IN MITRA MEDUSA INRI – Kalte Farben

 
Label: Apollyon
Release: 13.04.2007
Von: Daniel
Punkte: 7/10
Time: 58:00
Stil: Dark Wave
URL: In Mitra Medusa Inri
 
Der Albumtitel Kalte Farben und ein Blick auf die Wirkung von Farben wecken zunächst unheilvolle Assoziationen zu Eigenschaften wie Distanz, Sachlichkeit und Funktionalität. Zum Glück strahlen die violetten Farbverläufe auf dem Cover von IN MITRA MEDUSA INRIs neuestem und mittlerweile viertem Album eine eher beruhigende Wirkung aus. Ähnlich verhält es sich mit der Musik. Die beiden Mönchengladbacher bauen bei ihren mal deutsch-, mal englischsprachigen Songs nicht auf offensichtliche Aggressivität oder Plakativität, sondern erschaffen eine eher unterschwellige Dynamik und Atmosphäre. Sie bedienen sich dabei in erster Linie klassischer Elemente des Dark Waves wie relativ monotoner Sequenzen aus dem Drumcomputer und sparsamer elektronischer Arrangements. Dafür lockert an den entscheidenden Stellen der Einsatz von E-Gitarre die ganze Sache etwas auf. Mit Melodien geht das Duo zum Glück auch nicht sparsam um. Zu alledem gesellt sich der eindringliche Gesang.
Man kann IN MITRA MEDUSA INRI nicht unterstellen, irgendwelchen kurzlebigen Trends hinterher zu rennen. Einfallslosen Discobeat wird man auf Kalte Farben vergeblich suchen und von Szeneplattitüden von Bands wie Unheilig ist man trotz der Gefahr deutschsprachiger Texte weit entfernt. Dennoch kann mich Kalte Farben nicht so richtig hinter dem Ofen hervorlocken, denn beim Hören des Albums will mir der Name Diary Of Dreams nicht so recht aus dem Hinterkopf verschwinden und von der songwriterischen Feinheit sowie Emotionalität des Projektes um Adrian Hates sind IN MITRA MEDUSA INRI doch ein ganzes Stück weit entfernt.
Kalte Farben ist dennoch kein schlechtes Album, jedoch mangelt es dem teilweise recht poppigen Songreigen nach gutem Einstieg mit Nimm die Lügen von mir oder Keine Fragen an der nötigen Abwechslung. Die getrageneren Songs wie Come On und Say Goodbye reichen da als Gegenpole nicht aus. Einen etwas grenzwertigen Abschluss bildet der Bonustrack - eine Interpretation des Antikriegssongs Sag mir wo die Blumen sind.
So bleibt letzten Endes das Urteil: Solide Kost, nicht mehr und nicht weniger. Kalte Farben wird aber sicherlich wegen seiner Zeitlosigkeit seine Freunde finden.