| Nach
dem Live-Album When The Lights Go Down ist The
Tall Ships das erste reguläre Studio-Output der reformierten
IT BITES in neuem Gewand. Der anderweitig anscheinend unabkömmliche
Francis Dunnery wurde durch John Mitchell ersetzt, der bereits
für Arena und Frost sang, Gitarre spielte und mit John Beck
in der Band Kino zusammen musizierte. Ob The Tall Ships
als vollwertiges IT BITES-Album betrachtet wird, oder als
Kino-Ableger, liegt im Ohr des Hörers. Mitchell jedenfalls
leistet gute Arbeit, seine Stimme ist der Dunnerys gar nicht mal
so unähnlich, und auch als Gitarrist fällt er nicht
negativ auf. Die „Langen Schiffe“ sind kein Ausfall
in der Diskographie der Band, liegen musikalisch aber näher
beim Erstling und bei den ruhigen Momenten von Eat Me In
St. Louis, als beim diffizilen Magnum Opus Once
Around The World. Heißt: auf dem Album wird kein
vertrackter Prog geboten, sondern eine leichtfüßige
Variante, bei der selbst die Longtracks unangestrengt aus den
Boxen tönen. Manchmal wird’s arg seicht, wie beim viel
zu oft wiederholten Refrain des Titelsongs, oder dem verkrampft
auf Lockerheit getrimmten Sommerliedchen Great Disasters.
Man kann bei der stattlichen Laufzeit aber geflissentlich darüber
hinweghören oder im Falle der großen Desaster skippen.
Daneben hat das Album etliche melodische Höhepunkte zu bieten,
die auf unspektakuläre Weise überzeugen, weil sie sich
sowohl aus dem Fundus der gehobenen Pop Musik, wie der komplexeren
Progressiven Abteilung zu bedienen wissen (The Wind That Shakes
The Barley, Lights). Da gelingt auch ein dreizehneinhalbminütiges
This Is England, ohne in maßlosem Bombast oder ausufernden
Soli zu ersaufen. Bei allem Neigungen zu schmachtenden und eingängigen
Refrains haben IT BITES genügend Ideen, Breaks, rhythmische
und melodische Einfälle, um zu gefallen und nicht in trunkenem
Kitsch zu ersaufen. Glücklicherweise wird vermieden vor allzu
seichtem Melodic-Rock auf die Knie zu fallen. So wird das Reunion-Album
auch ohne Francis Dunnery zu einer charmanten und unterhaltsamen
Scheibe, über deren marginale Schwächen man leicht hinwegsehen
kann. |