten Sound abgesagt und die Basic Tracks live im Studio eingezimmert. Einen unmittelbaren Vergleich zu der Überscheibe möchte ich nicht ziehen, aber Hordes Of Chaos ist für mich das stärkste KREATOR Album seit längerem! Und zu guter letzt durfte kein geringerer als Colin Richardson diesem Release den finalen Feinschliff geben.
All diese Eigenschaften sind unmissverständliche Belege dafür, warum KREATOR die Thrash Metal Bewegung entscheidend geprägt haben und immer noch mit zum Maß der Dinge gehören! Hordes Of Chaos ist absolutes Pflichtprogramm!

Psycho:
Wow, da hat die Essener Thrash-Institution aber einen echten Hammer rausgehauen. Zu einem nicht unerheblichen Teil live eingespielt, überzeugt Hordes Of Chaos nicht nur mit fast durchweg gutem bis sehr gutem Songmaterial, sondern auch das Aggressions-Potential ist enorm, und der Sound eine echte Wucht! Aus meiner Sicht die erste Veröffentlichung von KREATOR in der "Neuzeit", die sogar den Vergleich mit den Alltime-Klassikern der Band für sich entscheiden könnte.

Los geht es direkt mit dem Titelsong, der bereits mehr als passabel ist, aber eigentlich nur die Ouvertüre für die kommenden Großtaten darstellt, denn schon das folgende Warcurse setzt da noch mal ein ordentliches Pfund drauf! Mördertempo, geniales Riffing, ein superber Songaufbau mit wirklich tollen Ideen und Melodien, dazu ein insgesamt perfekter Spagat zwischen klassischem KREATOR Material und neueren Einflüssen; mit einem Wort: grandios. Der dritte Song Escalation richtet sich mehr an die Hörer, die KREATOR erst in den letzten Jahren kennengelernt haben, ist aber ebenfalls sehr gut. Amok Run fängt zwar ruhig an, steigert sich aber immer weiter in den (musikalischen) Wahnsinn und kokettiert dabei geschickt mit Elementen aus der Zeit von z.B. Terrible Certainty oder Extrem Aggression. Ein Stilelement, das einem übrigens häufiger auf Hordes Of Chaos auffällt, neben der Tatsache, dass wohl auf keinem bisherigen Album (und nicht nur bei diesem einen Track) der Band kompromisslose Härte und Melodiosität so virtuos miteinander verbunden worden sind.

Weitere Highlights wären u.a. To The After Burn und vor allem auch das abschließende Demon Prince, wobei aber die restlichen Tracks kaum schwächer sind, sondern einfach typisches KREATOR Material auf höchstem Niveau bieten. Da fängt das Jahr 2009 ja bestens an! Milles Gesang passt zur Mucke wie der sprichwörtliche Arsch auf den Eimer, das hohe Gekeife der letzten Tour hat er also zum Glück vor der Studiotür gelassen. Die Texte sind wie immer wütende, intelligent zusammengestellte Anklagen gegen die Missstände unserer Gesellschaft, und die Platte hat insgesamt betrachtet eine phänomenale Wucht. Genauso, wie guter Thrash Metal halt sein muss! Technisch muss ich vor den Jungs echt den Hut ziehen, mit Sicherheit stellt das derzeitige Line-Up das stärkste in der gesamten KREATOR Geschichte dar. Lediglich die Spielzeit von Hordes Of Chaos ist ein wenig schmal geraten, aber darüber kann man sich bei dem Qualitätslevel nur noch marginal beschweren.

Punkte... puh... eigentlich eine klare 10, aber das Jahr fängt doch gerade erst an, da will man sich eigentlich noch ein wenig Luft lassen. Aber egal, denn die Scheibe rockt und hat es definitiv verdient: 10 Punkte!