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Lasst
uns gleich zu Anfang den Sachverhalt klären - wer bei der Stilbezeichnung
Gothic angewidert das Lesen lässt, dem sei empfohlen hier vielleicht
eine kleine Ausnahme zu machen, diesmal könnte man wirklich etwas
verpassen. So wäre es auch mir ergangen, hätte ich die CD einfach
an einen unserer Gothic-Spezialisten weitergeleitet ohne vorher
hineinzuhören - ein faszinierendes Stück Musik wäre mir hierbei
verloren gegangen. Doch machte mich das Wort "Endzeitstimmung"
neugierig und bereits nach dem ersten Hineinschnuppern war mir
klar, dass es sich hier nicht um eines der vielen Mitleiderfüllten,
kitschigen, massenkompatiblen Veröffentlichungen handelt, die
eben der Großteil des heutigen Gothicmetalmarktes sind, nein,
hier entfalten sich Klangwelten, die vor Kraft nur so strotzen.
Alleine
durch die bedrückende Atmosphäre und die gekonnte Umsetzung schaffen
die Wiener es in Sachen Druck und Energie einigen Knüppelpartien
meilenweit voraus zu sein, bei jedem Song fühlt man das Herzblut,
das dahinter steckt - eine Eigenschaft, die ich in Zeiten, in
denen Musik hauptsächlich der Vermarktung dient besonders schätze.
Mit einem leichten elektronischen Ansatz wird auf Decay
- wie der Titel bereits sagt - der Verfall der Welt in seinen
verschiedenen Aspekten beschrieben, so wurde etwa im Song dorian
die in Oskar Wildes Roman "Das Bildnis des Dorian Gray" beschriebene
Problematik des Wahn nach der Jugend und der Angst vor dem Alter
beschrieben, während das letzte Stück First Flower After The
Flood mit seinem endzeitlichen Text den Verfall der Menschheit
anspricht. Besonders gut gefällt mir, dass diese Thematiken durchaus
realistisch betrachtet wurden und dazu eine berechtige Prise Aggressivität
beinhalten anstelle der üblichen depressiven Phrasen.
Auch die musikalische Umsetzung lässt nichts zu wünschen übrig
- es wird vermehrt auf eingängige Melodien gesetzt, die aber nicht
lästig wirken, sondern sich wohlgefallend in das Klangbild einfügen,
dazu kommt die charismatische Stimme von Sänger Christian, der
es durchaus versteht mit seinem Organ die richtigen Akzente zu
setzen und somit sicherlich ein wichtiger Bestandteil der bedrückenden
Stimmung ist. Auch die instrumentale Experimentierfreude ist zu
erwähnen, so wurde mit der Elektronik bewusst gespart um sie nur
in den richtigen Momenten einzusetzen, auf Coincidence
gibt es zudem ein Saxophon zu hören, dass - obwohl mir Blasinstrumente
ganz und gar nicht gefallen - sehr passend eingesetzt wurde und
mich so eher mitreisst als stört.
Somit kann ich hier von einem gelungenen Gesamtkunstwerk sprechen,
bei dem das Zusammenspiel von Texten, Ambitionen und Musik perfekt
gelungen ist. So ist dieses Album auch denjenigen empfohlen, die
normalerweise um Gothic einen weiten Bogen machen, allerdings
nur wenn die nötige Toleranz vorhanden ist. Ich weiß ja, warum
ich sage, dass Österreich so manchen bislang unentdeckten Juwel
versteckt hat...
Floodland
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