FJOERGYN – Ernte im Herbst

 
Label: Black Attakk
Release: 25.04.2005
Von: Psycho
Punkte: 7.5/10
Time: 74:01
Stil: Pagan Metal
URL: Fjoergyn
 

Beim Lesen des Presseblattes zum FJOERGYN Debüt Ernte im Herbst war ich mir fast schon sicher, dass die CD Scheiße sein würde. Denn erstens bin ich bei Black Attakk Veröffentlichungen zunächst immer skeptisch, und zweitens erschienen mir die beiden Thüringer aufgrund der Beschreibung als weltfremde Natur-Sektierer, die am liebsten im Wald hausen würden (Vorsicht, nicht in eine Wehrsportübung der SSS geraten...) und ansonsten der Meinung sind, dass sich der Parasit Mensch am besten nach erfolgter Kulturschöpfung (z.B. Musik komponieren) umbringen sollte. So vollzieht es zumindest laut Info die beschriebene Figur im Track Requiem, was ich zum einen ziemlich hohl, auf der anderen Seite reichlich pathetisch finde, zumal das Ganze mit Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ untermalt sein soll (und auch ist).
Dementsprechend niedrige Erwartungen hatte ich folglich, die sich dann zumindest technisch schnell bestätigen sollten. Denn trotz insgesamt 5 CD-Abspielgeräten in unserem Haushalt zeigte meine Promo-Pressung nur bei einem davon keine Störungen, sofern sie denn überhaupt funktionierte. Musikalisch hingegen komme ich nicht umhin, FJOERGYN für das Geleistete meinen Respekt zu zollen, denn ohne Zweifel ist den beiden Musikern hier eine geglückte Synthese aus Metal, Bombast, Klassik und vielen leisen Momenten gelungen. Während das Intro Monolog der Natur noch eher nach der Musik zu einem Tim Burton-Film klingt (vor allem Nightmare Before Christmas würde ich da nennen), erweisen sich die weiteren Stücke an vielen Stellen als eine größtenteils gelungene Mischung aus Empyrium und Falkenbach, um jetzt mal die naheliegendsten Referenzen zu nennen. Ok, ein Drumcomputer kann eigentlich nie einen echten Schlagzeuger ersetzen, und die (wenigen) ganz schnellen Passagen klingen auch schnell matschig, aber bis auf diese beiden, eher Budget bedingten Mankos liefern Stephan L. und Andreas T. ein wirklich schönes und musikalisch sehr tiefgründiges Album ab, welches in der Pagan-/Viking- und gemäßigten Black Metal-Szene für einiges Aufsehen sorgen dürfte.
Tracks wie Vom Tod der Träume, Abendwache oder Ernte im Herbst sind dramatisch und kompositorisch geschickt aufgebaut, sowohl hart als auch abwechslungsreich und darüber hinaus mit reichlich Atmosphäre ausgestattet. Selbst das bereits angesprochene Requiem kann in dieser Hinsicht gefallen; etwas überflüssig erscheint mir allerdings der rein instrumentale Hidden Track, der nichts anderes als ein (Soundtrack-artiges) Konglomerat aus diversen Geräuschen und einigen Gitarrenriffs darstellt; zusammen mit der Pause bis dahin wird die Spielzeit so auch noch um fast 14 Minuten gestreckt.
Trotzdem: Fans der genannten Musikstile bzw. Bands müssen in das FJOERGYN Debüt zumindest reinhören, und Freunde anspruchsvoller orchestraler Kost sollten ebenfalls ein Ohr riskieren, auch wenn es aufgrund der Texte und einiger Soundprobleme „nur“ 7,5 Punkte geworden sind.