FIELDS OF THE NEPHILIM - Fallen
Label: Oblivion / SPV
Release: 07.10.2002
Von: Psycho
Punkte: 4

Lange hat es gedauert, unzählige Vorankündigungen wurden als falsch pulverisiert, und jetzt, nachdem man schon fast nicht mehr an eine Veröffentlichung glauben wollte, erscheint sie nun also doch noch: die neue CD der 1991 aufgelösten, einstigen Kultband und später dann re-unionierten FIELDS OF THE NEPHILIM. Mal ganz unabhängig davon, welche Schwierigkeiten denn nun wirklich zu dieser Verzögerung geführt haben, aber vier oder fünf Jahre (wenn ich mich recht entsinne...) seit den ersten Ankündigungen sind eine verdammt lange Zeit. Der Spannungsbogen, der zunächst aufgebaut wurde hat sich schon längst ins Nirvana verabschiedet, zumal im kurzlebigen Musikgeschäft in dieser Zeit ganze Generationen an Künstlern und Trends verbraucht werden können.
Trotzdem kann ich nicht verhehlen, dass ich in mir eine gewisse Aufregung breit machte, als ich das Vorab-Promo von Fallen in den CD-Player legte und einfach nicht so recht wußte, was ich nun erwarten sollte.

Das erste Stück Dead To The World entpuppt sich dann trotz einer Länge von fast vier Minuten lediglich als Intro, welches mir aber zunächst noch keinen Aufschluss über die folgenden Titel zu vermitteln vermag. Vielmehr fließt es zäh wie Lava aus den Boxen, mit träge dahin wabbernden, stark verzerrten Gitarren, zu denen Carl MacCoy erste bedeutungsschwangere Lyrics vor sich hin brummelt. Dabei bildet dieser Klangteppich mit den im Hintergrund verwandten Samples und der Rhythmusabteilung eine ziemlich merkwürdige Melange, die seltsam undifferenziert und plakativ rüber kommt.
Der Übergang zu From The Fire erfolgt dann direkt, erste typische Gitarrenmelodien tauchen auf, und der Gesang versucht, die alte Mystik heraufzubeschwören, die an den FIELDS OF THE NEPHILIM immer so fasziniert hat. Spätestens jetzt beginnt sich aber bereits eine erste Enttäuschung breit zu machen: trotz des gar nicht so schlechten Einstiegs verharrt das Stück nämlich auf der Stelle; es gibt keine Entwicklung, keinen Höhepunkt, die Melodien stagnieren, und es herrscht eine ziemliche Monotonie vor. Der Sound bleibt merkwürdig breiig und vermag sämtliche stark in den Hintergrund gerückten percussiven Elemente nicht zu beleben. So bleiben im Vordergrund eigentlich nur einige matschig klingende Gitarren, deren Verzerrung zu sehr an das Nefilim-Album erinnert und die somit die melodiöseren Parts zu stark überdecken, sowie der überbetonte Gesang Carl McCoys, der aber eher gegen den Gesamtsound anschreit als sich in die ohnehin nur schlecht entwickelnde Atmosphäre des Songs zu integrieren.
Das folgende Thirst bestätigt eigentlich nur diesen Eindruck. Jetzt drängt sich auch immer mehr der Verdacht auf, als hätte man hier aus den Ideen für ein Stück gleich drei gemacht. Was vielleicht als sich episch entfaltendes Songmaterial gedacht war, entpuppt sich somit leider als kompositorischer Reinfall, dessen Schwächen durch die miese Produktion nur noch stärker zu Tage treten. Bei einer Newcomer-Band wäre ich bereits jetzt in der Versuchung, ihr den Stempel "uninteressant" aufzudrücken...

