HAGGARD – Tales Of Ithria

 
Label: Drakkar
Release: 29.08.2008
Von: Joking
Punkte: -/10
Time: 42:50
Stil: Orchestral Metal
URL: Haggard
 
Was soll man mit diesem Album machen? Gerade mal eine knappe Dreiviertelsunde lang, voller Größenwahn und kitschiger Streicherorgien, zwischendurch ergreifende Melodien und harsche Breaks, die dem Hörbuch zumindest minutenlang Zunder geben. Hörbuch? Genau, HAGGARD haben Großes vor, fahren mit Mike Terrana einen sonoren Erzähler auf, der es sogar knapp mit Christopher Lees voluminösen Bass und seinen Eskapaden für Rhapsody aufnehmen kann. Dabei sind die „Geschichten aus Ithria“ alles andere als originell. Wie üblich geht es um ein Fantasy-Reich, in dem die Schlacht zwischen Gut und Böse tobt, am Ende „kämpfen Schwerter gegen Schwerter und Hämmer und Äxte prallen auf Schilder“. Das wird mit Inbrunst, satten Chören, klarem Gesang (bis hin zum kolibrihaften Jubilieren) und Asis düsteren Growls vorgetragen, wie man es bereits von den Vorgängern kennt. Gerade Asis Beiträge gehen zwar herb ins Ohr, sind aber weder besonders abwechslungsreich noch jederzeit zwingend und manchmal besorgniserregend albern. Wenn das Infoblatt hochtrabend verkündet, die Tales Of Ithria seien ein „Meisterwerk, das nicht nur die Grenzen zwischen Gut und Böse auslotet, sondern zugleich die Begrifflichkeiten Klassik und Metal in ein völlig neues Licht rückt und auf visionäre Weise neu befruchtet“, so ist das entweder gelogen oder man kennt weder Therion – die vor allem im Metallischen wesentlich konsequenter zur Sache gingen und gehen – oder Mike Batt, dessen orchestrale Hymnen in ihren besten Momenten treibender und reizvoller sind, als HAGGARDs Ausflüge Richtung Pop. Auf eine plumpe Art mutig und bodenlos kitschig ist z.B. das, auf einer alten spanischen Legende beruhende, traditionelle Hijo de la Luna. In der Version der spanischen Band Mecano hatte das kleine Liedchen durchaus seine Meriten, seit dem Missbrauch durch die Ballermanndumpfnudeln Loona hätte es allerdings auf ewig von der Liste zu covernder Songs ausgeschlossen werden müssen. HAGGARD fügen dem Song außer ein klein wenig Härte keine neue Perspektive hinzu, sondern hängen knietief in einem Sumpf voller Klaviere und seufzender Geigen. Unglaublich.
Aber natürlich haben HAGGARD das Gespür und Händchen für ausgefeilte metallische Neoromantik nicht verloren. So kommt das Titelstück beinahe als Wiegenlied daher, ist stellenweise herzergreifend und zugleich von bedrohlicher Düsternis, während Upon Fallen Autumn Leaves einigermaßen überzeugend in Nightwishs Revieren wildert.
Insgesamt ist das alles von einer majestätischen Erhabenheit, die auch aufgrund der altbackenen Epik einen wunderbaren Platz im Schulfunk finden könnte. Thema: Grundlagen der epischen Fantasy und ihre multimediale Aufbereitung – Höhen und Tiefen inklusive. In den besten Momenten eine packende Synthese aus dem Streben nach großer Kunst und erdigem Metal, in seinen schlimmsten Aussetzern provozierend, das DJ Bobo mit spitzem Hut und angeschlossenem Tanzensemble aus dem Bühnengraben springt.
Eine punktemäßige Bewertung erfasst das Album nur ungenügend; eine 5 wäre die richtige Zahl, würde aber das Album in den Bereich der Mittelmäßigkeit verweisen. Und genau das ist es nicht: mittelmäßig. Eher ein Äquivalent zu einem riesigen Marshmallow, das dir alles verklebt, aber irgendwie lecker schmeckt. Schön scheußliche Platte.