Der erste
visuelle und hörbare Eindruck von KICK’s
drittem Album New Horizon war der
einer amerikanischen Boygroup mit Hang zu progressiven Rock
mit Weichspülkonzentrat. Aber zum Glück täuscht
der erste Eindruck oftmals, so auch hier...
Aus der Boygroup wird ein smartes britisches Trio, mit Hang
zu progressiven gitarrenorientierten Rock in der Schnittmenge
von Rush, Dream Theater und Fates Warning, nur eben in einer
softeren Version.
Die elf Songs (plus japanischer Bonustrack) ergeben ein sympathisches
Gebräu aus symphonischen (Opener Electric Storm),
melancholischen (Give Me Something To Hold On To),
rockigen und schmissigen Nummern (Forever Yours, Bone)
und der obligatorische (semi)-Ballade Watch Me Fly.
New Horizon lebt dabei nicht nur von
der beeindruckenden Stimme von Nick Workman, die irgendwie diesen
Rush Anteil ausmacht, sondern auch von den scheinbar unerschöpflichen
Songschreibe-Talenten des Bassisten Mikey Jones, der alle Songs
im Alleingang geschrieben hat und der trotz der augenscheinlichen
easy-listening-Musik kritische Texte zu verfassen vermag. Natürlich
hat auch Gitarist Chris Jones seine glänzenden Parts, der
mit seinen rockigen Riffs, Solos und kniffliger Fingerakrobatik
den Songs erst den richtigen Drive verpasst. Allerdings ist
– zumindest für mich - unklar, inwieweit Drummer
und Keyboarder inzwischen in der Band involviert sind, oder
ob sie eher die Statistenrolle eines Sessionmusikers belegen.
Insgesamt ein wirklich schönes Album, das aber noch weit
von den (einst) bahnbrechenden und/ oder fesselnden Veröffentlichungen
obengenannter Bands entfernt ist. Eher sitzen KICK
hier zwischen zwei Stühlen, denn für die einen wird
New Horizon zu melodiös und
zu soft sein, für den kommerziellen Markt jedoch, sind
die Jungs wieder zu eigenständig, progressiv und einfach
zu gut. Für meinen Geschmack ist das Album vielleicht und
bisschen zu glatt, dennoch bleibt New Horizon
mit jedem erneuten Durchlauf mehr im Ohr hängen. Ein paar
charismatische Ecken und Kanten mehr würden den Jungs in
musikalischer Hinsicht sicher nicht schaden (und hier meine
ich nicht, das die Briten härter werden müssten ...).
Bleibt zu hoffen, das sich KICK in der Hard
Rock Szene dauerhaft ein sonniges Treppchen sichern können.
Ich wünsch es ihnen!