Ihr
Debüt Holy Beauty schlug ein wie eine Bombe,
live überzeugten sie auf der Mainstage des größten
Szenefestivals, dem M’era Luna in Hildesheim, tausende
von Fans und auch die Jahrespolls der Szenepresse räumten
sie in der Kategorie Newcomer gnadenlos ab. JESUS ON EXTASYs
Clubhit Assassinate Me trug einen guten Teil zum Erfolg
bei. So konnten Chai und Dorian Deveraux, die beiden Köpfe
hinter den Glam-Industrialrockern JESUS ON EXTASY, innerhalb
kurzer Zeit eine beachtliche Fanbase aufbauen und bestimmt auch
so manches Herz brechen. Nun schiebt die Band trotz etlicher
Live-Gigs bereits nach nur knapp mehr als einem Jahr ihr zweites
Fulltime-Album nach - das Musikbusiness ist heutzutage eben
schnelllebig. Die Erwartungen an das neue Kind namens Beloved
Enemy sind also hoch. Haben wir es hier etwa mit einem
typischen Schnellschuss zu tun?
Beloved Enemy hat eine ganze Reihe von Veränderungen
mit im Gepäck. Mit BJ haut endlich ein Drummer aus Fleisch
und Blut auf die Felle und kein Drumcomputer, dessen Sound in
der Vergangenheit oftmals nicht optimal zur Musik gepasst hat.
Zum Zweiten klingt Beloved Enemy spürbar
besser als sein Vorgänger Holy Beauty und
auch musikalisch hat die nun fünfköpfige Band in der
kurzen Zeit einen enormen Reifeprozess durchgemacht. Das Album
klingt organischer, vielschichtiger, teilweise gar sperriger
und songwriterisch wesentlich ausgefeilter - die elektronischen
Elemente sind dieses Mal deutlich besser integriert. Coverversionen
sind dieses Mal nicht mit dabei und auch einen Song wie Assassinate
Me vom Debüt suchen wir vergeblich. JESUS ON EXTASY
liefern mit Beloved Enemy keine bloße Kopie
ihres Debüts ab sondern wagen gar kleinere Experimente.
Das erste Drittel geht sehr fluffig ins Ohr. Der Opener und
Titeltrack Beloved Enemy macht gleich klar, in welche
Richtung die Reise gehen wird - rockige und satte Gitarren plus
eine eingängige Hookline, die elektronischeren Elemente
stärker in den Hintergrund gerückt. Bei Stay With
Me werden sich bestimmt wieder die Geister scheiden. Als
noch poppigeres Pendant zu Nuclear Bitch vom Debüt
erklimmt Sänger Dorian mit seiner Stimme ganz neuartige
Höhenregionen - auch insgesamt hat sich sein Gesang deutlich
verbessert und zeigt sich wesentlich variabler. Jedenfalls könnte
diese erste Single-Auskopplung und definitiver Ohrwurm durchaus
ein Hit werden. Das passende Video ist schon im Kasten. Die
zweite Hälfte des Albums will anfangs nicht so recht ins
Ohr. Erst nach mehreren Durchläufen offenbaren sich die
Qualitäten von Songs wie Break You Apart. Bei Lies
lassen JESUS ON EXTASY ordentlich Dampf ab und mit Church
Of Extasy schenken sie ihren Fans die passende Partyhymne.
Die Klavierballade Sometimes beschließt den sicherlich
nicht minder erfolgreichen Nachfolger des Debüts - nicht
nur für Fans ein Pflichtkauf, sondern alle Industrialrocker,
denen der gewisse Glam-Faktor nicht fehlen darf, sollten dringend
Probehören.