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Lange hat
es gedauert, unzählige Vorankündigungen wurden als falsch pulverisiert,
und jetzt, nachdem man schon fast nicht mehr an eine Veröffentlichung
glauben wollte, erscheint sie nun also doch noch: die neue CD
der 1991 aufgelösten, einstigen Kultband und später dann re-unionierten
FIELDS OF THE NEPHILIM. Mal ganz unabhängig davon, welche
Schwierigkeiten denn nun wirklich zu dieser Verzögerung geführt
haben, aber vier oder fünf Jahre (wenn ich mich recht entsinne...)
seit den ersten Ankündigungen sind eine verdammt lange Zeit. Der
Spannungsbogen, der zunächst aufgebaut wurde hat sich schon längst
ins Nirvana verabschiedet, zumal im kurzlebigen Musikgeschäft
in dieser Zeit ganze Generationen an Künstlern und Trends verbraucht
werden können.
Trotzdem kann ich nicht verhehlen, dass ich in mir eine gewisse
Aufregung breit machte, als ich das Vorab-Promo von Fallen
in den CD-Player legte und einfach nicht so recht wußte, was ich
nun erwarten sollte.
Das erste
Stück Dead To The World entpuppt sich dann trotz einer
Länge von fast vier Minuten lediglich als Intro, welches mir aber
zunächst noch keinen Aufschluss über die folgenden Titel zu vermitteln
vermag. Vielmehr fließt es zäh wie Lava aus den Boxen, mit träge
dahin wabbernden, stark verzerrten Gitarren, zu denen Carl MacCoy
erste bedeutungsschwangere Lyrics vor sich hin brummelt. Dabei
bildet dieser Klangteppich mit den im Hintergrund verwandten Samples
und der Rhythmusabteilung eine ziemlich merkwürdige Melange, die
seltsam undifferenziert und plakativ rüber kommt.
Der Übergang zu From The Fire erfolgt dann direkt, erste
typische Gitarrenmelodien tauchen auf, und der Gesang versucht,
die alte Mystik heraufzubeschwören, die an den FIELDS OF THE
NEPHILIM immer so fasziniert hat. Spätestens jetzt beginnt
sich aber bereits eine erste Enttäuschung breit zu machen: trotz
des gar nicht so schlechten Einstiegs verharrt das Stück nämlich
auf der Stelle; es gibt keine Entwicklung, keinen Höhepunkt, die
Melodien stagnieren, und es herrscht eine ziemliche Monotonie
vor. Der Sound bleibt merkwürdig breiig und vermag sämtliche stark
in den Hintergrund gerückten percussiven Elemente nicht zu beleben.
So bleiben im Vordergrund eigentlich nur einige matschig klingende
Gitarren, deren Verzerrung zu sehr an das Nefilim-Album erinnert
und die somit die melodiöseren Parts zu stark überdecken, sowie
der überbetonte Gesang Carl McCoys, der aber eher gegen den Gesamtsound
anschreit als sich in die ohnehin nur schlecht entwickelnde Atmosphäre
des Songs zu integrieren.
Das folgende Thirst bestätigt eigentlich nur diesen Eindruck.
Jetzt drängt sich auch immer mehr der Verdacht auf, als hätte
man hier aus den Ideen für ein Stück gleich drei gemacht. Was
vielleicht als sich episch entfaltendes Songmaterial gedacht war,
entpuppt sich somit leider als kompositorischer Reinfall, dessen
Schwächen durch die miese Produktion nur noch stärker zu Tage
treten. Bei einer Newcomer-Band wäre ich bereits jetzt in der
Versuchung, ihr den Stempel "uninteressant" aufzudrücken...
