KOMA – Sinónimo de Ofender

 
Label: Locomotive
Release: 31.01.2005
Von: Reverend/Moonchild
Punkte: 5/10
Time: 54:01
Stil: Baustellen Metal
URL: Koma
 

„Nach vier Studioalben, einem doppelten Live-Album und einem ganzen Jahr voller Spekulationen melden sich KOMA - Birgi, Juan Carlos, Rafa und Natxo - nun mit aufgeladenen Batterien und neuen, beeindruckenden Ideen im Gebäck (sic!) in der Gegenwart zurück.“

Ach, schöner als das eigene Label hätten wir das wirklich nicht ausdrücken können! Im Gegenteil: Schon der Anblick des neuen Albums Sinónimo de Ofender von KOMA lässt in uns das Gefühl aufkommen, dass diese Scheibe nicht unser Ding ist – und das aus guten Gründen! Das Cover sieht so unwahrscheinlich gewollt, aber weder ansprechend, noch schockierend aus - und was hat der Finger im Auge mit dem Synonym für Beleidigung zu tun? Oder soll er uns zusammen mit der Abbildung der Band in der Iris soviel sagen wie: Holzauge sei wachsam? Sollen wir das Ganze nicht so ernst nehmen? Das würde ja sogar für KOMA sprechen…

Und noch einmal müssen wir Locomotive Records zitieren: Sinónimo de Ofender gibt uns eine herrlich explosive, glänzend ironische Band zurück, mit neuen kräftig musikalischen Konstruktionen voller Energy und Dynamik.“

Mehrmals haben wir uns das Album angetan und gehofft, unsere Gehörgänge würden sich an diese kräftig musikalischen Konstruktionen gewöhnen und etwas Explosives, glänzend Ironisches entdecken können. Aber so sehr wir uns auch bemühen, wir können den zwar sehr rhythmischen, recht fetten Riffs, der immer gleichen Stimme und den nicht gerade kreativen Melodien nichts dergleichen abgewinnen. Der Sänger ist schlichtweg eine Zumutung. Er klingt die meiste Zeit wie ein versoffener Maurer, der eine Palette Karlskrone zuviel intus hat, und in seiner Stimme ist keinerlei Variation zu erkennen, von gesanglicher Leistung mal ganz zu schweigen. Wir tun uns recht schwer damit, dieses grollende, dumpfe Grölen als Gesang zu bezeichnen. Das ist in unseren Augen schon keine Geschmacksfrage mehr, es ist einfach schlecht. So unendlich schlecht! Und auch sonst ist das ganze Album gelinde gesagt ein wenig inkonsequent aufgebaut. Zum Beispiel erschließt sich uns leider nicht, was das Intro mit Herzklopfen und Babygeschrei bei Protestantes soll, da es mit der weiteren Entwicklung des Songs in keinem Zusammenhang steht. Genauso geht es uns mit der Orgel zu Beginn von Pensamientos Fúnebres – okay, dieses Stück wirkt durch den differenzierteren Gesang im Refrain leicht düster, was durch die Orgel vielleicht unterstrichen werden soll, aber auf diesem Hintergrund wirkt das doch eher platt.

„Auf Sinónimo de Ofender gibt es jede Art von Momenten, nur keine zum Entspannen. Es ist ein bestechend dynamisches Album, dass das Vertrauen in ein empfehlenswertes Werk voller Überwindung erzeugt und das den Zuhörer nicht unberührt lässt.“

Nein, Entspannung gibt es hier wirklich nicht – na gut, für 43 Sekunden mit dem Titel El Alambique, das als Instrumental-Stück und nur mit akustischer Gitarre so gar nicht in das Album zu passen scheint. Von den vielen Arten von Momenten überwiegen leider doch die langweiligen und durchschnittlichen. Doch als entspannend kann man auch diese nicht wirklich bezeichnen, sind sie doch eher frustrierend und schmerzend. Es kostet wirklich Überwindung, sich durch die 13 Titel zu hören, die doch irgendwie alle gleich klingen, wären da nicht die kleinen Einsprengsel, die wohl die kreative Ader von KOMA illustrieren sollen, leider aber zusammenhanglos und fast lächerlich wirken. Möglicherweise könnten wir verstehen, warum El Muro Del Berlin als beschwingter Tango daherkommt, der auch noch mit Akkordeonklängen untermalt ist und warum das Gitarrensolo in die Melodie von Don’t Cry For Me Argentina übergeht, wenn wir mehr Spanisch verstehen und den Background der Band besser kennen würden. Aber so finden wir es nur eigenartig und deplaziert. Es ist sowieso fraglich, weshalb Locomotive Records uns mit Promos einer Band versorgt, bei der sogar die Homepage nur auf Spanisch verfügbar ist. Wir glauben nicht, dass das internationale Metal-Publikum sich sonderlich für diese Truppe interessiert, denn ihre Insiderwitze und die angepriesene glänzende Ironie verpuffen bei Nicht-Muttersprachlern wie Fürze im Wind und lassen lediglich eine desolate New-Metal angehauchte Schmalspurkapelle mit einem untalentierten Sänger zurück.

Im Grunde scheinen die Songs recht wütend angelegt zu sein, manche tendieren sogar zu rapartigem Gesang – sehr zum Leidwesen des geneigten Hörers -, sind aber eher zu plakativ und ziemlich langweilig.
Einzige Ausnahme bildet Baga, Biga, Higa, das vom Label lustigerweise als „beunruhigend“ (in der Tat!!) charakterisiert wird. Der Song ist ein absoluter Lacher, was der Titel ja irgendwie impliziert. Wir hoffen, dass die Band hier wirklich mit Worten spielt, die dann vielleicht auch noch eine intelligente Aussage haben, wagen das aber doch zu bezweifeln. So wird der Song zum Beispiel zwischenzeitlich immer mal wieder jäh unterbrochen durch ein gemeinsam gegröltes „click click“, welches den Eindruck vermittelt, dass man es hier eher mit grenzdebilen Suppenkaspern als einer hochkarätigen Band zutun hat.

Die Jungs von KOMA sind keine Virtuosen, scheinen ihr Handwerk aber ganz gut zu beherrschen. Ihre Konzerte scheinen gut besucht zu sein und wir können uns vorstellen, dass die Stimmung live großartig ist, zumal die flotten Rhythmen, einfachen Riffs, ordentlichen Soli und vor allem das recht dümmliche Gegröle des Sängers sicherlich zum Mitgrölen wie z. B. bei einem Konzert der Böhsen Onkelz anregen. Und es kommt bestimmt nicht von Ungefähr, dass Locomotive Records eingehend auf die Live-Aktivitäten von KOMA hinweist:

„Die Band ist ein wahrer Hurrikan während ihrer zerstörerischen Konzerte. Sie sind eine klangvolle Walze wie sie auf ihrer DVD beweisen, die neben der dazugehörigen CD 2004 in San Fermines aufgenommen wurde.“

Na, hoffentlich geht bei diesen Gewaltorgien nicht zuviel zu Bruch. Leider garantieren gute handwerkliche Fähigkeiten kein stilistisch hochwertiges Produkt auch wenn es bestimmt Hörer gibt, die das in diesem Fall anders sehen. Trotzdem können wir das Album Sinónimo de Ofender nicht wirklich empfehlen und vergeben daher nur 5.0 Punkte.