Aber die Erinnerung an alte Glanztaten und Songs wie Moonchild zwingt einen förmlich dazu, die Hoffnung nicht aufzugeben. Das vierte Stück Darkcell AD beginnt denn auch etwas besser, mit schöner Melodieführung und leicht verbessertem Sound. Allerdings begehen die FIELDS auch hier wieder den Fehler, nach dem Einstieg nicht weiter zu machen; scheint das Material erneut nicht auskomponiert zu sein. Zu sehr verlässt man sich auf die Wirkung der Eingangsriffs, anstatt diese konsequent weiterzuentwickeln und somit wirkliche Atmosphäre zu erzeugen.
Das anschließende Subsanity wirkt hingegen wie der totale Zwitter zwischen Zoon und Elyzium, vermag die bereits erkannten Schwächen im Songwriting allerdings nicht zu vertuschen.

Erst Hollow Doll klingt endlich so, wie man sich einen FIELDS-Song eigentlich vorgestellt hätte: die westernartigen Gitarren und pumpende Bassläufe werden in ein Wave-Gothic-Gewand gegossen, darüber dann der hier zum ersten Mal wirklich überzeugende Gesang Carl McCoys. Im Vergleich zum alten Material sicherlich eher im durchschnittlichen Bereich anzusiedeln, aber immerhin. Lediglich die Produktion erweist sich nach wie vor als hinderlich, und man ertappt sich bei dem Gedanken, dass die Zeit für diese Stilistik vielleicht doch schon vorbei sein könnte...
Um diesen Eindruck der Antiquiertheit wieder zu verwischen, folgen mit dem Titeltrack Fallen und Deeper Songs, die genauso gut auf Zoon, dem 96er Soloalbum von Carl McCoy (als The Nefilim) hätten stehen können. Harsche Gitarren, harte Drums (von denen allerdings wieder kaum etwas zu vernehmen ist), einige Keyboards und verzerrter Gesang. Wer es damals schon mochte, dürfte dem heute nicht abgeneigter gegenüber stehen.
Premonition als kurzes und düsteres Zwischenspiel leitet dann schließlich zum letzten Track One More Nightmare über. Dieser versucht wiederum den Brückenschlag zwischen Zoon und dem ursprünglichen Material der FIELDS zu schlagen, was diesmal sogar, trotz einiger Härte, wirklich gelingt! Staun... Aber ehrlich gesagt, geschieht dies mit dem letzten Stück ein wenig zu spät, und zum aus dem Fenster hüpfende Euphorie wird hier auch nicht unbedingt erzeugt. Und so ist nach ca. 40 Minuten der Spuk auch schon wieder vorbei...

Der Gedanke, der sich nach dem ersten Durchlauf bei mir herauskristallisierte, war denn auch folglich: Und das soll es jetzt gewesen sein? Eine berechtigte Frage, denn Fallen ist einfach nicht stark genug, um mit gutem Recht an alte Erfolge anknüpfen zu können. Genauer gesagt ist es fast schon ärgerlich, dass der Band nach diesem langen Entstehungsprozess nichts besseres gelungen, nicht mehr eingefallen ist, von den offensichtlichen produktionstechnischen Mängeln einmal ganz zu schweigen. Fast das gesamte Material wirkt unfertig und unausgereift, teilweise sogar zusammengeschustert, und vermittelt den Eindruck, als wären diverse Tapes beim Songwriting in der Post verschwunden oder man wäre sich im Studio nicht wirklich einig geworden, wie es denn nun klingen und/oder weitergehen soll. Ein Eindruck, der sich auch in den vielen weiteren Auditions nicht legen wollte und der mir (manchmal zweifelt man ja doch an seiner Objektivität) auch von anderen Probehörern bestätigt wurde.

Wenn man sich im Gegensatz dazu anschaut, wie viele neue Bands jedes Jahr mit teilweise wirklich überzeugenden Alben auf den Markt drängen, so bleibt, außer dem vermeintlichen Bonus für vergangene Zeiten, nicht genügend Substanz übrig, die einen echten Kaufanreiz darstellen könnte. Schade...

Fields Of The Nephilim