IMMORTAL
RITES? Ist das nicht der Opener des Death Metal Krachers
Altars Of Madness von Morbid Angel? Jau! Aber diejenigen unter
Euch, die die Alfdorfer vor dem Release des vorliegenden zweiten
Albums For Tyrant’s Sake noch nicht gekannt
haben (zu denen auch ich mich zähle), seien gewarnt, denn
mit dem Ami Death Metal, den die bösen Buben um Trey Azagthoth
mit erfunden haben, hat der Sound der Schwaben gar nichts gemein.
Denn das Quartett zelebriert wunderschön melodischen Death
Metal mit starker Göteborg-Prägung. Vor allem Dark
Tranquillity’s Frühwerke wie The Gallery dürften
sich die Jungs sehr oft angehört haben, wobei man weniger
auf Tempovariation setzt als die Skandinavier, sondern das Melodie-
und Harmonieelement im Gitarrensektor auf ähnliche Weise
ausreizt.
Nun kann man sich natürlich fragen, ob diese Welt ein weiteres
Melodic Death Metal Album benötigt. Ich sage ja, denn Dark
Tranquillity und In Flames haben sich als Szenevorreiter recht
weit von ihren Ursprüngen entfernt und hinterließen
somit eine Lücke für qualitativ hochwertigen melodischen
Todesstahl.
Hört man sich das Album etwas genauer an, so kommen von
mal zu mal mehr Facetten zum Vorschein, die For Tyrant’s
Sake mal mehr, mal weniger deutlich von der Masse Dark
Tranquillity -, In Flames- und At The Gates-Klone hervorheben.
Der Albumopener For Tyrant’s Sake brettert beispielsweise
in bester Naglfar-Manier los, bevor es tödlich groovend
in die erste Strophe geht und Daemon Dawn erinnert vom
Rhythmus und vom Gitarren-Riffing her sogar an Unleashed-Evergreens
wie Before The Creation Of Time.
Sänger/Gitarrist Philipp (der mittlerweile nicht mehr zum
Line Up gehört) setzt neben seinem brutalen, aber wenig
originellem Grölen auch auf cleane, mehrstimmige Vocals,
die sich sehr gut in den Gesamtsound einfügen.
Zuletzt sei noch ein kleiner Wermutstropfen erwähnt, denn
die an sich gelungene Produktion von Ex-Atrocity Schlagwerker
Martin Schmidt hätte ruhig etwas rauer ausfallen können,
was den zehn Songs sehr gut zu Gesichte gestanden hätte.