Mitte
der Neunziger spielte die italienische Band FIGURE OF
SIX noch Hardcore, heute bemerkt man davon nichts mehr.
Ab und zu fallen FO6 aus ihrem neuen Rahmen
– dann gibt es ein paar Takte lang Hardcore Feeling.
FIGURE OF SIX – das steht stellvertretend
für 6 Instrumente: Stimme, Gitarre, Bass, Trommeln, Keyboard
und einem DJ. Die Musik auf dem Album strotzt nur so vor Samplingsequenzen
und Keyboardsounds. Gitarren nach Slipknot-Art stehen zwar nahezu
gleichberechtigt im Vordergrund, spielen aber nur noch die zweite
Geige, sozusagen.
Interessant ist Step One durchaus,
allerdings nicht für absolut eingefleischte Metaller, die
schon beim bloßen Anblick eines Keyboards an Pest und
Folter denken.
Vital Frequency ist ein flotter Song, der trotz (passagenweise)
fetter Gitarren locker in jeden Tanzschuppen passt. Go Away
- mit grundsätzlich dichtem Gitarrensound - löst seine
Spannung immer wieder über Melodiebögen bzw. dem „Refrain-Gesang“
auf, was sehr schön in das Gesamtbild des Songs passt.
With My Eyes hat ebenfalls eine eingängige Melodie
und einen ebensolchen Refrain, Dark Side 3 hört
sich wieder eher nach flotter Jamsession mit Experimentiercharakter
an, worauf Scream folgt, das mindestens drei völlig
unterschiedliche Stile in sich birgt. Hört man sich diesen
Song objektiv an, dann muss man durchaus Wagemut attestieren,
der grundsätzlich belohnt werden sollte. Subjektiv jedoch
mag man diese seltsame Mixtur oder auch nicht.
Wenn nicht gerade mit diversen elektronischen Sounds und Instrumenten
experimentiert wird, greift man bei FO6 zur
Flöte, melancholischen Melodien, dramatischen Keyboards,
setzt auf die Wirkung einer Linkin Park-ähnlichen Stimme
und nennt das Resultat Inside. Damit und mit Wake
Me Up zollen FO6 zuvor genannter Band
Tribut, was der Scheibe musikalisch aber eher abträglich
ist. Wobei einzelne Passagen durchaus ansprechend sind.
Dafür schließt Step One
mit einem kurzen Instrumental, das nach einer Mischung aus spätabendlicher
Jamsession und Soundteppich klingt (Dark Side 4).
Entweder wollen die Italiener ihre dunkle Seite unterstreichen,
oder sie waren gerade in einer kreativen Krise, anders kann
ich mir den Sinn nicht erklären, vier Stücke gleich
zu betiteln: Dark Side 1,2,3,4.
Stimmlich kann
man nicht viel sagen – es gibt nur klaren Gesang, den
man kaum beurteilen kann, denn man erkennt kaum Strophen in
den Songs. Es hört sich so an, als ob fast alle Lyrics
Refrains oder Refrainteile wären. Offensichtlich steht
der Gesang grundsätzlich nicht im Vordergrund.
Und so geht Step
One dahin: mal dies, mal das, mal alles zusammen,
und immer sehr elektronisch mit abwechslungsreichen Sounds
und Tempi: Elektro/EBM mit verstärktem Metalschlag.
|