KAMIKAZE 52 - Destroy Yourself To Rise
Label: Rabazco / EFA
Release: 09.05.2003
Von: Psycho
Punkte: 9
 

Normaler Weise ist es ja so, dass die Beipackzettel zu den diversen Promos nur wenig brauchbar sind. Entweder tendiert der Informationsgehalt gegen Null, oder es wird dermaßen unverschämt aufgeschnitten, dass das Produkt anschließend kaum eine Chance hat, den so geweckten Erwartungen überhaupt gerecht zu werden. Eine löbliche Ausnahme zu diesem Ärgernis bildet da das Info zum Debüt der Berliner KAMIKAZE 52, welches nicht nur unterhaltsam, sondern sogar richtig nützlich ist. Zitat gefällig? "Mit einer Mixtur aus vertrackten Elektrosounds, brachialen Gitarrenklängen, eingängigen Melodien und dem zarten Mädchengesang einer eurasischen Brüll-Elfe hat die Band einen ganz eigenen Musikstil kreiert, der sich nur schwer einordnen lässt." Bravo, das stimmt so auf den Punkt genau. Weswegen ich jetzt eigentlich auch schon Schluß machen könnte...

Aber ok, KAMIKAZE 52 haben mit Destroy Yourself To Rise schon noch einiges mehr an Aufmerksamkeit verdient. Man setzt sich nämlich völlig ungeniert zwischen alle musikalischen Stühle und kümmert sich einen Dreck um irgendwelche Konventionen. Herausgekommen ist dabei ein Album, welches man als musikalisches Multiversum bezeichnen könnte: mal industrial-, mal metalartige Gitarren werden von zuweilen süßen (aber nicht klebrigen), dann wieder harschen Electrosounds umgarnt, das Schlagzeug ist mal rockig treibend und dann wieder extrem groovig, während dem ganzen der unbekümmerte Charme des Punk anhaftet und so gleichzeitig keine Zweifel daran aufkommen, dass die Damen und Herren so richtig Krach machen wollen. Und können!
Neben dieser geschmackvollen Stillosigkeit ist es vor allem der Gesang der Halbjapanerin Sui Yamamoto, der Destroy Yourself To Rise aus der Masse der Neuveröffentlichungen hervorhebt. Mal zaubert sie dem Hörer mit unglaublich lasziver, natürlich tiefer Stimme eine Gänsehaut auf den Rücken, dann zerlegt sie wiederum mit ihren akustischen Krachattacken die heimische Stereoanlage, um letztlich bei der das Album abschließenden Ballade Emotional Overkill selbigen praktisch fühlbar zu machen. Wie gut, dass diese Frau nicht Schauspielerin (wie im Info angedroht) geworden ist!
Zum Glück ist aber nicht nur der Gesang sehr gut, sondern die Songs sind größtenteils ebenfalls absolut gelungen. Dabei ist Eingängigkeit, aber nicht Langeweile Trumpf, und wer bei Krachern wie z.B. The Whore And The Liar, War, Hellcat oder Jesus Presley nicht die Kontrolle über seine plötzlich zuckenden Gliedmaßen verliert, der ist entweder ans Bett gefesselt oder supportet inbrünstig den Musikantenstadl.

Jetzt habe ich viel mehr geschrieben und bin mir sicher, dass man sich als Leser immer noch nicht vorstellen kann, wie KAMIKAZE 52 denn nun klingen. Wie praktisch, dass man sich auf der Homepage der Band von den genannten Qualitäten ein gutes Bild machen kann. Wer allerdings den einen oder anderen Abend seines Lebens in einer der Zappelbuden der Republik verbringt, der kann sich dieses Album auch blind kaufen; er/sie wird nämlich in Bälde mit einigen Tracks davon im Ohr die Tanzflächen unsicher machen.

Kamikaze 52