KOLDBRANN – Moribund

 
Label: Twilight
Release: 23.06.2006
Von: Seb
Punkte: 9.5/10
Time: 59:52
Stil: Black Metal
URL: Koldbrann
 
KOLDBRANN haben sich 2003 mit dem furiosen Erstlingswerk Nekrotisk Invision bereits einen überregional bekannten Ruf verschaffen können, den sie in der Folge mit einer Split-CD mit ihren ebenfalls knüppelharten Landsmännern Ljå und der Atomvinter E.P. zementierten.
Nun hat das Quartett endlich mit Moribund wieder ein komplettes Album veröffentlicht, und es müsste eigentlich schon mit dem Teufel zugehen, wenn dieses die Band nicht endgültig an die Spitze heutigen skandinavischen Black Metals hieven würde.
Dabei wurde allerdings nicht zwanghaft am erprobten Erfolgskonzept festgehalten, sondern KOLDBRANN bewiesen den Mut, ihre Grenzen deutlich zu erweitern. Beeindruckten die Norweger anno 2003 noch fast ausschließlich durch unglaubliche Härte und Geschwindigkeit, so hat man nun den Eindruck, dass sie in den vergangenen Jahren deutlich reifer geworden sind. Natürlich sind der bekannte raue und rohe Sound und die entsprechende Produktion bis auf einen wesentlich klarer definierten Gitarrenklang fast beim Alten geblieben und selbstverständlich wird noch regelmäßig das Gaspedal bis zum Anschlag durchgetreten, dass einem die Luft wegbleibt, aber auch abseits des wüsten, manchmal schon fast industriell oder maschinell anmutenden Highspeed-Geprügels wird feinste Qualität geboten. Zwar wirkt Moribund beim ersten und wahrscheinlich auch zweiten Durchlauf noch etwas sperrig, wird dann aber von Mal zu Mal besser. KOLDBRANN bedienen sich vermehrt, im ziemlichen Gegensatz zu älterem Material, schleppender Passagen, ja stellenweise wie direkt im Opener Alt Er Befengt sogar ansatzweise melodiösen Gitarrenspiels, das den Hörer zunächst in beinahe sphärische Gefilde versetzt, um daraus abrupte und überraschende Breaks und Stimmungswechsel zu kreieren. Bestes Beispiel dafür dürfte The Smell Of Vitriol sein, aber ausnahmslos jeder Song gewinnt durch diese Herangehensweise eine verstörende, tiefschwarze Atmosphäre, und man kann die hasserfüllte Attitüde der Band geradezu fühlen.
Als besonderes Schmankerl wird der letzte Song Bestial Swarm auf Moribund komplett von Label-Kollegen und Endstille-Frontmann Iblis eingesungen, ein Experiment, welches erstaunlich gut gelungen ist. Zwar finde ich, dass Mannevonds sogar recht klare, aber dennoch brutale Stimme besser zu KOLDBRANN passt, aber auch Iblis’ zorniges Geifern fügt sich nahtlos in das Gesamtkonzept ein.
KOLDBRANN liefern mit Moribund den Beweis, dass man auch heute noch interessanten, atmosphärischen und bitterbösen Black Metal klassischer Prägung spielen kann, ohne tausendfach ausgelatschte Wege zu beschreiten und anachronistisch zu wirken. Schlicht und einfach ein großartiges Black Metal Album zu dessen Kauf ich jedem Fan des Genres rate!