Hossa,
Hallo und Vive la France! Wenn man denkt, das unsere Nachbarn
sich den ganzen Tag Baguette und Käse reinschieben und
das Ganze mit literweise Rotwein nachspülen, liegt man
zwar nicht ganz falsch, dennoch täuscht man sich, denn
zwischendurch setzen sie Maßstäbe für Musik.
Wie schon ihre Landsleute Misantrophe, welche auch eine überwältigende
Band sind, reihen sich nun FURIA in den unendlichen
Reigen der Musikgeschichte ein.
Ich huldigte gerade dem rotem Golde (ich meine Rotwein und nicht
roten Sand, Quarz oder ähnlichem) als ich Post bekam. Nun
freue ich mich ja immer über Post, die keine Rechnungen,
Vorladungen, Zahlungsaufforderungen, GEZ-Gebühren oder
ähnliches enthält. So war es auch dieses mal. Freudig
zerriss ich den Umschlag und schon purzelt mir instrumentale
Musik mit Gesang auf eine kleine Scheibe gepresst entgegen.
FURIA aus Frankreich.
Also öffnetet ich den Schacht meines Players und warf sie
mit einer leichten, lockeren, linken Handbewegung ein. Mit dem
Wein in der einen Hand und einem Stück Baguette in der
anderen benutzte ich meinen großen Zeh um nicht nur das
Deck zu schließen, sondern auch an die Playtaste zu gelangen.
Wer dies schon mal versucht hat, weiß was für ein
schwieriges Unterfangen das ist.
Nun aber endlich zur Musik.
Als erstes schmetterte mir Ferme les yeur... entgegen.
Also, es kroch wohl eher aus der Membran meiner Box in die Membran
meiner Ohren und wie verzaubert legten sich die Melodien auf
meine Haut, worauf sich alle meine Härchen aufrichteten,
um noch mehr genießen zu können. Zu der orchestralen
Musik gesellte sich alsbald auch eine liebliche Frauenstimme
hinzu. Zu meinem Bedauern, war der ganze Spaß aber schon
nach wenigen Sekunden vorüber. Doch dann ging es erst richtig
los. Mit Un lac de Larmeset de Sang, quasi dem Titelsong
zu diesem Album, legten die fünf Jungs richtig los. Scharfe
Riffs, raue Rhythmen paarten sich mit symphonischen Keyboards
und aggressiven Grunzgesang. Dieser erinnerte mich stark an
den Gesang von Septic Flesh. Melodien wie von Göttern gezaubert
durchdrangen den Raum. Und das Schlagzeug hallte wie ein Donnerschlag
in meinen Ohren. Passende Samples verfeinern hier und da mit
Schluchzen, Pferdegetrappel, Weinen und Kettenrasseln die meisterliche
Musik. Wenn man die Augen schließt und diese auf sich
wirken lässt kommt man sich wie in einem Horrorfilm vor.
Von Lied zu Lied ändern sich nicht nur die variantenreichen
Melodien, nein, es werden auch akustische Instrumente eingesetzt,
Verzerrer und die bezaubernde Stimme von Adeline von der Band
Akin. Mein Favorit ist aber Memories d`outre-tombe,
hier vermischt die Band alles was sie kann. Brillant! Um noch
eins klarzustellen. Alles Songs sind in französisch abgedruckt
und gesungen. 1997 wurde die Band von Damien (vocals), Seb (lead
Guitar), Mick (guitar and vocals), Guillaume (bass), Julian
(drums) und Mehdi (machines) gegründet. Von Mai 1998 bis
März 1999 nahm die Band zwei Alben selber auf, bis sie
dann im September 2001 bei Adipocere Records unterkamen. Der
Sound und auch das Layout der CD ist erstklassige Arbeit, vor
der ich nur den Hut ziehen kann. Ich kann diese Band nur jedem
empfehlen, der auf abwechslungsreiche Musik steht!!!!
Leider darf ich nur max.10 Punkte vergeben. Verdient hätte
diese Band weitaus mehr! Wenn man sich den ganzen Dreck anhört
der sich mittlerweile Musik schimpft, freut es mich immer wieder,
gelegentlich eine Perle darunter zu entdecken.