JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE – Deutschland von vorne

 
Label: Bastardized
Release: 21.11.2005
Von: BRT
Punkte: 8/10
Time: 22:58
Stil: Grindpunk
URL: Japanische Kampfhörspiele
 

Nachdem die letzte Platte von JKH Hardcore aus der ersten Welt schon der absolute Hammer im punkig-überdrehten Hardcore Hystereo-Death-Metal (??? :-)) war, legen sie schnell mit einer Cover EP nach, die es musikalisch auf jeden Fall mal wieder in sich hat. Natürlich lässt sich über den Sinn und Unsinn und die künstlerische Relevanz von Coverplatten streiten bis das Blut fließt, für mich macht eine solche Platte nur Sinn, wenn derjenige Interpret den zu covernden Versionen seinen Stempel aufdrückt und sie nicht Eins-zu-Eins nachspielt.
Das ganze Dingen hier hat somit auch einen Nachteil, JKH haben den Songs etwas zu sehr ihren Stil aufgezwängt, da hier alles im "Volle-Breitseite" Stil abgeht, die Abwechslung also etwas auf der Strecke bleibt. Andererseits haben wir es mal wieder mit einer technisch absolut hochklassigen Platte zu tun, so dass man dieses Manko verschmerzen kann. Hier herrscht abgedrehte Destruktivität, konstruktive Hysterie und chaotische Debilität.
Aber, wie zu erwarten gibt es da Licht und Schatten. Manche Bands sollte man halt nicht covern, da sich schon Legionen von anderen Bands damit ganz übel auf den Bart gelegt haben, oder es halt schwer ist, gewisse Atmosphären einzufangen.

Die Songs einzeln :

DIE GOLDENEN ZITRONEN (Diese Menschen sind halbwegs ehrlich): großartig, absolutes Highlight gleich zu Beginn, der harsche und beißende Spott der Goldenen Zitronen wurde genial umgesetzt.
FASAGA (Pogo in der Straßenbahn): Crustcore-Kracher mit Breaks ohne Ende, sehr cool.
EXTRABREIT (Es tickt): straightester Song, etwas unspektakulär.
FUNNY VAN DANNEN (menschenverachtende Untergrundmusik): der Titel beschreibt es, großartige Version.
EA 80 (Der Mord fällt aus): die depressiv-düstere und einzigartige Atmosphäre der kultigen Mönchengladbacher einzufangen ist leider ganz und gar gescheitert. Sehr schade; musikalisch trotzdem natürlich klasse.
TOCOTRONIC (Ich verabscheue euch...): straight, schnell, punkig aber etwas unspannend.
EISENVATER (Der Greuel): Death-Metal zwischen Celtic Frost, Godflesh und Gekloppe ... zwiespältig, kein besonderer Song, spielerisch dagegen super.
TRIO (Kummer): Slow-Motion Doom, langsamer geht’s nimmer, super!

Wie zu erwarten waren auch ein oder zwei Ausfälle (TOCOTRONIC, EXTRABREIT) dabei, sowie ein "so sollte man nicht versuchen" (EA 80); aber der Großteil der Songs ist hörbar bis super. Kurzweilige Unterhaltung. Mich hätten da ein oder zwei andere Bands gecovert interessiert, als Kontraste sozusagen (Neubauten ...zum Beispiel) aber das ist natürlich auch sehr gewagt bis verboten.