Der
Albumtitel Kalte Farben und ein Blick auf die Wirkung von Farben
wecken zunächst unheilvolle Assoziationen zu Eigenschaften
wie Distanz, Sachlichkeit und Funktionalität. Zum Glück
strahlen die violetten Farbverläufe auf dem Cover von IN
MITRA MEDUSA INRIs neuestem und mittlerweile viertem
Album eine eher beruhigende Wirkung aus. Ähnlich verhält
es sich mit der Musik. Die beiden Mönchengladbacher bauen
bei ihren mal deutsch-, mal englischsprachigen Songs nicht auf
offensichtliche Aggressivität oder Plakativität, sondern
erschaffen eine eher unterschwellige Dynamik und Atmosphäre.
Sie bedienen sich dabei in erster Linie klassischer Elemente
des Dark Waves wie relativ monotoner Sequenzen aus dem Drumcomputer
und sparsamer elektronischer Arrangements. Dafür lockert
an den entscheidenden Stellen der Einsatz von E-Gitarre die
ganze Sache etwas auf. Mit Melodien geht das Duo zum Glück
auch nicht sparsam um. Zu alledem gesellt sich der eindringliche
Gesang.
Man kann IN MITRA MEDUSA INRI nicht unterstellen,
irgendwelchen kurzlebigen Trends hinterher zu rennen. Einfallslosen
Discobeat wird man auf Kalte Farben vergeblich suchen und von
Szeneplattitüden von Bands wie Unheilig ist man trotz der
Gefahr deutschsprachiger Texte weit entfernt. Dennoch kann mich
Kalte Farben nicht so richtig hinter
dem Ofen hervorlocken, denn beim Hören des Albums will
mir der Name Diary Of Dreams nicht so recht aus dem Hinterkopf
verschwinden und von der songwriterischen Feinheit sowie Emotionalität
des Projektes um Adrian Hates sind IN MITRA MEDUSA INRI
doch ein ganzes Stück weit entfernt.
Kalte Farben ist dennoch kein schlechtes
Album, jedoch mangelt es dem teilweise recht poppigen Songreigen
nach gutem Einstieg mit Nimm die Lügen von mir
oder Keine Fragen an der nötigen Abwechslung.
Die getrageneren Songs wie Come On und Say Goodbye
reichen da als Gegenpole nicht aus. Einen etwas grenzwertigen
Abschluss bildet der Bonustrack - eine Interpretation des Antikriegssongs
Sag mir wo die Blumen sind.
So bleibt letzten Endes das Urteil: Solide Kost, nicht mehr
und nicht weniger. Kalte Farben wird
aber sicherlich wegen seiner Zeitlosigkeit seine Freunde finden.