INBORN SUFFERING – Wordless Hope

 
Label: Sound Riot
Release: 15.09.2006
Von: Psycho
Punkte: 7.5/10
Time: 01:04:07
Stil: Doom/Death Metal
URL: Inborn Suffering
 
Bei der (teilweise) wöchentlichen Promo-Verlosung unserer Chefredakteurin steht man immer wieder vor der Frage, für welche dieser vielen unbekannten Bands man denn diesmal sein Händchen erhebt. Ist im Prinzip wie der Kauf eines Überraschungs-Eis; man weiß wirklich nie, was man dann bekommt (vorher im Internet recherchieren wäre ja langweilig). So finden sich dann zuweilen echte Perlen (leider viel zu selten) oder aber auch totaler Schund (nicht so häufig, wie man meinen sollte), meistens jedoch bewegt sich das alles irgendwo im mittleren Bereich.

Als ich diesmal nach erfolgter Übergabe der INBORN SUFFERING-CD einen Blick ins Labelinfo geworfen hatte, musste ich erst mal schlucken, denn bei französischen Bands ist aufgrund leidvoller Erfahrungen immer ein gesundes Maß Skepsis angebracht. Aber man soll ja jeder CD zumindest eine Chance geben, und so wurde ich diesmal durchaus positiv überrascht.
Die sechsköpfige Band (die inzwischen auch den Sänger ausgetauscht hat) produziert nämlich auf ihrem Debüt Wordless Hope nicht das erwartete x-te überflüssige Symphonic Black Metal-Massaker, sondern stattdessen bekomme ich Songs zu hören, die mich doch schwer an Morgions Meisterwerk Solinari erinnern: doomige, z.T. episch lange und mit viel Abwechslung und Atmosphäre versehene Kompositionen, die trotz aller Klanggemälde vor allem ein Konglomerat der Schwärze vor den Augen des Hörers heraufbeschwören. Die Ähnlichkeit zu Morgion oder auch älteren My Dying Bride und Anathema ist dabei in der Tat frappierend, trotzdem muss man hier klar sagen: besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht, zumal vor allem die Amis nicht gerade zu der Sorte von Bands gehören, die für Legionen von Musikern als Inspirationsquelle herhalten (müssen). Allerdings, auch das sei nicht verhehlt, fehlt noch das letzte Quäntchen, um tatsächlich auf einer Stufe mit den genannten Bands anzulangen.

Der erste Song This Is Who We Are ist jedenfalls mit seinem über elf Minuten Länge und dem Wechselspiel zwischen leisen und lauten Passagen, cleanen, gefühlvollen Vocals und extremen Growls, sowie den feinen Gitarren-Hooks und gelegentlichen atmosphärischen Keyboard- bzw. Piano-Passagen exemplarisch für den hauptsächlich verfolgten Stil der Band. Teilweise werden im Hintergrund auch noch diverse Streicher eingesetzt (z.B. bei The Agony Within), zunächst regiert aber immer eine durchaus beachtlich in Szene gesetzte Mischung aus elegischem Doom Metal mit einigen Death-Anklängen; und mit Monolith oder dem harten Stygian Darkness haben INBORN SUFFERING hier durchaus starkes Material am Start.

Beim zweiten Megaepos namens Thorn Of Deceit bekommt die Musik dann doch noch in einen schwarzmetallischeren Anstrich, da das Stück mit z.T. deftigen, wenn auch kurzen Knüppeleinlagen versehen ist, bevor mit The Affliction Corridor ein folkloristisch angehauchtes Instrumental das Album beendet. Insgesamt eine größtenteils gelungene CD, die Fans dieser Stilrichtung ohne Einschränkungen gefallen sollte. Neue Ideen oder gar musikalische Novelle Cuisine findet man hier allerdings nicht, sondern stattdessen wird dem Zuhörer eher souverän arrangierte Hausmannskost kredenzt. Und die ist mir in Fällen wie diesem auch gerne mal 7,5 Punkte wert!