Normaler
Weise ist es ja so, dass die Beipackzettel zu den diversen Promos
nur wenig brauchbar sind. Entweder tendiert der Informationsgehalt
gegen Null, oder es wird dermaßen unverschämt aufgeschnitten,
dass das Produkt anschließend kaum eine Chance hat, den
so geweckten Erwartungen überhaupt gerecht zu werden. Eine
löbliche Ausnahme zu diesem Ärgernis bildet da das Info
zum Debüt der Berliner KAMIKAZE 52, welches
nicht nur unterhaltsam, sondern sogar richtig nützlich ist.
Zitat gefällig? "Mit einer Mixtur aus vertrackten
Elektrosounds, brachialen Gitarrenklängen, eingängigen
Melodien und dem zarten Mädchengesang einer eurasischen Brüll-Elfe
hat die Band einen ganz eigenen Musikstil kreiert, der sich nur
schwer einordnen lässt." Bravo, das stimmt so auf
den Punkt genau. Weswegen ich jetzt eigentlich auch schon Schluß
machen könnte...
Aber ok, KAMIKAZE
52 haben mit Destroy Yourself To Rise
schon noch einiges mehr an Aufmerksamkeit verdient. Man setzt
sich nämlich völlig ungeniert zwischen alle musikalischen
Stühle und kümmert sich einen Dreck um irgendwelche
Konventionen. Herausgekommen ist dabei ein Album, welches man
als musikalisches Multiversum bezeichnen könnte: mal industrial-,
mal metalartige Gitarren werden von zuweilen süßen
(aber nicht klebrigen), dann wieder harschen Electrosounds umgarnt,
das Schlagzeug ist mal rockig treibend und dann wieder extrem
groovig, während dem ganzen der unbekümmerte Charme
des Punk anhaftet und so gleichzeitig keine Zweifel daran aufkommen,
dass die Damen und Herren so richtig Krach machen wollen. Und
können!
Neben dieser geschmackvollen Stillosigkeit ist es vor allem der
Gesang der Halbjapanerin Sui Yamamoto, der Destroy
Yourself To Rise aus der Masse der Neuveröffentlichungen
hervorhebt. Mal zaubert sie dem Hörer mit unglaublich lasziver,
natürlich tiefer Stimme eine Gänsehaut auf den Rücken,
dann zerlegt sie wiederum mit ihren akustischen Krachattacken
die heimische Stereoanlage, um letztlich bei der das Album abschließenden
Ballade Emotional Overkill selbigen praktisch fühlbar
zu machen. Wie gut, dass diese Frau nicht Schauspielerin (wie
im Info angedroht) geworden ist!
Zum Glück ist aber nicht nur der Gesang sehr gut, sondern
die Songs sind größtenteils ebenfalls absolut gelungen.
Dabei ist Eingängigkeit, aber nicht Langeweile Trumpf, und
wer bei Krachern wie z.B. The Whore And The Liar, War,
Hellcat oder Jesus Presley nicht die Kontrolle
über seine plötzlich zuckenden Gliedmaßen verliert,
der ist entweder ans Bett gefesselt oder supportet inbrünstig
den Musikantenstadl.
Jetzt habe
ich viel mehr geschrieben und bin mir sicher, dass man sich als
Leser immer noch nicht vorstellen kann, wie KAMIKAZE 52
denn nun klingen. Wie praktisch, dass man sich auf der Homepage
der Band von den genannten Qualitäten ein gutes Bild machen
kann. Wer allerdings den einen oder anderen Abend seines Lebens
in einer der Zappelbuden der Republik verbringt, der kann sich
dieses Album auch blind kaufen; er/sie wird nämlich in Bälde
mit einigen Tracks davon im Ohr die Tanzflächen unsicher
machen.
Kamikaze
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