Beim Lesen
des Presseblattes zum FJOERGYN Debüt Ernte
im Herbst war ich mir fast schon sicher, dass
die CD Scheiße sein würde. Denn erstens bin ich bei
Black Attakk Veröffentlichungen zunächst immer skeptisch,
und zweitens erschienen mir die beiden Thüringer aufgrund
der Beschreibung als weltfremde Natur-Sektierer, die am liebsten
im Wald hausen würden (Vorsicht, nicht in eine Wehrsportübung
der SSS geraten...) und ansonsten der Meinung sind, dass sich
der Parasit Mensch am besten nach erfolgter Kulturschöpfung
(z.B. Musik komponieren) umbringen sollte. So vollzieht es zumindest
laut Info die beschriebene Figur im Track Requiem,
was ich zum einen ziemlich hohl, auf der anderen Seite reichlich
pathetisch finde, zumal das Ganze mit Beethovens „Freude
schöner Götterfunken“ untermalt sein soll (und
auch ist).
Dementsprechend niedrige Erwartungen hatte ich folglich, die
sich dann zumindest technisch schnell bestätigen sollten.
Denn trotz insgesamt 5 CD-Abspielgeräten in unserem Haushalt
zeigte meine Promo-Pressung nur bei einem davon keine Störungen,
sofern sie denn überhaupt funktionierte. Musikalisch hingegen
komme ich nicht umhin, FJOERGYN für das
Geleistete meinen Respekt zu zollen, denn ohne Zweifel ist den
beiden Musikern hier eine geglückte Synthese aus Metal,
Bombast, Klassik und vielen leisen Momenten gelungen. Während
das Intro Monolog der Natur noch eher nach der Musik
zu einem Tim Burton-Film klingt (vor allem Nightmare Before
Christmas würde ich da nennen), erweisen sich die weiteren
Stücke an vielen Stellen als eine größtenteils
gelungene Mischung aus Empyrium und Falkenbach, um jetzt mal
die naheliegendsten Referenzen zu nennen. Ok, ein Drumcomputer
kann eigentlich nie einen echten Schlagzeuger ersetzen, und
die (wenigen) ganz schnellen Passagen klingen auch schnell matschig,
aber bis auf diese beiden, eher Budget bedingten Mankos liefern
Stephan L. und Andreas T. ein wirklich schönes und musikalisch
sehr tiefgründiges Album ab, welches in der Pagan-/Viking-
und gemäßigten Black Metal-Szene für einiges
Aufsehen sorgen dürfte.
Tracks wie Vom Tod der Träume, Abendwache
oder Ernte im Herbst sind dramatisch und kompositorisch
geschickt aufgebaut, sowohl hart als auch abwechslungsreich
und darüber hinaus mit reichlich Atmosphäre ausgestattet.
Selbst das bereits angesprochene Requiem kann in dieser
Hinsicht gefallen; etwas überflüssig erscheint mir
allerdings der rein instrumentale Hidden Track, der nichts anderes
als ein (Soundtrack-artiges) Konglomerat aus diversen Geräuschen
und einigen Gitarrenriffs darstellt; zusammen mit der Pause
bis dahin wird die Spielzeit so auch noch um fast 14 Minuten
gestreckt.
Trotzdem: Fans der genannten Musikstile bzw. Bands müssen
in das FJOERGYN Debüt zumindest reinhören,
und Freunde anspruchsvoller orchestraler Kost sollten ebenfalls
ein Ohr riskieren, auch wenn es aufgrund der Texte und einiger
Soundprobleme „nur“ 7,5 Punkte geworden sind.