„Was
lange währt wird endlich gut“ ist nicht nur dem Volksmund
eine Weisheit. Zum Frühjahr 2008 angekündigt, ist
Anfang Oktober endlich der vierte Longplayer (die 1999er EP
The Prophecy mit eingerechnet) der Neunkirchener
Formation INFINITE HORIZON erschienen. Bereits 2004/05
aufgenommen, heißt es über die andauernde Verzögerung
im Presse-Info knapp: „Richterliche Urteile machten diese
Veröffentlichung nun endlich möglich“. Recht
so, denn das Warten hat sich gelohnt!
Soul Reducer ist härter und straffer ausgefallen,
als der fabelhafte Vorläufer Mind Passages.
Das bringt eine Konzentriertheit in die melodisch ausgefeilte
Musik der Siegerländer, die einen eigenen Reiz hat. INFINITE
HORIZON bewegen sich wiederum auf einem hohen Niveau, von
der Instrumentenbeherrschung bis zum Gesang gibt’s nur
anerkennende Worte. Beispielhaft soll der zurückhaltende
und dennoch prägnante Einsatz der Keyboards erwähnt
werden. Die Band setzt auf musikalische Ökonomie, und sie
fahren verdammt gut damit. Natürlich ist das Werk ausgereift,
immerhin hat es etliche Jahre der Entwicklung und Produktion
hinter sich. Aber es wirkt keineswegs überaltert. Selbst
der Abschlusstrack The Dark Side Of The Sun, ursprünglich
auf Beyond Infinity aus dem Jahr 2001 vertreten,
macht erneuert eine gute Figur und wirkt keineswegs wie ein
Fremdkörper. Soul Reducer ist ein durch und
durch stimmiges Album, das mit moderater Härte glänzt
und genügend sanfte Stellen aufzuweisen hat, um auch Metal-Verächtern
gefallen zu können. Marc Lemler gibt zwar (gekonnt) über
weitere Strecken, als auf Mind Passages, den Shouter,
aber er weiß auch in samtenen Tonlagen zu überzeugen.
Thematisch hat man sich ein wenig von den spirituellen Texten
der geistigen Passagen abgewandt. Zivilisationskritik ist angesagt,
die Anprangerung individuellen und kollektiven Scheiterns. Sehr
ordentlich und nachdenklich, ohne in tränentreibende Betroffenheitselogen
abzurutschen.
INFINITE HORIZON entwickeln sich weiter. Dass dabei die
ausuferndere Verspieltheit des Vorgängers zugunsten klarerer
Songstrukturen gekappt wurde, muss man in Kauf nehmen. Anerkennend
sogar. Dass die vergebene Punktzahl gleich geblieben ist, soll
nicht die Veränderung und kompetente Arbeit der sympathischen
Band verhehlen. Die Mind Passages waren auf einem
etwas verschrobeneren Level bereits ein klasse Album. Soul
Reducer ist ebenfalls hörenswert und eindeutig
gewachsen. Jetzt ist der Band nur noch der Erfolg zu wünschen,
den sie verdient. Dass das Siegerland einen fetten Eintrag im
Verzeichnis musikalischer Qualitätsschmieden bekommen hat,
steht schon jetzt fest. Das Wetter ist ja auch ähnlich
wie in Seattle ;-)