Ach
herrje!!! Zu Beginn war ich enttäuscht, weil ich dachte,
die neue CD von den Tschechen Hypnos bestellt zu haben…
doch der Frust währte nicht lange, denn die fast namensgleichen
HYPNOSIS haben mit Seeds Of Fate
ein interessantes Werk am Start. Wie es sich für Franzosen
gehört, ist die Band nicht ganz einfach zu konsumieren,
ich würde sie sogar als extravagant bezeichnen.
Der Löwenanteil des sehr abwechslungsreichen Cocktails
ist sicher Death Metal, das liegt vor allem an den tiefen Growls
von Pierre, der nebenbei auch noch seine tief gestimmte Gitarre
gut im Griff hat. Er teilt sich die stimmliche Darbietung (und
Gitarrenarbeit) mit Cindy, die mit klaren und kräftigen
Vocals einen wirkungsvollen Kontrast schafft. Die Musik gestaltet
sich ziemlich modern, das liegt wohl am teils futuristisch programmierten
Rhythmusfundament, das die Klangwelt wie einen musikalischen
Cyberspace erklingen lässt. Das Klangbild ist eher kalt
und maschinell, was so einige Maschinen-Samples noch unterstreichen.
Meistens geht es richtig rasant zur Sache, es bleibt jedoch
genug Platz für Tempi- und Taktwechsel. In den recht lang
gehaltenen Liedern haben HYPNOSIS eine Vielzahl
von Details versteckt, die auch nach dem zehnten Durchlauf noch
einiges an Überraschungen bereithalten können. Dabei
die Balance zu halten und nicht zu komplex und künstlich
zu klingen, schaffen die Jungs und das Mädel problemlos.
Bei aller Sperrigkeit bauen die Franzosen glücklicherweise
groovige Teile ein, die durch schöne Harmonien auffallen.
Sehr gut ist ihnen das etwa bei Soul Mirror gelungen,
das durch die schrägen Stimmen einen avantgardistischen
Anstrich bekommt. Auch das folgende The Room beginnt
mit stimmtechnischen Experimenten, bevor ein elegisches Gitarrenriff
das Flair des Songs in eine gänzlich andere Richtung lenkt.
Treibende Akkorde und schnelle Rhythmen sorgen ein weiteres
Mal für Veränderung. Manchmal nehmen HYPNOSIS
das Tempo ganz heraus und lassen auch mal den Bass in den Vordergrund
treten. Die klare und transparente Produktion lässt alle
Instrumente gleichwertig nebeneinander stehen und so ist
Seeds Of Fate in seiner Gesamtheit empfehlenswert.
Das Titelstück als akustischer Schlusspunkt zeigt noch
einmal in geballter Form die interessante Komponierweise von
HYPNOSIS auf: teils stampfende, teils wütend
nach vorne preschende Tempi werden gegen Ende hin von ruhigeren,
hypnotischen Soundcollagen abgelöst, die das Album entspannt
ausklingen lassen.
Musikalisch klingt die Mischung eher anstrengend, aber zugleich
anspruchsvoll – und richtig, mit Seeds Of
Fate muss jeder Geduld haben. Die knapp eine Stunde
lang dauernde Scheibe verlangt einiges an Konzentration. Nach
einer kurzen Phase des Einhörens gefiel mir die CD aber
immer besser – so sollte es auch all jenen gehen, die
auf Death Metal stehen und gleichzeitig abgedrehten und progressiven
Klängen etwas abgewinnen können.