FOREST OF FOG – Abgründe

 
Label: Schwarzmetall
Release: Mai 2006
Von: Seb
Punkte: 9/10
Time: 45:39
Stil: Black Metal
URL: Forest Of Fog
 
Bei FOREST OF FOG handelt sich um ein Ein-Mann-Projekt von I.H. (früher auch bekannt als Warburz), der unter diesem Namen im dritten Jahr bereits seine dritte full-length Veröffentlichung feiern kann. Nachdem Demo und die ersten beiden Alben in Eigenproduktion zustande gekommen sind, hat FOREST OF FOG endlich mit Schwarzmetall Musikproduktionen für Abgründe genau das richtige Label gefunden, was sich auch ganz deutlich am Sound bemerkbar macht, der zwar schon von den Anfangstagen an kontinuierlich besser wurde, nun aber wirklich exzellent und klar definiert rüberkommt.
Dem ein oder anderen wird eventuell auch bekannt sein, dass sich hinter der Abkürzung I.H. der Schweizer Ivo Henzi verbirgt, der seit kurzen auch bei der aufstrebenden Folk Metal Band Eluveitie als Gitarrist tätig ist.
Bei seinem Soloprojekt bewegt er sich allerdings in musikalisch deutlich härten Gefilden, wenn auch in Punkto Melodien hier und da melancholische und leicht folkige Anklänge zu finden sind. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Musik von frühen Dissection, Taake und auch älteren Old Man’s Child inspiriert erscheint, ohne dabei aber zu wirken, als wolle man die entsprechenden Vorbilder einfach nur kopieren. Das Ergebnis jedenfalls kann sich sehen bzw. hören lassen, Abgründe hat mich von Beginn an schwer beeindruckt und gehört meiner Meinung nach im Bereich des epischen Pagan/Black Metals zu den besten Veröffentlichungen des Jahres. Hier kommt genau die Mischung die ich mag zu tragen. Schnelle und harte Blastbeat-Passagen (per Drumcomputer erzeugt, aber weder stark übertrieben noch sonst wie unecht klingend) wechseln sich im annähernd gleichen Verhältnis mit ruhigeren Passagen, in denen filigrane Leads und weitläufige Melodiethemen eingebunden werden, ab. Diese sind dabei aber immer in melancholisch-düsterer Tonlage gehalten. Hin und wieder werden Übergänge zwischen diesen Stilen sogar durch fast klassischen Heavy Metal hergestellt, schadet der Sache aber nicht. Meist eher dezent im Hintergrund gehalten, weiß I.H. auch mit seiner gesanglichen Leistung zu überzeugen, die mit heiserem, dennoch auch zum Teil melodischem Gekrächze zunächst wie ein weiteres Instrument zur Bildung der düsteren Atmosphäre beiträgt. Wie ein weiteres Instrument meine ich deswegen, weil man I.H., trotzdem er auf Deutsch singt, nur mit sehr viel Mühe verstehen kann, was mich bei Black Metal aber auch kein bisschen stört. Liest man, im übrigen auch ansprechende gestalteten Booklet nach, so erfährt man, dass es inhaltlich passend zur Musik um innere Zerrissenheit, Qualen und unerfüllte Sehnsüchte geht.
Bei einigen Stücken werden auch, wenn es die Dramaturgie des Songs erfordert, Chöre und düstere Sprechpassagen eingesetzt.
Als Anspieltips würde ich generell erst einmal die komplette Scheibe empfehlen, als einzelne Songs Die Vision, Der Turm und Am Abgrund.
Ein sehr starkes Album, das allerdings wohl nicht für eingefahrene old school Black Metaller ist.
Aber auch denen kann ich empfehlen, durchaus mal reinzuhören.