KATATONIA – Viva Emptiness

 
Label: Peaceville
Release: 24.03.2003
Von: Psycho
Punkte: 9.5/10
Time: 52:50
Stil: Dark Metal
URL: Katatonia
 

Wow, was für eine faustdicke Überraschung!!! KATATONIA haben sich selbst am Schopf gepackt und nach der kreativen Sackgasse der letzten beiden Alben endlich wieder Nägel mit Köppen gemacht, denn das neue Album Viva Emptiness strotzt nur so von guten Ideen, macht- und unheilvollen Riffs, magischen Momenten, merklich gesteigerter Komplexität und einer gehörigen Portion Aggressivität. Ich weiß nicht, ob sich KATATONIA dessen bewusst waren, dass sie sich zuletzt musikalisch in einem Terrain bewegt haben, das nur noch wenige Entwicklungsmöglichkeiten im Metal-Bereich offen ließ. Vielleicht war es auch die intensive Projektarbeit einiger prägender Bandmitglieder (Jonas Renske, Anders Nyström) in deutlich härteren Gefilden (Bloodbath, Diabolical Masquerade), durch die es zu dieser Entwicklung gekommen ist. Tatsache ist jedenfalls, dass dieses Album eigentlich keine Wünsche offen lassen dürfte, wenn man auf anspruchsvolle, atmosphärische und sehr dunklen Musik steht.

Bereits der Opener Ghost Of The Sun macht deutlich, dass die Band es diesmal wirklich wissen will. Zwar finden sind nach wie vor die alten und bekannten Trade Marks wie die abwechslungsreichen Songstrukturen mit den gelegentlichen akustischen Auflockerungen, der cleane, zerrissen wirkende Gesang von Jonas Renske und das düster-rockende Element in der Musik, aber diesmal wurde einfach konsequenter komponiert als noch auf dem Vorgänger Last Fair Deal Gone Down. Dazu kommt der spürbar angezogene Härtefaktor, so dass sich beim ersten Stück im Hintergrund sogar wieder gegrunzte Vocals finden. Das hatte es seit dem Bruch mit dem Death Metal vor ca. 6 Jahren nicht mehr gegeben.
Die nächsten Stücke verfolgen in etwa dieselbe emotionale Intention, aber die absoluten Highlights finden sich immer wieder in das musikalische Gesamtgerüst eingebettet. So z.B. das völlig geile Will I Arrive, dass zunächst wütend und anschließend sehr entrückt klingt, um dann mit kraftvoll zupackenden Riffs den Hörer endgültig gefangen zu nehmen, nur um dieses Wechselspiel der Gefühle weiter fortzuführen. Auch die Halbballade Wealth lebt von diesen Kontrasten. Umgeben von abrupt einsetzenden, den Hörer fast schon überfallenden harten Gitarren befinden sich traumhaft schöne, beinahe einlullende Akustikpassagen. So wird man selber zum Getriebenen, Gejagten, der der vermittelten Hoffnungslosigkeit und beschworenen Düsternis hilflos ausgeliefert ist.
Besonders gelungen finde ich auch das Triple von Stücken zum Schluß von Viva Emptiness. Evidence ist einer der eingängigsten Songs auf dieser CD und vermag mit düster-treibenden Melodien zu überzeugen. Omerta erinnert mich etwas an die genialen Balladen von Opeth und ist mit seiner feinen, sehr getragenen Melancholie trotzdem der am ehestens positiv zu nennende Track auf dem Album. Das Instrumental Inside The City Of Glass hingegen schwelgt zum Schluß noch einmal in dunklen, opulent-elegischen Melodien, verpackt in extrem wuchtigen Gitarrenriffs. Gänsehaut pur!

Erwähnt werden sollte aber nicht nur die hervorragende musikalische Leistung, sondern auch das erfreulich gelungene Gesamtpaket. Die Produktion ist enorm druckvoll und passt wie die Faust aufs Auge, während die optische Gestaltung der CD ebenfalls keine Wünsche offen lässt. Komplett in schwarzweiß gehalten und äußerst geschmackvoll wird der Höreindruck so auch optisch eindrucksvoll eingefangen. Insgesamt also ein phänomenal starkes Album, mit dem sich KATATONIA hier zurückmelden. Und wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass die Schweden noch ein paar Briketts nachlegen könnten, dann müsste ich für Viva Emptiness die Höchstnote zücken. So gibt es aber "nur" 9,5 Punkte und die Prophezeiung, dass dieses Album einer der heißesten Anwärter auf die CD des Jahres 2003 sein wird.