Eine
Folk Metal Band nennt ihr viertes Album also Tervaskanto
(„Alter Mann“) - doch mit Pensionistenmusik haben
KORPIKLAANI nix am Hut. Schon beim beschwingten Let's
Drink geht es stilecht mit Flöten, Akkordeon und verdammt
viel Spielfreude beherzt los. Natürlich lässt man
sich nicht zweimal zum Einschenken und Heben des Kruges bitten,
um im Takt dem Clan des Waldes für diesen gelungenen Eröffnungstanz
zuzuprosten. Zur guten Laune trägt auch der sehr nette
Akzent von Sänger Jonne sein Scherflein bei, der mir das
eine oder andere Grinsen ins Gesicht zaubert. Klarerweise fühlt
sich der Vokalist in seiner Landessprache sicherer, nur wird
ein Großteil der Hörer beim Mitgrölversuch der
Texte oder des Refrains größere Probleme bekommen.
Tervaskanto lädt aber gerade dazu ein, zu
mehr als unbeholfenem Gestammel wird es wohl nicht reichen...
Nach diesem rasanten Anfangsgespann setzen KORPIKLAANI
mit Viima noch eine Portion guter Laune oben drauf, diesmal
mit tieferem und rauerem Gesang. Rhythmisch einem Marsch ähnlich
schreitet der Song leichtfüßig dahin und fährt
direkt ins Gebein. Dominant erklingen die Flötenweisen
und man kann kaum mehr still sitzen bleiben, besonders die Fischerchöre
lassen eine ausgelassene Stimmung aufkommen. Recht fett groovt
das folgende Veriset Äpärät los, gestützt
von einer souveränen Basslinie, virtuosen Fiedeleien und
geschmackvollen Akkordeonklängen. Auch zwei Nummern rein
instrumentaler Natur fanden den Weg auf Tervaskanto,
nämlich Running With The Wolves (bei dem Spieltempo
kann man wohl problemlos mit dem Tier Schritt halten, hehe)
und Nordic Feast als Abschluss. Viele Tracks sind knackig
kurz und bieten wenig Spielraum für Experimente. Bei zwei
Ausnahmen geben sich KORPIKLAANI epischer, was ihnen
sehr gut zu Gesicht steht. Die Geschwindigkeit bleibt bei Palovana
aber stets recht hoch, also balladenfreie Zone. Einzig für
die Ausgestaltung des instrumentalen Mittelteils nehmen sich
die Finnen mehr Zeit. Ein prägnantes rhythmisches Thema,
das während der Spielzeit fast schon überstrapaziert
wird, doch im richtigen Moment einer leichten Variation unterworfen
wird, bestimmt das mit sieben Minuten fast monumentale Stück
Vesilahden Veräjillä.
KORPIKLAANI machen ihre Sache gut, keine Frage, doch
es besteht meiner Meinung nach die Gefahr, dass sie sich selbst
kopieren und ein gewisser kreativer Stillstand auftreten könnte.
Doch ich bin guter Dinge, dass der Clan diese dunklen Wolken
am Horizont kommen sieht und diesen mit frischen Ideen den Marsch
blasen wird. Im Moment besteht allerdings wenig Grund zur Sorge,
höchstens um die Knochen des alten Mannes vom Cover der
wohl seine müden Gebeine unweigerlich zu den Klängen
dieses Albums bewegen wird müssen, denn der Intensität
und Fröhlichkeit der munteren Mitsing- und Tanznummern
kann nicht einmal der gebrechlichste Körper widerstehen!