KORPIKLAANI –Tervaskanto

 
Label: Napalm Records
Release: 29.06.2007
Von: Stormlord
Punkte: 8.5/10
Time: 42:36
Stil: Folk Metal
URL: Korpiklaani
 
Eine Folk Metal Band nennt ihr viertes Album also Tervaskanto („Alter Mann“) - doch mit Pensionistenmusik haben KORPIKLAANI nix am Hut. Schon beim beschwingten Let's Drink geht es stilecht mit Flöten, Akkordeon und verdammt viel Spielfreude beherzt los. Natürlich lässt man sich nicht zweimal zum Einschenken und Heben des Kruges bitten, um im Takt dem Clan des Waldes für diesen gelungenen Eröffnungstanz zuzuprosten. Zur guten Laune trägt auch der sehr nette Akzent von Sänger Jonne sein Scherflein bei, der mir das eine oder andere Grinsen ins Gesicht zaubert. Klarerweise fühlt sich der Vokalist in seiner Landessprache sicherer, nur wird ein Großteil der Hörer beim Mitgrölversuch der Texte oder des Refrains größere Probleme bekommen. Tervaskanto lädt aber gerade dazu ein, zu mehr als unbeholfenem Gestammel wird es wohl nicht reichen... Nach diesem rasanten Anfangsgespann setzen KORPIKLAANI mit Viima noch eine Portion guter Laune oben drauf, diesmal mit tieferem und rauerem Gesang. Rhythmisch einem Marsch ähnlich schreitet der Song leichtfüßig dahin und fährt direkt ins Gebein. Dominant erklingen die Flötenweisen und man kann kaum mehr still sitzen bleiben, besonders die Fischerchöre lassen eine ausgelassene Stimmung aufkommen. Recht fett groovt das folgende Veriset Äpärät los, gestützt von einer souveränen Basslinie, virtuosen Fiedeleien und geschmackvollen Akkordeonklängen. Auch zwei Nummern rein instrumentaler Natur fanden den Weg auf Tervaskanto, nämlich Running With The Wolves (bei dem Spieltempo kann man wohl problemlos mit dem Tier Schritt halten, hehe) und Nordic Feast als Abschluss. Viele Tracks sind knackig kurz und bieten wenig Spielraum für Experimente. Bei zwei Ausnahmen geben sich KORPIKLAANI epischer, was ihnen sehr gut zu Gesicht steht. Die Geschwindigkeit bleibt bei Palovana aber stets recht hoch, also balladenfreie Zone. Einzig für die Ausgestaltung des instrumentalen Mittelteils nehmen sich die Finnen mehr Zeit. Ein prägnantes rhythmisches Thema, das während der Spielzeit fast schon überstrapaziert wird, doch im richtigen Moment einer leichten Variation unterworfen wird, bestimmt das mit sieben Minuten fast monumentale Stück Vesilahden Veräjillä.
KORPIKLAANI machen ihre Sache gut, keine Frage, doch es besteht meiner Meinung nach die Gefahr, dass sie sich selbst kopieren und ein gewisser kreativer Stillstand auftreten könnte. Doch ich bin guter Dinge, dass der Clan diese dunklen Wolken am Horizont kommen sieht und diesen mit frischen Ideen den Marsch blasen wird. Im Moment besteht allerdings wenig Grund zur Sorge, höchstens um die Knochen des alten Mannes vom Cover der wohl seine müden Gebeine unweigerlich zu den Klängen dieses Albums bewegen wird müssen, denn der Intensität und Fröhlichkeit der munteren Mitsing- und Tanznummern kann nicht einmal der gebrechlichste Körper widerstehen!