Bei
der (teilweise) wöchentlichen Promo-Verlosung unserer Chefredakteurin
steht man immer wieder vor der Frage, für welche dieser
vielen unbekannten Bands man denn diesmal sein Händchen
erhebt. Ist im Prinzip wie der Kauf eines Überraschungs-Eis;
man weiß wirklich nie, was man dann bekommt (vorher im
Internet recherchieren wäre ja langweilig). So finden sich
dann zuweilen echte Perlen (leider viel zu selten) oder aber
auch totaler Schund (nicht so häufig, wie man meinen sollte),
meistens jedoch bewegt sich das alles irgendwo im mittleren
Bereich.
Als ich diesmal nach erfolgter Übergabe der INBORN
SUFFERING-CD einen Blick ins Labelinfo geworfen hatte,
musste ich erst mal schlucken, denn bei französischen Bands
ist aufgrund leidvoller Erfahrungen immer ein gesundes Maß
Skepsis angebracht. Aber man soll ja jeder CD zumindest eine
Chance geben, und so wurde ich diesmal durchaus positiv überrascht.
Die sechsköpfige Band (die inzwischen auch den Sänger
ausgetauscht hat) produziert nämlich auf ihrem Debüt
Wordless Hope nicht das erwartete
x-te überflüssige Symphonic Black Metal-Massaker,
sondern stattdessen bekomme ich Songs zu hören, die mich
doch schwer an Morgions Meisterwerk Solinari erinnern: doomige,
z.T. episch lange und mit viel Abwechslung und Atmosphäre
versehene Kompositionen, die trotz aller Klanggemälde vor
allem ein Konglomerat der Schwärze vor den Augen des Hörers
heraufbeschwören. Die Ähnlichkeit zu Morgion oder
auch älteren My Dying Bride und Anathema ist dabei in der
Tat frappierend, trotzdem muss man hier klar sagen: besser gut
geklaut als schlecht selbst gemacht, zumal vor allem die Amis
nicht gerade zu der Sorte von Bands gehören, die für
Legionen von Musikern als Inspirationsquelle herhalten (müssen).
Allerdings, auch das sei nicht verhehlt, fehlt noch das letzte
Quäntchen, um tatsächlich auf einer Stufe mit den
genannten Bands anzulangen.
Der erste Song This Is Who We Are ist jedenfalls mit
seinem über elf Minuten Länge und dem Wechselspiel
zwischen leisen und lauten Passagen, cleanen, gefühlvollen
Vocals und extremen Growls, sowie den feinen Gitarren-Hooks
und gelegentlichen atmosphärischen Keyboard- bzw. Piano-Passagen
exemplarisch für den hauptsächlich verfolgten Stil
der Band. Teilweise werden im Hintergrund auch noch diverse
Streicher eingesetzt (z.B. bei The Agony Within), zunächst
regiert aber immer eine durchaus beachtlich in Szene gesetzte
Mischung aus elegischem Doom Metal mit einigen Death-Anklängen;
und mit Monolith oder dem harten Stygian Darkness
haben INBORN SUFFERING hier durchaus starkes
Material am Start.
Beim zweiten Megaepos
namens Thorn Of Deceit bekommt die Musik dann doch
noch in einen schwarzmetallischeren Anstrich, da das Stück
mit z.T. deftigen, wenn auch kurzen Knüppeleinlagen versehen
ist, bevor mit The Affliction Corridor ein folkloristisch
angehauchtes Instrumental das Album beendet. Insgesamt eine
größtenteils gelungene CD, die Fans dieser Stilrichtung
ohne Einschränkungen gefallen sollte. Neue Ideen oder
gar musikalische Novelle Cuisine findet man hier allerdings
nicht, sondern stattdessen wird dem Zuhörer eher souverän
arrangierte Hausmannskost kredenzt. Und die ist mir in Fällen
wie diesem auch gerne mal 7,5 Punkte wert!
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