INFINITE HORIZON – Soul Reducer

 
Label: Black Bards Entertainment
Release: 02.10.2008
Von: Joking
Punkte: 8/10
Time: 47:05
Stil: Progressive Power Metal
URL: Infinite Horizon
 
„Was lange währt wird endlich gut“ ist nicht nur dem Volksmund eine Weisheit. Zum Frühjahr 2008 angekündigt, ist Anfang Oktober endlich der vierte Longplayer (die 1999er EP The Prophecy mit eingerechnet) der Neunkirchener Formation INFINITE HORIZON erschienen. Bereits 2004/05 aufgenommen, heißt es über die andauernde Verzögerung im Presse-Info knapp: „Richterliche Urteile machten diese Veröffentlichung nun endlich möglich“. Recht so, denn das Warten hat sich gelohnt!
Soul Reducer ist härter und straffer ausgefallen, als der fabelhafte Vorläufer Mind Passages. Das bringt eine Konzentriertheit in die melodisch ausgefeilte Musik der Siegerländer, die einen eigenen Reiz hat. INFINITE HORIZON bewegen sich wiederum auf einem hohen Niveau, von der Instrumentenbeherrschung bis zum Gesang gibt’s nur anerkennende Worte. Beispielhaft soll der zurückhaltende und dennoch prägnante Einsatz der Keyboards erwähnt werden. Die Band setzt auf musikalische Ökonomie, und sie fahren verdammt gut damit. Natürlich ist das Werk ausgereift, immerhin hat es etliche Jahre der Entwicklung und Produktion hinter sich. Aber es wirkt keineswegs überaltert. Selbst der Abschlusstrack The Dark Side Of The Sun, ursprünglich auf Beyond Infinity aus dem Jahr 2001 vertreten, macht erneuert eine gute Figur und wirkt keineswegs wie ein Fremdkörper. Soul Reducer ist ein durch und durch stimmiges Album, das mit moderater Härte glänzt und genügend sanfte Stellen aufzuweisen hat, um auch Metal-Verächtern gefallen zu können. Marc Lemler gibt zwar (gekonnt) über weitere Strecken, als auf Mind Passages, den Shouter, aber er weiß auch in samtenen Tonlagen zu überzeugen. Thematisch hat man sich ein wenig von den spirituellen Texten der geistigen Passagen abgewandt. Zivilisationskritik ist angesagt, die Anprangerung individuellen und kollektiven Scheiterns. Sehr ordentlich und nachdenklich, ohne in tränentreibende Betroffenheitselogen abzurutschen.
INFINITE HORIZON entwickeln sich weiter. Dass dabei die ausuferndere Verspieltheit des Vorgängers zugunsten klarerer Songstrukturen gekappt wurde, muss man in Kauf nehmen. Anerkennend sogar. Dass die vergebene Punktzahl gleich geblieben ist, soll nicht die Veränderung und kompetente Arbeit der sympathischen Band verhehlen. Die Mind Passages waren auf einem etwas verschrobeneren Level bereits ein klasse Album. Soul Reducer ist ebenfalls hörenswert und eindeutig gewachsen. Jetzt ist der Band nur noch der Erfolg zu wünschen, den sie verdient. Dass das Siegerland einen fetten Eintrag im Verzeichnis musikalischer Qualitätsschmieden bekommen hat, steht schon jetzt fest. Das Wetter ist ja auch ähnlich wie in Seattle ;-)