FLOODLAND - Decay

  
 

Label: W.A.B. Records

Release: 11.11.2002

Von: Dunja

Punkte: 9

Lasst uns gleich zu Anfang den Sachverhalt klären - wer bei der Stilbezeichnung Gothic angewidert das Lesen lässt, dem sei empfohlen hier vielleicht eine kleine Ausnahme zu machen, diesmal könnte man wirklich etwas verpassen. So wäre es auch mir ergangen, hätte ich die CD einfach an einen unserer Gothic-Spezialisten weitergeleitet ohne vorher hineinzuhören - ein faszinierendes Stück Musik wäre mir hierbei verloren gegangen. Doch machte mich das Wort "Endzeitstimmung" neugierig und bereits nach dem ersten Hineinschnuppern war mir klar, dass es sich hier nicht um eines der vielen Mitleiderfüllten, kitschigen, massenkompatiblen Veröffentlichungen handelt, die eben der Großteil des heutigen Gothicmetalmarktes sind, nein, hier entfalten sich Klangwelten, die vor Kraft nur so strotzen.

Alleine durch die bedrückende Atmosphäre und die gekonnte Umsetzung schaffen die Wiener es in Sachen Druck und Energie einigen Knüppelpartien meilenweit voraus zu sein, bei jedem Song fühlt man das Herzblut, das dahinter steckt - eine Eigenschaft, die ich in Zeiten, in denen Musik hauptsächlich der Vermarktung dient besonders schätze. Mit einem leichten elektronischen Ansatz wird auf Decay - wie der Titel bereits sagt - der Verfall der Welt in seinen verschiedenen Aspekten beschrieben, so wurde etwa im Song dorian die in Oskar Wildes Roman "Das Bildnis des Dorian Gray" beschriebene Problematik des Wahn nach der Jugend und der Angst vor dem Alter beschrieben, während das letzte Stück First Flower After The Flood mit seinem endzeitlichen Text den Verfall der Menschheit anspricht. Besonders gut gefällt mir, dass diese Thematiken durchaus realistisch betrachtet wurden und dazu eine berechtige Prise Aggressivität beinhalten anstelle der üblichen depressiven Phrasen.

Auch die musikalische Umsetzung lässt nichts zu wünschen übrig - es wird vermehrt auf eingängige Melodien gesetzt, die aber nicht lästig wirken, sondern sich wohlgefallend in das Klangbild einfügen, dazu kommt die charismatische Stimme von Sänger Christian, der es durchaus versteht mit seinem Organ die richtigen Akzente zu setzen und somit sicherlich ein wichtiger Bestandteil der bedrückenden Stimmung ist. Auch die instrumentale Experimentierfreude ist zu erwähnen, so wurde mit der Elektronik bewusst gespart um sie nur in den richtigen Momenten einzusetzen, auf Coincidence gibt es zudem ein Saxophon zu hören, dass - obwohl mir Blasinstrumente ganz und gar nicht gefallen - sehr passend eingesetzt wurde und mich so eher mitreisst als stört.

Somit kann ich hier von einem gelungenen Gesamtkunstwerk sprechen, bei dem das Zusammenspiel von Texten, Ambitionen und Musik perfekt gelungen ist. So ist dieses Album auch denjenigen empfohlen, die normalerweise um Gothic einen weiten Bogen machen, allerdings nur wenn die nötige Toleranz vorhanden ist. Ich weiß ja, warum ich sage, dass Österreich so manchen bislang unentdeckten Juwel versteckt hat...

Floodland