Aber die Erinnerung
an alte Glanztaten und Songs wie Moonchild zwingt einen
förmlich dazu, die Hoffnung nicht aufzugeben. Das vierte Stück
Darkcell AD beginnt denn auch etwas besser, mit schöner
Melodieführung und leicht verbessertem Sound. Allerdings begehen
die FIELDS auch hier wieder den Fehler, nach dem Einstieg
nicht weiter zu machen; scheint das Material erneut nicht auskomponiert
zu sein. Zu sehr verlässt man sich auf die Wirkung der Eingangsriffs,
anstatt diese konsequent weiterzuentwickeln und somit wirkliche
Atmosphäre zu erzeugen.
Das anschließende Subsanity wirkt hingegen wie der totale
Zwitter zwischen Zoon und Elyzium,
vermag die bereits erkannten Schwächen im Songwriting allerdings
nicht zu vertuschen.
Erst Hollow
Doll klingt endlich so, wie man sich einen FIELDS-Song
eigentlich vorgestellt hätte: die westernartigen Gitarren und
pumpende Bassläufe werden in ein Wave-Gothic-Gewand gegossen,
darüber dann der hier zum ersten Mal wirklich überzeugende Gesang
Carl McCoys. Im Vergleich zum alten Material sicherlich eher im
durchschnittlichen Bereich anzusiedeln, aber immerhin. Lediglich
die Produktion erweist sich nach wie vor als hinderlich, und man
ertappt sich bei dem Gedanken, dass die Zeit für diese Stilistik
vielleicht doch schon vorbei sein könnte...
Um diesen Eindruck der Antiquiertheit wieder zu verwischen, folgen
mit dem Titeltrack Fallen und Deeper Songs, die
genauso gut auf Zoon, dem 96er Soloalbum von Carl
McCoy (als The Nefilim) hätten stehen können. Harsche Gitarren,
harte Drums (von denen allerdings wieder kaum etwas zu vernehmen
ist), einige Keyboards und verzerrter Gesang. Wer es damals schon
mochte, dürfte dem heute nicht abgeneigter gegenüber stehen.
Premonition als kurzes und düsteres Zwischenspiel leitet
dann schließlich zum letzten Track One More Nightmare über.
Dieser versucht wiederum den Brückenschlag zwischen Zoon
und dem ursprünglichen Material der FIELDS zu schlagen,
was diesmal sogar, trotz einiger Härte, wirklich gelingt! Staun...
Aber ehrlich gesagt, geschieht dies mit dem letzten Stück ein
wenig zu spät, und zum aus dem Fenster hüpfende Euphorie wird
hier auch nicht unbedingt erzeugt. Und so ist nach ca. 40 Minuten
der Spuk auch schon wieder vorbei...
Der Gedanke,
der sich nach dem ersten Durchlauf bei mir herauskristallisierte,
war denn auch folglich: Und das soll es jetzt gewesen sein? Eine
berechtigte Frage, denn Fallen ist einfach nicht
stark genug, um mit gutem Recht an alte Erfolge anknüpfen zu können.
Genauer gesagt ist es fast schon ärgerlich, dass der Band nach
diesem langen Entstehungsprozess nichts besseres gelungen, nicht
mehr eingefallen ist, von den offensichtlichen produktionstechnischen
Mängeln einmal ganz zu schweigen. Fast das gesamte Material wirkt
unfertig und unausgereift, teilweise sogar zusammengeschustert,
und vermittelt den Eindruck, als wären diverse Tapes beim Songwriting
in der Post verschwunden oder man wäre sich im Studio nicht wirklich
einig geworden, wie es denn nun klingen und/oder weitergehen soll.
Ein Eindruck, der sich auch in den vielen weiteren Auditions nicht
legen wollte und der mir (manchmal zweifelt man ja doch an seiner
Objektivität) auch von anderen Probehörern bestätigt wurde.
Wenn man sich
im Gegensatz dazu anschaut, wie viele neue Bands jedes Jahr mit
teilweise wirklich überzeugenden Alben auf den Markt drängen,
so bleibt, außer dem vermeintlichen Bonus für vergangene Zeiten,
nicht genügend Substanz übrig, die einen echten Kaufanreiz darstellen
könnte. Schade...
Fields
Of The Nephilim
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