Ein
schwerer Brocken, dieses Album der Nachfolgeband der auch schon
nicht ganz einfach zu konsumierenden And Oceans… intensiver
Industrial Metal mit apokalyptischen Samples stellen den Hörer
auf eine Geduldsprobe. So bin ich von der Durchschlagskraft
und Vielschichtigkeit solcher Dampfhämmer wie I.esus
beinahe geplättet, hervorgerufen durch nichts als extreme
Kälte und Hoffnungslosigkeit.
Schöne Melodien, einschmeichelnde Refrains, gemütliches
Zurücklehnen? Dreimal Fehlanzeige bei HAVOC UNIT.
Dafür gibt es jede Menge stampfender Rhythmen, eindringlicher
Vocals und schräger Musikcollagen zu entdecken. Ich kann
mir dieses Album mit dem kryptischen Namen h.IV+
nur schwer durchgehend anhören, die Stimmung ist dermaßen
negativ und nervenaufreibend, dass ich nur äußerst
selten eine größere Dosis HAVOC UNIT zu mir
nehme. Die unheimlichen Geräusche oder auch die unschuldige
Verwendung einer Spieluhr und gesprochene Passagen kontrastieren
die harte musikalische Ausrichtung und machen den maschinellen
Gesamteindruck noch fieser und einen Zacken kranker. Hin und
wieder integrieren HAVOC UNIT schwebende, tranceähnliche
Ruhepole in ihre apokalyptischen Klangkreationen, um die programmierten
Drums noch ungestümer und heftiger wirken zu lassen.
Doch was ist das? Inmitten der knallharten Soundwände erklingt
plötzlich ein stoisch und entspannt dahin rollender Teil
mit höchst wohlklingendem Gesang! So gehört im Stück
Ignoratio Elenchi, das mir als willkommene Abwechslung
gerade recht kommt, um meinen Melodie- und Harmoniedurst ein
wenig zu stillen. Doch es scheint als wäre diese „normale“
Komposition nur dazu da, um von den nächsten nervenaufreibenden
Rhythmen noch härter getroffen zu werden. Das äußerst
positive Kill All Nations versprüht dabei durch
seine Kombination von heftigem Text und effektvollen Samples,
verzerrter Stimme und lieblichen Einsprengseln Dynamik und morbiden
Charme.
Diese Veröffentlichung ist nichts für schwache Nerven
oder Musikgenießer mit Drang nach einer Menge Melodien,
geschweige denn gespickt mit schönen Gitarrenharmonien
– HAVOC UNIT vermitteln Kälte, spielen mit
Kontrasten und verstören durch verfremdete Klänge.