Wow,
was für eine faustdicke Überraschung!!! KATATONIA
haben sich selbst am Schopf gepackt und nach der kreativen
Sackgasse der letzten beiden Alben endlich wieder Nägel
mit Köppen gemacht, denn das neue Album Viva
Emptiness strotzt nur so von guten Ideen, macht-
und unheilvollen Riffs, magischen Momenten, merklich gesteigerter
Komplexität und einer gehörigen Portion Aggressivität.
Ich weiß nicht, ob sich KATATONIA dessen
bewusst waren, dass sie sich zuletzt musikalisch in einem
Terrain bewegt haben, das nur noch wenige Entwicklungsmöglichkeiten
im Metal-Bereich offen ließ. Vielleicht war es auch
die intensive Projektarbeit einiger prägender Bandmitglieder
(Jonas Renske, Anders Nyström) in deutlich härteren
Gefilden (Bloodbath, Diabolical Masquerade), durch die es
zu dieser Entwicklung gekommen ist. Tatsache ist jedenfalls,
dass dieses Album eigentlich keine Wünsche offen lassen
dürfte, wenn man auf anspruchsvolle, atmosphärische
und sehr dunklen Musik steht.
Bereits
der Opener Ghost Of The Sun macht deutlich, dass
die Band es diesmal wirklich wissen will. Zwar finden sind
nach wie vor die alten und bekannten Trade Marks wie die abwechslungsreichen
Songstrukturen mit den gelegentlichen akustischen Auflockerungen,
der cleane, zerrissen wirkende Gesang von Jonas Renske und
das düster-rockende Element in der Musik, aber diesmal
wurde einfach konsequenter komponiert als noch auf dem Vorgänger
Last Fair Deal Gone Down. Dazu kommt
der spürbar angezogene Härtefaktor, so dass sich
beim ersten Stück im Hintergrund sogar wieder gegrunzte
Vocals finden. Das hatte es seit dem Bruch mit dem Death Metal
vor ca. 6 Jahren nicht mehr gegeben.
Die nächsten Stücke verfolgen in etwa dieselbe emotionale
Intention, aber die absoluten Highlights finden sich immer
wieder in das musikalische Gesamtgerüst eingebettet.
So z.B. das völlig geile Will I Arrive, dass
zunächst wütend und anschließend sehr entrückt
klingt, um dann mit kraftvoll zupackenden Riffs den Hörer
endgültig gefangen zu nehmen, nur um dieses Wechselspiel
der Gefühle weiter fortzuführen. Auch die Halbballade
Wealth lebt von diesen Kontrasten. Umgeben von abrupt
einsetzenden, den Hörer fast schon überfallenden
harten Gitarren befinden sich traumhaft schöne, beinahe
einlullende Akustikpassagen. So wird man selber zum Getriebenen,
Gejagten, der der vermittelten Hoffnungslosigkeit und beschworenen
Düsternis hilflos ausgeliefert ist.
Besonders gelungen finde ich auch das Triple von Stücken
zum Schluß von Viva Emptiness.
Evidence ist einer der eingängigsten Songs auf
dieser CD und vermag mit düster-treibenden Melodien zu
überzeugen. Omerta erinnert mich etwas an die
genialen Balladen von Opeth und ist mit seiner feinen, sehr
getragenen Melancholie trotzdem der am ehestens positiv zu
nennende Track auf dem Album. Das Instrumental Inside
The City Of Glass hingegen schwelgt zum Schluß
noch einmal in dunklen, opulent-elegischen Melodien, verpackt
in extrem wuchtigen Gitarrenriffs. Gänsehaut pur!
Erwähnt
werden sollte aber nicht nur die hervorragende musikalische
Leistung, sondern auch das erfreulich gelungene Gesamtpaket.
Die Produktion ist enorm druckvoll und passt wie die Faust
aufs Auge, während die optische Gestaltung der CD ebenfalls
keine Wünsche offen lässt. Komplett in schwarzweiß
gehalten und äußerst geschmackvoll wird der Höreindruck
so auch optisch eindrucksvoll eingefangen. Insgesamt also
ein phänomenal starkes Album, mit dem sich KATATONIA
hier zurückmelden. Und wenn ich nicht das Gefühl
hätte, dass die Schweden noch ein paar Briketts nachlegen
könnten, dann müsste ich für Viva
Emptiness die Höchstnote zücken. So
gibt es aber "nur" 9,5 Punkte und die Prophezeiung,
dass dieses Album einer der heißesten Anwärter
auf die CD des Jahres 2003 sein wird.
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