HYPNOSIS – Seeds Of Fate

 
Label: Bent Records
Release: September 2006
Von: Stormlord
Punkte: 8.5/10
Time: 59:27
Stil: Avantgarde Death Metal
URL: Hypnosis
 
Ach herrje!!! Zu Beginn war ich enttäuscht, weil ich dachte, die neue CD von den Tschechen Hypnos bestellt zu haben… doch der Frust währte nicht lange, denn die fast namensgleichen HYPNOSIS haben mit Seeds Of Fate ein interessantes Werk am Start. Wie es sich für Franzosen gehört, ist die Band nicht ganz einfach zu konsumieren, ich würde sie sogar als extravagant bezeichnen.
Der Löwenanteil des sehr abwechslungsreichen Cocktails ist sicher Death Metal, das liegt vor allem an den tiefen Growls von Pierre, der nebenbei auch noch seine tief gestimmte Gitarre gut im Griff hat. Er teilt sich die stimmliche Darbietung (und Gitarrenarbeit) mit Cindy, die mit klaren und kräftigen Vocals einen wirkungsvollen Kontrast schafft. Die Musik gestaltet sich ziemlich modern, das liegt wohl am teils futuristisch programmierten Rhythmusfundament, das die Klangwelt wie einen musikalischen Cyberspace erklingen lässt. Das Klangbild ist eher kalt und maschinell, was so einige Maschinen-Samples noch unterstreichen. Meistens geht es richtig rasant zur Sache, es bleibt jedoch genug Platz für Tempi- und Taktwechsel. In den recht lang gehaltenen Liedern haben HYPNOSIS eine Vielzahl von Details versteckt, die auch nach dem zehnten Durchlauf noch einiges an Überraschungen bereithalten können. Dabei die Balance zu halten und nicht zu komplex und künstlich zu klingen, schaffen die Jungs und das Mädel problemlos. Bei aller Sperrigkeit bauen die Franzosen glücklicherweise groovige Teile ein, die durch schöne Harmonien auffallen. Sehr gut ist ihnen das etwa bei Soul Mirror gelungen, das durch die schrägen Stimmen einen avantgardistischen Anstrich bekommt. Auch das folgende The Room beginnt mit stimmtechnischen Experimenten, bevor ein elegisches Gitarrenriff das Flair des Songs in eine gänzlich andere Richtung lenkt. Treibende Akkorde und schnelle Rhythmen sorgen ein weiteres Mal für Veränderung. Manchmal nehmen HYPNOSIS das Tempo ganz heraus und lassen auch mal den Bass in den Vordergrund treten. Die klare und transparente Produktion lässt alle Instrumente gleichwertig nebeneinander stehen und so ist Seeds Of Fate in seiner Gesamtheit empfehlenswert. Das Titelstück als akustischer Schlusspunkt zeigt noch einmal in geballter Form die interessante Komponierweise von HYPNOSIS auf: teils stampfende, teils wütend nach vorne preschende Tempi werden gegen Ende hin von ruhigeren, hypnotischen Soundcollagen abgelöst, die das Album entspannt ausklingen lassen.
Musikalisch klingt die Mischung eher anstrengend, aber zugleich anspruchsvoll – und richtig, mit Seeds Of Fate muss jeder Geduld haben. Die knapp eine Stunde lang dauernde Scheibe verlangt einiges an Konzentration. Nach einer kurzen Phase des Einhörens gefiel mir die CD aber immer besser – so sollte es auch all jenen gehen, die auf Death Metal stehen und gleichzeitig abgedrehten und progressiven Klängen etwas abgewinnen können.