Tief
durchatmen.... nochmal... pfuh!
(Stunden später) Also nochmal..."repeat".
(Tage später) Nee... nochmal...
(dann langsam) Moment mal...
Was die Belgier JESUSPROJECT hier vorlegen
muss man sich mal bewusst und mit Absicht anhören.
Zunächst geht einem das elendige Screamo-Gekotze mächtig
auf die Nerven. Der Typ nervt wirklich. Aber dann... einmal
kommt der Punkt, wo man das ganze Album dermaßen chaotisch
und verrückt hält, dass es wieder genial ist –
bzw. wird! Nein, nein, man hört sich The Red Print nicht
schön, sondern es reift wirklich erst nach etlichen Durchgängen
(und längeren Pausen dazwischen) heran. Den Anfang macht
ein irgendwie irreführendes Intro... (das heißt
wirklich so...). Danach fängt die Stimme auch schon zu
quälen an (Aurora). Obwohl man nach den ersten
paar Durchgängen eine gewisse Gleichförmigkeit im
Chaos der Songs kritisieren möchte, sollte man lieber öfter
hinhören – wie gesagt: The Red Print
muss man öfter hören bevor man es zu schätzen
lernt.
Meiner Meinung nach sollte man mit Stone With A Bleeding
Core (es geht nichts über ein gekonntes "aaaaaaaaaaaa-ooooooooooo-wwwwwwww"
am Ende) und Paper's Serenade beginnen (wunderschöner
Mitsing-Refrain, sehr schönes, eingängiges Gitarrenriff),
sich langsam durch Cavern graben um über Aurora
zu The Red Print und den anderen Songs zu gelangen.
Unnötig finde ich die nicht-musikalischen Einleitungen
zu ein paar Stücken. Den letzten Track Qumran
hätten sie sich auch sparen können: Epilog-Leiden
unplugged – in der Wüste – kurz vorm Austrocknen
– ich hab's bildlich vor mir.
Da der Bandname schon mal sehr plakativ klingt, ebenso wie der
Labelname, wirft man argwöhnisch einen Blick auf die Texte,
in Erwartung allerhand verherrlichendes Blabla zu lesen. Nun,
in der Tat kann man Dinge herauslesen, hinein interpretieren
oder auch nicht. Jedenfalls schreit uns der Sänger die
Hardcore-Bergpredigt nicht wörtlich ins Ohr.
Als musikalische Einflüsse kann man Every Time I Die, Converge,
The Mars Volta, Neurosis nennen. Aufgenommen wurde The Red Print
in Tony Deblocks Midas Studio.
Als Bonus enthält die CD das Video zu Stone With A
Bleeding Core.
Dass The Red Print die Massen anziehen
wird, wage ich zu bezweifeln; dafür sind die Stücke
wohl zu komplex und das ganze Album ist sowieso keinesfalls
sofort verdaulich. Aber JESUSPROJECT arbeiten
daran, "von der Dunkelheit ans Licht" zu langen (sehr
geile Promotion von Gods Child :D ). Viel Glück!