IT BITES – The Tall Ships

 
Label: Inside Out Music
Release: 29.09.2008
Von: Joking
Punkte: 7/10
Time: 74:20
Stil: Progressive Pop Rock
URL: It Bites
 
Nach dem Live-Album When The Lights Go Down ist The Tall Ships das erste reguläre Studio-Output der reformierten IT BITES in neuem Gewand. Der anderweitig anscheinend unabkömmliche Francis Dunnery wurde durch John Mitchell ersetzt, der bereits für Arena und Frost sang, Gitarre spielte und mit John Beck in der Band Kino zusammen musizierte. Ob The Tall Ships als vollwertiges IT BITES-Album betrachtet wird, oder als Kino-Ableger, liegt im Ohr des Hörers. Mitchell jedenfalls leistet gute Arbeit, seine Stimme ist der Dunnerys gar nicht mal so unähnlich, und auch als Gitarrist fällt er nicht negativ auf. Die „Langen Schiffe“ sind kein Ausfall in der Diskographie der Band, liegen musikalisch aber näher beim Erstling und bei den ruhigen Momenten von Eat Me In St. Louis, als beim diffizilen Magnum Opus Once Around The World. Heißt: auf dem Album wird kein vertrackter Prog geboten, sondern eine leichtfüßige Variante, bei der selbst die Longtracks unangestrengt aus den Boxen tönen. Manchmal wird’s arg seicht, wie beim viel zu oft wiederholten Refrain des Titelsongs, oder dem verkrampft auf Lockerheit getrimmten Sommerliedchen Great Disasters. Man kann bei der stattlichen Laufzeit aber geflissentlich darüber hinweghören oder im Falle der großen Desaster skippen. Daneben hat das Album etliche melodische Höhepunkte zu bieten, die auf unspektakuläre Weise überzeugen, weil sie sich sowohl aus dem Fundus der gehobenen Pop Musik, wie der komplexeren Progressiven Abteilung zu bedienen wissen (The Wind That Shakes The Barley, Lights). Da gelingt auch ein dreizehneinhalbminütiges This Is England, ohne in maßlosem Bombast oder ausufernden Soli zu ersaufen. Bei allem Neigungen zu schmachtenden und eingängigen Refrains haben IT BITES genügend Ideen, Breaks, rhythmische und melodische Einfälle, um zu gefallen und nicht in trunkenem Kitsch zu ersaufen. Glücklicherweise wird vermieden vor allzu seichtem Melodic-Rock auf die Knie zu fallen. So wird das Reunion-Album auch ohne Francis Dunnery zu einer charmanten und unterhaltsamen Scheibe, über deren marginale Schwächen man leicht hinwegsehen kann.