„Nach
vier Studioalben, einem doppelten Live-Album und einem ganzen
Jahr voller Spekulationen melden sich KOMA
- Birgi, Juan Carlos, Rafa und Natxo - nun mit aufgeladenen
Batterien und neuen, beeindruckenden Ideen im Gebäck (sic!)
in der Gegenwart zurück.“
Ach, schöner
als das eigene Label hätten wir das wirklich nicht ausdrücken
können! Im Gegenteil: Schon der Anblick des neuen Albums
Sinónimo de Ofender von KOMA
lässt in uns das Gefühl aufkommen, dass diese Scheibe
nicht unser Ding ist – und das aus guten Gründen!
Das Cover sieht so unwahrscheinlich gewollt, aber weder ansprechend,
noch schockierend aus - und was hat der Finger im Auge mit dem
Synonym für Beleidigung zu tun? Oder soll er uns zusammen
mit der Abbildung der Band in der Iris soviel sagen wie: Holzauge
sei wachsam? Sollen wir das Ganze nicht so ernst nehmen? Das
würde ja sogar für KOMA sprechen…
Und noch
einmal müssen wir Locomotive Records zitieren: „Sinónimo
de Ofender gibt uns eine herrlich explosive, glänzend
ironische Band zurück, mit neuen kräftig musikalischen
Konstruktionen voller Energy und Dynamik.“
Mehrmals
haben wir uns das Album angetan und gehofft, unsere Gehörgänge
würden sich an diese kräftig musikalischen Konstruktionen
gewöhnen und etwas Explosives, glänzend Ironisches
entdecken können. Aber so sehr wir uns auch bemühen,
wir können den zwar sehr rhythmischen, recht fetten Riffs,
der immer gleichen Stimme und den nicht gerade kreativen Melodien
nichts dergleichen abgewinnen. Der Sänger ist schlichtweg
eine Zumutung. Er klingt die meiste Zeit wie ein versoffener
Maurer, der eine Palette Karlskrone zuviel intus hat, und in
seiner Stimme ist keinerlei Variation zu erkennen, von gesanglicher
Leistung mal ganz zu schweigen. Wir tun uns recht schwer damit,
dieses grollende, dumpfe Grölen als Gesang zu bezeichnen.
Das ist in unseren Augen schon keine Geschmacksfrage mehr, es
ist einfach schlecht. So unendlich schlecht! Und auch sonst
ist das ganze Album gelinde gesagt ein wenig inkonsequent aufgebaut.
Zum Beispiel erschließt sich uns leider nicht, was das
Intro mit Herzklopfen und Babygeschrei bei Protestantes
soll, da es mit der weiteren Entwicklung des Songs in keinem
Zusammenhang steht. Genauso geht es uns mit der Orgel zu Beginn
von Pensamientos Fúnebres – okay, dieses
Stück wirkt durch den differenzierteren Gesang im Refrain
leicht düster, was durch die Orgel vielleicht unterstrichen
werden soll, aber auf diesem Hintergrund wirkt das doch eher
platt.
„Auf
Sinónimo de Ofender gibt es jede Art
von Momenten, nur keine zum Entspannen. Es ist ein bestechend
dynamisches Album, dass das Vertrauen in ein empfehlenswertes
Werk voller Überwindung erzeugt und das den Zuhörer
nicht unberührt lässt.“
Nein, Entspannung
gibt es hier wirklich nicht – na gut, für 43 Sekunden
mit dem Titel El Alambique, das als Instrumental-Stück
und nur mit akustischer Gitarre so gar nicht in das Album zu
passen scheint. Von den vielen Arten von Momenten überwiegen
leider doch die langweiligen und durchschnittlichen. Doch als
entspannend kann man auch diese nicht wirklich bezeichnen, sind
sie doch eher frustrierend und schmerzend. Es kostet wirklich
Überwindung, sich durch die 13 Titel zu hören, die
doch irgendwie alle gleich klingen, wären da nicht die
kleinen Einsprengsel, die wohl die kreative Ader von KOMA
illustrieren sollen, leider aber zusammenhanglos und fast lächerlich
wirken. Möglicherweise könnten wir verstehen, warum
El Muro Del Berlin als beschwingter Tango daherkommt,
der auch noch mit Akkordeonklängen untermalt ist und warum
das Gitarrensolo in die Melodie von Don’t Cry For Me Argentina
übergeht, wenn wir mehr Spanisch verstehen und den Background
der Band besser kennen würden. Aber so finden wir es nur
eigenartig und deplaziert. Es ist sowieso fraglich, weshalb
Locomotive Records uns mit Promos einer Band versorgt, bei der
sogar die Homepage nur auf Spanisch verfügbar ist. Wir
glauben nicht, dass das internationale Metal-Publikum sich sonderlich
für diese Truppe interessiert, denn ihre Insiderwitze und
die angepriesene glänzende Ironie verpuffen bei Nicht-Muttersprachlern
wie Fürze im Wind und lassen lediglich eine desolate New-Metal
angehauchte Schmalspurkapelle mit einem untalentierten Sänger
zurück.
Im Grunde
scheinen die Songs recht wütend angelegt zu sein, manche
tendieren sogar zu rapartigem Gesang – sehr zum Leidwesen
des geneigten Hörers -, sind aber eher zu plakativ und
ziemlich langweilig.
Einzige Ausnahme bildet Baga, Biga, Higa, das vom Label
lustigerweise als „beunruhigend“ (in der Tat!!)
charakterisiert wird. Der Song ist ein absoluter Lacher, was
der Titel ja irgendwie impliziert. Wir hoffen, dass die Band
hier wirklich mit Worten spielt, die dann vielleicht auch noch
eine intelligente Aussage haben, wagen das aber doch zu bezweifeln.
So wird der Song zum Beispiel zwischenzeitlich immer mal wieder
jäh unterbrochen durch ein gemeinsam gegröltes „click
click“, welches den Eindruck vermittelt, dass man es hier
eher mit grenzdebilen Suppenkaspern als einer hochkarätigen
Band zutun hat.
Die Jungs
von KOMA sind keine Virtuosen, scheinen ihr
Handwerk aber ganz gut zu beherrschen. Ihre Konzerte scheinen
gut besucht zu sein und wir können uns vorstellen, dass
die Stimmung live großartig ist, zumal die flotten Rhythmen,
einfachen Riffs, ordentlichen Soli und vor allem das recht dümmliche
Gegröle des Sängers sicherlich zum Mitgrölen
wie z. B. bei einem Konzert der Böhsen Onkelz anregen.
Und es kommt bestimmt nicht von Ungefähr, dass Locomotive
Records eingehend auf die Live-Aktivitäten von KOMA
hinweist:
„Die
Band ist ein wahrer Hurrikan während ihrer zerstörerischen
Konzerte. Sie sind eine klangvolle Walze wie sie auf ihrer DVD
beweisen, die neben der dazugehörigen CD 2004 in San Fermines
aufgenommen wurde.“
Na, hoffentlich
geht bei diesen Gewaltorgien nicht zuviel zu Bruch. Leider garantieren
gute handwerkliche Fähigkeiten kein stilistisch hochwertiges
Produkt auch wenn es bestimmt Hörer gibt, die das in diesem
Fall anders sehen. Trotzdem können wir das Album Sinónimo
de Ofender nicht wirklich empfehlen und vergeben
daher nur 5.0 Punkte.